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Jessica Schwarzer: "Es wird sicher kein einfaches Börsenjahr"

03.12.2018, 08:27  |  16258   |   |   

Nachdem der Dax in der vergangenen Woche 140 Punkte verlor und die Börsenwoche bei 11.257 Punkten beendete, wird er diese Woche mit einem Plus von 2,36 Prozent bzw. 11.521 Punkten starten. Kommt die Jahresendrallye? Hierzu sprach wallstreet:online mit der Börsenexpertin Jessica Schwarzer.

Dieses Jahr war kein Dax-Jahr. Bestimmt haben Sie auch keine Glaskugel, die Ihnen voraussagt, wie es mit dem Dax weitergeht. Aber Sie haben sehr viel Erfahrung und Wissensvorsprünge. Könnten Sie uns davon etwas in Bezug auf den Dax-Ausblick 2019 abgeben?

Erfahrung auf jeden Fall, Wissenvorsprung vielleicht auch. Aber eine Kristallkugel? Eher nicht. Ich finde Prognosen und Ausblicke sehr schwierig. Börsekurse werden kurzfristig stark von Psychologie und in der Folge Übertreibungen getrieben. Aktuell sind viele Unsicherheiten im Markt - und damit die Angst vor weiteren Kursrücksetzern. Das wird sich 2019 wohl nicht ändern. Der Brexit steht bevor, der Haushaltsstreit Italiens mit der EU schwellt weiter, US-Präsident Donald Trump heizt den Handelsstreit mit China immer weiter an. Schon jetzt haben viele Institute ihre Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum nach unten korrigiert, wenn auch nur leicht. Es wird also sicher kein einfaches Börsenjahr. Einen Crash oder eine scharfe Korrektur erwarte ich nicht, aber eben auch keinen großen Kursgewinne. Die langjährige Rally taumelt ihrem Ende entgegen.

Sie sind näher an den Märkten. Welche Stimmung herrscht an den relevanten Märkten zurzeit?

Es ist vor allem die bereits erwähnte Unsicherheit. Wie geht es mit der Weltwirtschaft weiter? Wie stark oder weniger stark verschärft sich der Handelsstreit? Wie geht es mit Italiens Haushalt, der EU überhaupt weiter? Börsianer mögen keine Unsicherheit, sie wollen Klarheit. Schließlich wird an der Börse die Zukunft gehandelt. Wir spüren derzeit weder Angst noch Panik, aber eben auch keine Zuversicht.

Welche Anlageklasse würden Sie im nächsten Jahr bevorzugen? An welcher Stelle im Portfolio könnten Anleger nachjustieren?

Ich persönlich investiere grundsätzlich langfristig, habe eine klare Anlagestrategie - nachzulesen in meinem Buch "Einfach erfolgreich anlegen". In meinem Fall 80 Prozent Aktien, 20 Prozent Anleihen. Egal, wie es an der Börse gerade läuft. Ich kann Anlegern nur empfehlen, sehr langfristig zu denken und entsprechend so zu agieren. Kurzfristige Turbulenzen kann man dann ignorieren oder sogar für Nachkäufe nutzen.

Sie sind erfreulicherweise nicht als Crash-Prophetin in der Börsenwelt zu Ruhm und Ehren gelangt. Welche Risiken sollten Anleger im nächsten Jahr einkalkulieren? 

Es gibt die bereits genannten politischen Krisenherde, die sich durchaus zuspitzen oder die sogar eskalieren könnten. Auch die Zinspolitik der Notenbanken ist eine Herausforderung für die Aktienmärkte. Die Politik des billigen Geldes endet langsam. Es bleibt abzuwarten, wie die Märkte - Aktien wie Anleihen - das verkraften. 

Wir schreiben oft über Anlagestrategien der Börsenstars wie zum Beispiel Warren Buffett. Immer wieder fallen dabei Zitate wie zum Beispiel "Seid gierig, wenn andere Angst haben". Sie sind mit Ihren Büchern wie zum Beispiel "Hin und her macht Taschen leer? Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen" zur Expertin geworden. Inwieweit können Anleger den alten Börsensprüchen noch folgen?

Die meisten Börsenweisheiten sind sehr alt. Sie stammen von längst Verstorbenen wie beispielsweise André Kostolany, John Templeton oder Isaac Newton oder sind mehr oder weniger alte Sprüche von Warren Buffett. Und doch stimmen die meisten noch immer, regen uns auf jeden Fall zum Nachdenken an. Manche können wir als Anleger sogar anwenden, wie den von Ihnen zitierten Satz von Buffett, der uns zum antizyklischen Handeln anregt. Eine äußerst erfolgreiche Anlagestrategie übrigens.  

Aus Ihrer Feder stammt auch das Buch "Geld, Macht und Legenden: Die Wahrheit über die Superreichen" (Frühjahr 2019). Welche Merkmale weisen die Investment-Strategien der Reichen auf?

Viele Superreiche sind Unternehmer, hatten eine glorreiche Idee, wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Amazon-Gründer Jeff Bezos oder eben Super-Investor Warren Buffett. Durch einfaches Sparen wird man nicht reich, leider. Aber neben der cleveren Geschäftsidee hilft sicher das Investment in Aktien. Denn als Aktionäre sind wir ja quasi auch Unternehmer, weil wir uns an einem Unternehmen beteiligen. 

Auf welche weiteren Buch- oder anderen Projekte mit der Marke "Jessica Schwarzer" können wir uns freuen?

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Kommentare

blablabla. in den letzten 100 jahren wurde ja auch fast immer ein "einfaches" Börsenjahr prognostiziert. endlich kommt mal was anderes von den Kaffeesatz-"experten".

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