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Vermögensverwalter Thomas Wüst: Die neuen Trends bei nachhaltigen Kapitalanlagen

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
03.12.2018, 09:50  |  479   |   |   
Anfang November wurde der Verordnungsentwurf zur Offenlegung von Informationen über nachhaltige Investitionen und Nachhaltigkeitsrisiken vom Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments auf den Weg gebracht. Thomas Wüst, Geschäftsführer Valorvest Vermögensverwaltung, nimmt die neuen Regeln unter die Lupe.Die Finanzbranche tut gut daran, die Dynamik des Regulierers in Bezug auf nachhaltige Kapitalanlagen nicht zu unterschätzen. So wurde mit der Technical Expert Group on Sustainable Finance, auf Ebene der EU eine Expertenkommission installiert, die vor dem Hintergrund des Pariser Klimaschutzabkommens und der 17 Global Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, die Aufgabe hat, Vorschläge auszuarbeiten, um den Markt für nachhaltige Kapitalanlagen in der EU neu zu regulieren und voranzubringen.
Basierend auf Schätzungen der EU ist alleine für die Erreichung der Klima- und Energieziele die Mobilisierung von circa 180 Milliarden Euro zusätzlichen Kapitals pro Jahr notwendig.
Fondsbranche reagiert
Mittlerweile reagiert die Investmentfondsbranche auf den zunehmenden Regulierungsdruck. So drehte sich beim Petersberger Treffen, das in diesem Jahr unter dem Motto "ESG und Impact Investments: Rettet Geld die Welt?" stand, vor allem um das Thema nachhaltige Kapitalanlagen. Die meisten Nachhaltigkeitsfonds nutzen die 17 Sustainable Development Goals, die bis 2030 für eine nachhaltige Transformation der Welt sorgen sollen, gewissermaßen als Rahmen.
Einerseits um Branchen zu definieren, die für die Erreichung dieser Ziele besonders wichtig sind, und andererseits um Scoringmodelle zu entwickeln, die den Beitrag messen, den Unternehmen zum Erreichen der Ziele beisteuern. Zusätzlich setzen die meisten Fondskonzepte am Markt auf die sogenannten ESG-Kriterien, die für die nachhaltige Umweltstandards, soziale Standards und nachhaltige Standards guter Unternehmensführung stehen.
Nach wie vor arbeiten die meisten Nachhaltigkeitsfonds mit einer Mischung aus einem Best-in-class-Ansatz und harten Ausschlüssen kontroverser Branchen, wie Rüstung, Glücksspiel oder Kohle. Da es aber noch keine einheitlichen Standards gibt und jede Fondsgesellschaft Nachhaltigkeit im Hinblick auf das Auswahlverfahren unterschiedlich definiert, ist es unerlässlich, dass sich der Privatanleger mit den Anlagegrundsätzen des jeweiligen Fonds auseinandersetzen muss.
Nichtfinanzielle Nachhaltigkeitsrisiken
Eine positive Entwicklung bei der Regulierung ist, dass Fondsmanager sich künftig noch mehr Gedanken über Nachhaltigkeitsrisiken in einem Portfolio machen müssen. Denn durch die verstärkte Berücksichtigung nichtfinanzieller Ziele bei der Titelauswahl werden mögliche Risikofaktoren, gerade zum Beispiel bei der Unternehmensführung oder bei Umweltschutzaspekten noch systematischer erfasst.
Dieser Risikogedanke spielt auch bei der möglichst frühen Ermittlung sogenannter "Stranded Assets", also Vermögenswerte in einem Unternehmen, die aufgrund neuer Vorschriften oder Entwicklungen abgeschrieben werden müssen, eine durchaus wichtige Rolle. Die systematische Implementierung von nachhaltigen, nichtfinanziellen ESG-Kriterien in das Risikomanagement ist ein sehr vielversprechender Ansatz.
Was fehlt?
Wenn man sich die Nachhaltigkeitsfonds aktuell anschaut, dann bestehen diese hauptsächlich aus Firmen, die bereits die ESG-Kriterien möglichst weitgehend erreicht haben. Was fehlt, sind Ansätze, in Firmen zu investieren, die sich gerade auf dem Weg befinden, nachhaltiger zu wirtschaften. Also sehr frühphasige Investments in Firmen, die erst künftig die ESG-Ziele erreichen. Dies könnte beispielsweise auch im Sinne von aktivistischen Investoren, die ja auch entsprechenden Druck auf das Management entfalten können, erfolgen, um ein Unternehmen nachhaltiger aufzustellen.
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