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Marktkommentar: Stefan Amenda (MEAG): Marktausblick 11/2018
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Marktkommentar Stefan Amenda (MEAG): Marktausblick 11/2018

Nachrichtenquelle: Asset Standard
03.12.2018, 10:15  |  521   |   |   

Ein ereignisreiches Jahr an den Kapitalmärkten neigt sich dem Ende entgegen – Zeit für eine erste vorsichtige Bilanz.

Auch wenn Anlagehorizonte meist über Jahre oder gar Jahrzehnte gehen, stellen sich viele Anleger die Frage: Wie ist das Jahr für die Märkte gelaufen? Die ernüchternde Antwort lautet: Nicht gut – zumindest bis jetzt.

Was Anleger von den kommenden Wochen erwarten dürfen, zeigt unser Blick auf die Märkte.

Wirtschaftliches Umfeld

Der Welthandel hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verhaltener entwickelt als in der Zeit davor. Die Belebung im vergangenen Jahr hat sich inzwischen wieder abgeschwächt. Der Trend hin zum zunehmenden Protektionismus bringt weitere Risiken mit sich. Und von US-Präsident Trump ist keine Mäßigung zu erwarten.

Die US-Zölle auf chinesische Produkte werden das Wachstum in China belasten. Die amerikanische Regierung befürchtet jedoch, dass eine Abwertung des Yuan den Effekt der Zölle teilweise kompensieren könnte. Das würde ihr Ziel gefährden, die chinesischen Importe zurückzudrängen. In diesem Fall sind weitere Maßnahmen zu befürchten.

Auf globaler Ebene hat sich das Wirtschaftswachstum zuletzt spürbar abgekühlt. Dieser Effekt ist sowohl in den entwickelten Volkswirtschaften als auch in den Schwellenländern zu beobachten. Besonders anfällig ist das verarbeitende Gewerbe. Hier zeigt der Pfeil aufgrund der Handelsabhängigkeit eindeutig nach unten. Im Gegensatz dazu hält sich der Rest der Wirtschaft besser.

Immerhin hat sich das Abwärtsmomentum bei den ökonomischen Überraschungen zuletzt gelegt. Während vor einem halben Jahr die Daten in der Eurozone, Japan und Lateinamerika konsistent enttäuschten, liegen sie nun dichter an den Erwartungen. Und zumindest in den USA sind die veröffentlichten Daten weiterhin auf sehr soliden Niveaus.

Für 2019 erwarten wir keinen deutlichen Rückgang des Ölpreises. Aufgrund der US-Sanktionen gegen den Iran und Spannungen im Mittleren Osten wird das Ölangebot knapp bleiben. Die Energiepreise dürften daher die Inflation treiben.

Inflation und Zentralbanken

Während die Inflation in der Eurozone zunächst weiter auf niedrigem Niveau bleibt, ist in den USA bereits ein steigender Trend zu beobachten. Verantwortlich dafür ist die Lohnentwicklung, die sich wegen der positiven Lage am Arbeitsmarkt beschleunigt hat. Die Jahresrate für Oktober 2018 dürfte deutlich steigen – auf über drei Prozent.

Diese Entwicklung bestärkt auch die US-Notenbank Fed in ihrem Zinsanhebungszyklus. Wir rechnen mit einer zusätzlichen Zinsanhebung bis Ende 2018, also insgesamt vier Anhebungen 2018 und drei in 2019. Damit gehen wir auch weiterhin davon aus, dass die Fed die Geldpolitik in 2019 restriktiv gestalten wird und der Leitzins den Wert von drei Prozent übersteigt.

Kapitalmärkte

2018 war an den Kapitalmärkten bislang ein sehr schwieriges Jahr. Lediglich US-Aktien und Rohstoffe konnten positive Erträge erwirtschaften. Die meisten anderen Assetklassen verloren. Die restriktiver werdende Geldpolitik belastet mit steigenden Zinsen die Bewertungen an den Kapitalmärkten.

Der jüngste Zinsanstieg an den Kapitalmärkten geht in erster Linie auf einen Anstieg der Realzinsen zurück. Währendessen sind die Inflationserwartungen weitgehend stabil geblieben. Die Fed hatte entsprechenden Erwartungen Auftrieb verliehen, indem sie ein Anheben des Leitzinses sogar über den „neutralen Wert“ hinaus in Aussicht gestellt hatte. Entsprechend erwarten wir die US-Renditen nun leicht höher und den US-Dollar leicht stärker gegenüber dem Euro als bisher.

Da der Zinsanstieg von den USA ausging, ist die transatlantische Zinsdifferenz weiter angestiegen. Damit hat sie den höchsten Wert seit Einführung des Euro erreicht. Mit der anstehenden vorsichtigen Straffung der Geldpolitik durch die EZB dürfte sich die Zinsdifferenz aber wieder etwas verringern. Mit der Zunahme der Unsicherheit an den Finanzmärkten haben sich die Zinsaufschläge von Unternehmensanleihen in der ersten Jahreshälfte 2018 deutlich ausgeweitet. Seitdem haben sie sich jedoch wieder stabilisiert. In den USA kam es sogar zu leichten Rückgängen.

Die Unsicherheit um Italien hat neben italienischen Staatsanleihen auch europäische Aktien belastet. Zudem schwächen Banken die Aktienindizes – ein Bereich, in dem Italien stark vertreten ist und der künftig noch stärker unter den Spannungen in der Eurozone leiden könnte. Aufgrund der politischen Unsicherheiten in der Eurozone, auch in Kombination mit Entwicklungen beim Brexit, passen wir unsere Prognose für europäische Aktien nach unten an. Die nächsten Wochen werden entscheiden, ob die EU-Kommission und Italien einen Kompromiss finden oder eine weitere Eskalation bevorsteht. Außerdem sind schnelle Fortschritte notwendig, um bis Weihnachten ein Brexit-Abkommen zu vereinbaren.

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