DAX-0,47 % EUR/USD-0,74 % Gold-0,66 % Öl (Brent)-0,91 %

Black-Friday-Bilanz Lauf Truthahn, lauf…

Gastautor: Markus Richert
03.12.2018, 13:08  |  640   |   |   

Vorletzten Donnerstag war es wieder soweit. Thanksgiving, das wichtigste Familienfest in den USA, wurde gefeiert. Um ihr Wochenende zu verlängern, nehmen sich Arbeitnehmer gern zusätzlich am Freitag frei. Dafür hat sich der Begriff „Black Friday“ eingebürgert. An diesem Tag gewährt der Einzelhandel traditionell hohe Rabatte. Er wird häufig für die ersten Weihnachtseinkäufe genutzt, ab dann wird in der Öffentlichkeit zunehmend weihnachtlich dekoriert.

Für die Wirtschaft ist der Umsatz dieses Tages ein wichtiger Stimmungsindikator. Auch aus Sicht der Aktienmärkte kommt Thanksgiving eine hohe Bedeutung zu. Rund um diesen Feiertag zeigt sich die Wall Street für gewöhnlich von ihrer angenehmen Seite. Kurssteigerungen sind dann die Regel, nicht die Ausnahme. Der Dow Jones wird seit 1896 berechnet, sodass sich die Kursmuster bereits über 122 Jahre etabliert haben. Demnach ist Thanksgiving für die kurzfristige Börsenentwicklung der zweitstärkste Feiertag in den USA. In den zehn Tagen vor dem Fest tendiert der Index im Durchschnitt fester und legt im Mittel um 0,6 Prozent zu. Diese positive Tendenz setzt sich auch nach dem Erntedankfest fort. Denn auch die zwei Wochen nach der Feier sind normalerweise von steigenden Kursen geprägt. An der Börse spricht man auch von der Truthahn-Rally.

medium">Auch in Deutschland das größte Shopping-Event des Jahres

Der „Black Friday“ hat mittlerweile, Amazon sei Dank, auch den Sprung über den großen Teich geschafft. Bereits seit einigen Jahren nutzt auch der deutsche Einzelhandel diesen Tag, um mit besonderen Rabattaktionen den Einzelhandelsumsatz anzukurbeln. Seit kurzem ist dieser Tag zum wohl größten Shopping-Event des Jahres geworden. Viele Händler weiten ihre Angebote inzwischen auf das ganze Wochenende, genannt “Black Weekend” oder “Cyber Weekend”, oder gar die ganze Woche vom Montag vor dem Black Friday bis zum folgenden Montag, dem “Cyber Monday”, aus. Der Einzelhandel buhlt im Internet, in Fußgängerzonen und Einkaufszentren mit Rabatten um die Gunst der Kunden. Vor allem im Internethandel sind die Wachstumszahlen beeindruckend.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet bei diesen Aktionen mit einem Onlineumsatz von rund 2,4 Milliarden Euro. Das wäre ein Plus von rund 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ersten Berechnungen zufolge war der diesjährige Black Friday in den Vereinigten Staaten ein voller Erfolg. Die Amerikaner haben am Black Friday 6,22 Milliarden Dollar für Waren ausgegeben, meldet das Research-Unternehmen Adobe Analytics. Das bedeutet ein Plus von 23,6 Prozent im Vergleich zum Black Friday im Jahr 2017. Der chinesische Onlineriese Alibaba verkaufte bei seinem Shoppingevent am 11. November, dem sogenannten “Singles-Day”, in diesem Jahr sogar Waren im Wert von 27 Milliarden Euro.

Donald Trump sorgte für schlechte Stimmung

Wie wichtig dieser Tag für den online Handel ist, zeigt sich an dem Kurssprung, den die Amazon Aktie nach den ersten positiven Umsatzzahlen am Montag machte. Nachdem die Aktie in den letzten Tagen geschwächelt hatte, griffen die Anleger am Montag zu. Am Ende des Handelstages stand ein Plus von 5,3 Prozent. Leider machte Donald Trump dann wieder den Spielverderber. Mit seiner Drohung den Handelskonflikt mit China zu verschärfen und nun doch Zölle auf iPhones, MacBooks & Co zu erheben, drückte er nachbörslich auf den Kurs und sorgte für schlechte Stimmung bei den Investoren.

Auch der Dax konnte gestärkt in die Börsenwoche starten

Auch der Dax konnte am Montag gestärkt in die neue Börsenwoche starten. Vor allem die versöhnlichen Signale aus Rom halfen dem deutschen Leitindex. Denn das was die EU mit ihren stumpfen Schwertern bestehend aus Mahnungen und Geldstrafen nicht schafft, gelingt scheinbar den Finanzmärkten. Denn die internationalen Geldgeber, also Banken, Versicherer und Investmentfonds verkaufen wegen mangelnden Vertrauens ihre italienischen Staatsanleihen. Dadurch sinkt deren Wert, die Kurse der Anleihen fallen. Zeitgleich steigt der Zins für neue Anleihen. Für neue Kredite muss die italienische Regierung mehr zahlen. Der Zins für Staatsanleihen dient auch als Kompass für andere Kredite. Er macht alle teurer. Darlehen für Verbraucher, Unternehmen, Häuslebauer und Anleihen von Firmen.

Die italienischen Banken geraten dadurch stärker unter Druck, denn die vielen Staatsanleihen in ihren Tresoren verlieren an Wert, wodurch die Banken weniger Eigenkapital haben, sich Geld besorgen müssen und weniger Kredite vergeben. Es droht ein Teufelskreislauf, deren Gefahr auch die populistische Regierung in Rom erkannt hat. Denn im Streit mit der EU-Kommission über den umstrittenen Haushaltsentwurf für 2019 hat der italienische Vize-Regierungschef Matteo Salvini plötzlich Flexibilität angedeutet. Er erwägt eine Überarbeitung der Defizitziele. In der Folge lies der Druck auf italienische Staatsanleihen nach und erste Investoren kehrten zurück.

Seite 1 von 3


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer