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Wikifolio Meine Dezemberformel – warum ich für 2018 keine Jahresendrallye für den DAX erwarte

Nachrichtenquelle: wikifolio
04.12.2018, 11:40  |  4781   |   |   

Wie jedes Jahr wurde auch heuer wieder umfangreich die Jahresendrallye thema­tisiert, bzw. zur Teilnahme an derselben aufgerufen. Spätestens wenn sich die Blätter färben beginnt das öffentliche Sinnieren: Kommt sie, kommt sie nicht, ist sie schon vorbei? Im folgenden Artikel werde ich meine Dezemberformel vorstellen und disku­tieren, sowie abschließend meine persönlichen Schlussfolgerungen aufzeigen.

Jahresendrallye – warum eigentlich?

Wer das Internet durchsucht findet viele mögliche Argumente für eine Jahres­end­rallye:

- „im Dezember werden verstärkt Zinserträge aus festverzinslichen Anlagen angelegt“
- „Einfluss einer positiveren Grundstimmung zum Jahreswechsel"
- „steuerliche Aspekte“
- „Bezug von Aktien zu Jahresende in Vorwegnahme von Kapitalzufluss zu Jahresbeginn“
- „Window Dressing“

Während die erstgenannten Punkte den Dezember als starken Börsenmonat begründen, hat mich der letzte Punkt zur Dezemberformel geführt. Aber dazu später mehr.

Dezember, historisch betrachtet der stärkste Börsenmonat

Beginnen wir zunächst mit einer Analyse des Dezember, relativ zu anderen Börsen­monaten. Seit Auflage des DAX zum Januar 1998 betrug die durchschnittliche Monats-Performance 0,9%. Dabei waren in 41% der Monate negative Erträge zu verzeichnen. Wie sieht relativ dazu die Performance der Einzelmonate aus? Es trifft sich gut, dass wir seit Einführung des DAX im Jahr 1988 inzwischen 30 abge­schlossene Börsenjahre haben, was eine erste Statistik ermöglicht:

Eindeutiges Ergebnis dieser Analyse: Der Dezember ist bezüglich beider Kriterien der bevorzugte Börsenmonat – in Abwandlung eines berühmten Börsenspruches gilt aus meiner Sicht: „December is your friend“. Dennoch können wir noch mehr über den Dezember in Erfahrung bringen.

Meine Dezemberformel: Korrelation zum Jahresverlauf

Wie oben bereits angedeutet ist Window Dressing eine der möglichen Gründe für die auffällig starke Marktsituation im Dezember. Die übliche Erklärung ist: Fondsmanager legen sich zu Jahresende Aktien ins Depot, die besonders gut gelaufen sind. So können sie zu Jahresende darauf verweisen, die top runner des Jahres zu besitzen.

Was wäre, wenn sich das Window Dressing nicht nur auf Einzelwerte, sondern auf den gesamten Markt bezieht? Falls dem so wäre müsste der DAX im Dezember genau dann besonders gut laufen, wenn bereits der Jahresverlauf bis einschließlich November gut war. Die folgende Grafik zeigt das Ergebnis einer Analyse der Jahre 1988 bis 2017:

Natürlich liegen nicht alle Datenpunkte auf einer Geraden, aber es gibt einer Re­gres­sions­kurve, die immerhin ein Bestimmtheitsmaß von 0,22 aufweist. In der tech­nischen und natur­wissenschaftlichen Welt, in der ich mich überwiegend bewege, wäre das eindeutig zu wenig; an der Börse dagegen habe ich nur ganz selten eine so „klare“ Korrelationen vorgefunden. Hätte man zum Beispiel nur in Jahren mit positiver Performance bis Ende November investiert, so wäre die durchschnittliche Perfor­mance auf 3,9% angestiegen und die relative Häufigkeit negativer Erträge auf 19% gesunken.

Es ist hilfreich zu wissen, dass dieser Zusammenhang nicht nur für die letzten 30 Jahre vorliegt, sondern auch bei rückgerechneten DAX Werten bis in das Jahr 1960 (ältere Werte habe ich nicht).

Anwendung der Dezemberformel auf das Jahr 2018

Das Jahr 2018 lief für den DAX bis jetzt nicht so toll: Die Performance seit Jahresbe-ginn beträgt –12% (Stand 30.11.2018). Wird das die Jahresendrallye kompensieren? Laut meiner Dezemberformel eher nein: Aufgrund der grundsätzlichen Korrelation ist nach einem unter¬durchschnittlichen Jahresverlauf auch ein unterdurchschnittlicher Dezember zu erwarten. Konkret spuckt die Formel einen Erwartungswert von 0,0% aus. Berücksichtigt man die Historie seit 1960, so ergibt sich ein Erwartungswert von –1.0%.

Das sind natürlich reine arithmetische Ergebnisse. Zu berücksichtigen ist dabei eben¬falls die Breite der Verteilung. Für die empirische Standardabweichung der Dezem¬ber-Erträge habe ich einen Wert von 6% vorgefunden. Die Abweichung vom Erwartungswert der Dezember¬formel beträgt immer noch 5%.

Was bedeute das für uns? Unter der Annahme einer Normalverteilung1 befanden sich historisch, bei vergleichbarer Performance bis November wie in 2018, 68% der Dezembererträge in einem Bereich von –5% bis +5%.

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