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Rückblick: Welche Cannabisaktien waren Gewinner, welche Verlierer?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
05.12.2018, 13:20  |  2369   |   |   

Investoren von Cannabisaktien hatten ja durchaus die Hoffnung, riesige Gewinne zu erzielen, sobald sich legal erhältliches Cannabis in ganz Nordamerika durchsetzt. Der Start des Marktes für Marihuana zum Freizeitgebrauch in Kanada sollte dann auch eine Art Startschuss sein – so die vorherrschende Meinung. Weltweit prüfen derzeit gleich mehrere Länder, ob sie nicht doch Cannabis für Verbraucher legalisieren sollen.

Im November haben mehrere wichtige Unternehmen der Cannabisbranche ihre jüngsten Finanzberichte vorgelegt. Bei Aurora Cannabis (WKN:A12GS7), Cronos Group (WKN:A2DMQY), Canopy Growth (WKN:A140QA) und Tilray (WKN:A2JQSC) fanden sich einige Gemeinsamkeiten wieder, aber andere Kommentare waren eher spezifischer Natur, und das führte zu der unterschiedlichen Performance der jeweiligen Aktien. Konnten sich Tilray und Cronos mit moderaten Zuwächsen behaupteten, mussten die Aktienkurse von Canopy Growth und Aurora Cannabis zweistellige Verluste hinnehmen. Und deswegen sind sich einige Anleger nicht sicher, ob die Zukunftsaussichten wirklich so rosig sind.

Renditen der großen Cannabisaktien in der Woche der Gewinnmeldungen

Aktie Rendite
Aurora Cannabis (12,2 %)
Canopy Growth (10 %)
Cronos Group 0,1 %
Tilray 1,4 %

Quelle: YAHOO! Finance. Zeitraum 9.11. bis 16.11.

So erging es den 4 großen Aktien

Es gab dann letztlich doch einige große Unterschiede zwischen den vier wichtigsten Playern am Cannabismarkt. Allen gemein war allerdings massives Umsatzwachstum. Vor allem Aurora Cannabis konnte sich durch ein Umsatzwachstum von 260 % auszeichnen, was genug war, um das Unternehmen vor Canopy Growth an die Branchenspitze zu bringen. Auch Cronos konnte seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal nahezu verdreifachen, während sich Canopy und Tilray mit bescheideneren, aber immer noch beeindruckenden Zuwächsen begnügen mussten.

Beim Umsatzwachstum muss man jedoch berücksichtigen, dass die Auswirkungen der Legalisierung des Marktes für legal erhältliches Cannabis in Kanada im Quartalsumsatz weitgehend nicht enthalten sind. Die konnte man nämlich erst Mitte Oktober feststellen. So hat Canopy die Absätze vor dem Rollout nicht mit in die Bilanzen gerechnet, während einige Wettbewerber schon früh Waren an die Händler verschickt haben, um so die Zahlen in die Bilanzen für das Q3 zu bekommen.

Die Performance war grundverschieden, was aber ebenfalls einige der branchenspezifischen Exzentrizitäten widerspiegelte, die Investoren im Laufe der Zeit kennenlernen mussten. Für Cronos und Tilray bedeutete das leichte Verluste, da die Unternehmen vor dem Rollout in Kanada stärker in den Aufbau ihrer Produktions- und Vertriebskapazitäten investiert haben. Das ist natürlich sinnvoll, weil der Markt gerade noch im Entstehen ist und man nicht überholt werden will.

Aurora Cannabis konnte einen enormen Gewinn verzeichnen, aber ein Großteil davon kam von der Investmentseite des Geschäfts. Im Gegensatz dazu musste Canopy Growth enorme Verluste hinnehmen, was jedoch am starken Aktienkurs des Unternehmens lag. Denn damit stiegen die Kosten für Aktienentschädigungen und führten zu Fair-Value-Anpassungen, die die Gewinn- und Verlustrechnung beeinträchtigten.

Die wichtigsten Fazits

Wer hoffte, mit den Quartalsberichten der Cannabisunternehmen schnelle Gewinne zu erzielen, dürfte enttäuscht worden sein. Für langfristig investierte Anleger gab es jedoch einige wichtige Erkenntnisse.

Erstens hat sich der Cannabismarkt so gut entwickelt, dass man mittlerweile auf die grundlegende Entwicklung achten kann. Der Rollout für legal erhältliches Cannabis in Kanada wird als Fallstudie dienen, aus der man auf andere Märkte schließen kann, die demnächst den Markt legalisieren wollen. Vor allem aber auch dafür, wie die vier Unternehmen sich auf diesen neuen Märkte verhalten und reagieren werden. Wir haben auch sehen können, dass die Unternehmen unterschiedlich auf die Chancen ab Mitte Oktober reagiert haben, deswegen dürften die Berichte zum Q4 Anfang nächsten Jahres ebenfalls unterschiedlich ausfallen.

Derweil haben die Ergebnisse vielen Investoren ihre ersten Erfahrungen mit den Eigenheiten dieser Branche beschert. Anpassungen wie das „Biological Asset Accounting“ geben Unternehmen viel Spielraum und können gleichzeitig zu einer dramatischen Volatilität der Ergebnisse von Quartal zu Quartal führen. Im Laufe der Zeit sollte es aber möglich sein, tatsächlich profitable Geschäftsaktivitäten herauszufiltern. Nur: Ein einziger Ergebnisbericht dürfte zu wenig Aufschluss über das große Ganze geben.

Letztlich müssen sich noch Angebot und Nachfrage einpendeln. Denn Produktionssteigerungen könnten zu einem Überangebot führen, während bei der Eröffnung des Marktes in Kanada plötzlich zu wenig Cannabis vorhanden war. Da sind noch viele Fragen offen.

Unbedingt weiterhin genau beobachten

Bis zu den nächsten Quartalszahlen wird es viele Artikel und News für Investoren zu lesen geben, die sich mit der Cannabisbranche auseinandersetzen. Aber man darf die grundlegende Geschäftsentwicklung nicht aus den Augen verlieren. Dazu muss man sich die Finanzen in den Berichten ganz genau anschauen. Denn nur dann ist man in der Position, um beurteilen zu können, welche Cannabisaktien es überhaupt wert sind, gehalten zu werden – und welche sich als Nieten herausstellen.

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