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500 Mio. Euro für Technologieaktien? ROCKET INTERNET: Was macht Oli mit 2 MRD Cash?

Gastautor: Volker Glaser
06.12.2018, 00:02  |  1472   |   |   

Im Oktober 2018 feierte Oliver Samwer, CEO von Rocket Internet, das 4-jährige Börsenjubiläum. Grund, eine Flasche Champagner aufzumachen hat Samwer bestimmt nicht. Es reicht nicht mal für einen Sekt. Selters muss genügen. Emittiert wurde die Aktie Anfang Oktober 2014 zu Kursen von 42.50 Euro. Binnen Minuten stürzte seinerzeit der Börsenkurs um mehr als 10 % am 1. Handelstag ab. Dann startete die Rakete durch und der Kurs notierte in den darauffolgenden Wochen bei über 55 Euro.

Im Jahr 2017 erfolgte ein noch bitterer Absturz. Im Tief handelte die Aktie bei Kursen von unter 16 Euro, um sich im Jahr 2018 auf Kurse von knapp 32 Euro wieder zu verdoppeln. Derzeit hat das Papier wieder korrigiert und handelt bei 23 Euro. Wir hatten das Unternehmen zum Börsengang bewusst nicht zum Kauf empfohlen. Die Bewertung war schlichtweg übertrieben. Anfang März 2017 erfolgte bei Kursen von unter 18 Euro unsere 1. Kaufempfehlung für Rocke Internet. Eine weitere Kaufempfehlung sprachen wir im Juli 2018 bei Kursen von ebenfalls 18 Euro aus. Die Aktie notierte damals fast auf dem Niveau der Barbestände und liquiden Wertpapieren. Im März 2018 hatten wir bei Kursen von 26 Euro empfohlen, die Gewinne in der Aktie mitzunehmen. Etwas früh, da die Aktie wenige Monate später die Kursmarke von 30 Euro durchbrach. Aus heutiger Sicht lagen wir mit unserem Verkaufshinweis dennoch richtig. Wo steht Rocket Internet heute und wie ist das Geschäftsmodell zu bewerten? Beim Geschäftsmodell darf die Frage erlaubt sein, welches Geschäftsmodell Samwer eigentlich genau hat. Wir können nämlich keines so richtig erkennen. Mit einem nachhaltigen Investment hat die Aktie auch wenig zu tun. Da sind wir uns sicher. Das „einstige“ Geschäftsmodell, junge Internet-Unternehmen zu etablieren, erscheint nicht mehr zeitgemäß zu sein. Schon gar nicht mit dem Fokus auf Online-Handel und Dienstleistungen. Die Startup-Produktion „am Fließband“ zu organisieren und das Modell in andere Länder zu transferieren, klappt nicht mehr. "Wir wollen eines der weltweit größten Internetunternehmen aufbauen“, sagte einst der CEO. Hiervon ist Samwer indes meilenweit entfernt.

Heute hat Rocket Internet genau genommen nur ein echtes Highlight in der Pipeline. Das ist die prall gefüllte Kriegskasse von rund 1.9 Mrd. Euro per Ende September. Zudem halten die Berliner einen Anteil (direkt und indirekt) von 6 % an Delivery Hero, 31 % an HelloFresh, 22 % an Westwing und 33 % an Home24. Alle 4 Gesellschaften sind börsennotiert. Aktuell repräsentieren diese Unternehmen einen „Wert“ für Rocket Internet von rund 1 Mrd. Euro. Wobei die Aktien von HelloFresh und Home24 gegenüber ihren Jahreshochs massiv korrigiert haben. Delivery Hero hat ebenfalls korrigiert; das erscheint uns ein gutes Unternehmen zu sein, wenngleich die Bewertung weiterhin sehr hoch ist. Westwing halten wir unverändert für einen schlechten Scherz. Die Aktie rutscht bereits ab und dürfte im Kurs weiter fallen. Zum wesentlichen Portfolio gehören zudem noch Anteile in Höhe von 20 % an Global Fashion Group und 28 % an Jumia. Bei der Global Fashion Group arbeitet Samwer angeblich am Börsengang. Ob das im aktuellen Marktumfeld klappt, erscheint fraglich.

Per Ende September weist das Unternehmen ein Eigenkapital von knapp 4.2 Mrd. Euro aus. Verbindlichkeiten hat das Unternehmen fast keine mehr. Die Wandelschuldverschreibungen wurden vollständig zurückgekauft. Der Buchwert ist zur Hälfte mit Cash hinterlegt. So richtig neue Ideen hat Samwer zumindest derzeit nicht. Bislang wurden lediglich im Volumen von rund 50 Mio. Euro eigene Aktien zurückgekauft. Das Aktienrückkaufprogramm will der CEO fortsetzen. Wir haben nichts gegen Aktienrückkäufe einzuwenden, wenn sich das Unternehmen ein solches Programm erlauben kann, was bei Rocket Internet zweifelsfrei zutrifft. Die beste Idee sind solche Programme jedoch nicht. Was uns offen gesagt allerdings wirklich stört, ist eine Randnotiz des Unternehmens in einer aktuellen Firmenpräsentation. Samwer hat in etwa eine halbe Mrd. Euro in „anderen börsennotierten Technologieaktien“. Hat unser lieber „Oli“ wirklich keine bessere Idee, als börsennotierte Technologieaktien zu kaufen? Wie aus Börsenkreisen zu hören ist, soll es sich hierbei vor allem um größere US-Aktien handeln, die Samwer im Depot hat. Um derartige Aktien zu kaufen, braucht es allerdings keinen Oliver Samwer und sicherlich nicht ein Investment in Rocket Internet.

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