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Tauchstation

Gastautor: Klaus Singer
21.04.2004, 11:36  |  2171   |   |   
Die US-Indices tauchten gestern spät unter, dafür aber umso heftiger. US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats die Gefahr einer Deflation angesichts des zuletzt beobachteten Preisanstiegs für nicht mehr existent erklärt. Inflation drohe aber auch nicht, sie werde durch Produktivitätssteigerungen im Zaum gehalten, so Greenspan. Heute wird er sich vor dem Joint Economic Committee des Kongresses über die Entwicklung der US-Konjunktur äußern. Dass er dabei (vorsichtigen) Optimismus verbreiten wird, ist eine ausgemachte Sache.

Als nach 19 Uhr die ersten Marktteilnehmer Geld vom Aktientisch nahmen, folgten schnell weitere in der Angst, eine Zinserhöhung in den USA könnte schon bald bevorstehen. Im Vorfeld der Greenspan-Rede zeigte die Preisentwicklung des Juni-Kontrakts der Federal Funds allerdings eine geringe Wahrscheinlichkeit steigender Leitzinsen. Der Juli-Kontrakt hat eine lediglich knapp 30-prozentige Chance eingepreist, der August-Kontrakt deutet jedoch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund drei Vierteln auf eine Zinserhöhung um 0,25 Prozent hin.

Man kann heftig spekulieren, wann eine Leitzinserhöhung in den USA kommt. Tatsache ist, sie wird kommen, vielleicht erst nach den Präsidentschaftswahlen, möglicherweise aber auch schon vorher. Greenspan wird diesen Schritt so lange wie möglich herauszögern. Denn es besteht die Gefahr, dass damit eine Lawine losgetreten wird. Steigende Zinsen verteuern die Hypothekenkredite, mit denen sich viele US-Konsumenten bis über beide Ohren verschuldet haben. Wenn diese dann ihre Ausgaben nennenswert einschränken, dürfte das die Konjunktur schwer belasten. Zudem steigt die Gefahr von Kreditausfällen. Zwangsverkäufe von Immobilien drücken deren Preise, die Besicherung bestehender Hauskredite sinkt, weitere Fälligstellungen sind die Folge. Das ist die Spirale, vor der viele warnen.

In diesem Zusammenhang sollte man jetzt den PHLX Housing Sector Index (HGX) im Auge behalten. Der Index spiegelt die Aktienkursentwicklung von Unternehmen im Baugewerbe wider. Anfang 2003 noch bei knapp 290 Punkten, notierte er im Allzeithoch Anfang März 2004 bei fast 410 Zählern. Seitdem hat er fast 8 Prozent verloren, gestern alleine gut zwei Prozent. Seine 100-Tage-Linie liegt bei rund 370 Punkten. Hier dürfte es spannend werden.

Ich hatte gestern geschrieben, in den Aktienmärkten habe sich erhebliche potenzielle Energie aufgebaut, die sich wahrscheinlich gen Süden entlade. Allerdings sah ich den Zeitpunkt hierfür eher Anfang Mai. Gestern wurde im S&P 500 die seit Ende November 2002 etablierte Trendlinie touchiert, die in der zurückliegenden Aufwärtsphase eine eminent wichtige Leitfunktion hatte. Das 38er-Retracement des zurückliegenden Aufwärtsswings (EoD-Kurse) von 1091 auf knapp 1151 liegt bei knapp 1114. Die 100-Tage-Linie liegt aktuell bei 1112 Punkten. Sie schwenkt wie schon in der ersten März-Hälfte in die Waagerechte ein. Spätestens hier muss es zu einem Reversal kommen, ansonsten dürfte sich die Kellertür früher auftun als gedacht.
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