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Bringt ein Verkauf 100 Mio. Euro? Hier kaufen die Organe selbst kräftig ein

Gastautor: Volker Glaser
07.12.2018, 00:02  |  583   |   |   

Zu den Favoriten zahlreicher Investoren auf dem diesjährigen Eigenkapitalforum in Frankfurt zählte die Aktie von Allgeier, die sich dort übrigens erstmals präsentierte. Der Münchner IT-Dienstleister zählt seit Juni 2017, damals handelte die Aktie bei 17 Euro, zu unseren Favoriten an der Börse. Im Jahreshoch notierte das Papier bereits bei gut 35 Euro. Die scharfe Korrektur an der Börse sorgte auch bei Allgeier für tiefere Kurse. Derzeit handeln die Anteilsscheine bei Kursen von unter 28 Euro. Der Börsenwert beträgt 281 Mio. Euro. Das Unternehmen wäre an der Börse deutlich mehr wert, wenn CEO Carl Georg Dürschmidt eine kapitalmarktfreundlichere IR-Politik betreiben würde. Jahrelang war Investor Relations für das Unternehmen ein Fremdwort. Die Lage bessert sich nun. Aber von einer soliden Arbeit mit Investoren mögen wir noch nicht zu sprechen.

Allgeier agiert als Holding mit 3 Hauptsegmenten, erweckt in der IT-Welt aber eher den Eindruck eines Gemischtwarenladens. Wir hatten im Juni 2018 mitgeteilt, dass Dürschmidt Szenarien durchspielt, das Unternehmen besser aufzustellen. Dazu zählte beispielsweise ein Börsengang oder der Verkauf des Segments Experts. Kurze Zeit nach unserer Veröffentlichung präsentierte der CEO eine neue Unternehmensstrategie mit Details, über die wir zuvor berichtet hatten. Die Bereiche Technology, bestehend aus den Unternehmen Nagarro, mgm technology partners und Objectiva sowie Enterprise Services, die zusammen für einen für 2018 geplanten Umsatz von rund 400 Mio. Euro stehen, sollen sich als ein global relevanter Player im Bereich Softwareentwicklung und Zukunftstechnologien positionieren. Der Bereich Experts wird davon abgetrennt. Der CEO verkündete, dass die beiden Unternehmensteile zu trennen sind und der Bereich Allgeier Experts eigenständig agieren soll. Das Unternehmen arbeitet alle Optionen durch. Dies reicht vom IPO einer der beiden Einheiten über eine Aufspaltung in zwei selbstständig gelistete Unternehmen bis zu weiteren strategischen Optionen mit Blick auf private Finanzierungsquellen zur Vorbereitung einer eigenen Kapitalmarktfähigkeit sowie Akquisitionen oder Zusammenschlüsse zur Erreichung einer attraktiven Größe.

Experts erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 258 Mio. Euro bei einem bereinigten EBITDA von 5.4 Mio. Euro. Angesichts der dünnen Marge will allerdings an der Börse keiner wirklich eine solche „Bude“ haben. Das hat der CEO inzwischen auch verstanden. Ein IPO des margenschwachen Ladens, der sich 2018 schwächer entwickelt als einst erwartet, schließen wir aus. Da Allgeier auch nicht gerade der Investoren-Liebling ist, dürfte ein solches IPO fast nicht möglich sein. Somit konzentriert sich Dürschmidt auf einen Verkauf des Segments Experts. Angeblich soll der Verkauf einen Erlös zwischen 80 und 100 Mio. Euro einbringen. In den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres betrug der Umsatz in diesem Segment mehr als 216 Mio. Euro. Das EBITDA lag bei 4.9 Mio. Euro und die Marge landete bei lausigen 2.3 %. Wie Dürschmidt für dieses Geschäft einen Verkaufspreis von 80 Mio. Euro erreichen will, ist mehr als fraglich. Wir wünschen indes viel Erfolg und drücken die Daumen. Jeden Tag steht schließlich wenigstens ein Dummer auf. In den Büchern dürfte die Einheit mit ca. 50 Mio. Euro stehen.

Das Segment Enterprise Services erzielte nach 9 Monaten einen Umsatz von 82.4 Mio. Euro und eine EBITDA-Marge von 4.3 %. Stark entwickelt sich die Einheit Technology. Bei Einnahmen von mehr als 206 Mio. Euro betrug die EBITDA-Marge satte 12.4 %. Anfang des Jahres hatte Dürschmidt für den Konzern ein Wachstum des Umsatzes von 18 bis 23 % bei einer EBITDA-Marge von 6 bis 6.5 % prognostiziert. Zum Halbjahr wurde das Wachstum wegen Zukäufen auf 25 bis 30 % nach oben gesetzt. Zum EBITDA machte der CEO schon keine konkreten Angaben mehr. Nach 9 Monaten folgte eine Rücknahme der Prognose, die der Firmenchef nur ganz nebenbei erwähnte. Seriös ist das alles nicht. Nunmehr erwartet Dürschmidt lediglich noch ein Umsatzplus im Gesamtjahr von etwa 25 %, obwohl jüngst mit iQuest noch ein weiterer Zukauf getätigt wurde, der aber zugegebenermaßen in der Konsolidierung nicht wirklich ins Gewicht fällt. Trotzdem: Das Umsatzziel wurde wenigstens an die untere Bandbreite angepasst. Das einstige Margenziel wird der CEO indes verfehlen. Das EBITDA-Margenziel auf bereinigter Basis wird er jedoch erreichen. Nach 9 Monaten lag das bereinigte EBITDA bei 32.4 Mio. Euro. Das entspricht einer Marge von 6.4 %. Berichtet lag der Wert indes nur bei 5.2 %. Das ist insgesamt kein Drama, es wäre aber wünschenswert, wenn Dürschmidt die Zahlen transparenter und offener kommunizieren würde. 2019 stehen die Zeichen auf Umsatz- und Ergebniswachstum. Dürschmidt hat aber auch Lob verdient. Mit der Otto Bock Holding wurde eine Absichtserklärung zum Zusammenschluss der Allgeier Enterprise Services AG mit der Sycor GmbH unterzeichnet. Das Gemeinschaftsunternehmen würde 2018 einen Umsatz von 220 Mio. Euro einfahren. Der Deal soll im Q1 des folgenden Jahres unter Dach und Fach gebracht werden. Sollte der CEO hier den Sack zumachen, wäre das ein toller Erfolg und guter Deal für Allgeier.

Vorstandswoche-Altfavorit Allgeier ist bei Kursen um 28 Euro erneut kaufenswert.

www.vorstandswoche.de

 

Wertpapier
Allgeier


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