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Logistik-Aktien: Performance-Lieferung zum Fest?

Gastautor: Dirk Heß
07.12.2018, 09:29  |  1457   |   |   

Bei Brief- und Paketzustellern wie der Deutschen Post, UPS und FedEx lässt das Weihnachtsfest die Kassen klingeln. Für Anleger ergeben sich daraus interessante Investmentchancen.

Wer hätte gedacht, dass das Christkind in Engelskirchen zuhause ist – einem bei Köln gelegenen 20.000-Einwohner-Städtchen. Dort hat die Deutsche Post ihre größte Weihnachtspostfiliale eröffnet. Mit 135.000 Wunschzetteln aus 50 Ländern, so der Briefkonzern, ist Engelskirchen die beliebteste Christkind-Adresse in Deutschland. 135.000 Briefe – das hört sich nach viel Arbeit an, ist aber nichts im Vergleich zu dem, was die Postboten zur Weihnachtszeit sonst stemmen müssen. Wie der Konzern mitteilt, wurden im letzten Dezember durchschnittlich 6,9 Millionen Pakete in den Filialen der Deutschen Post abgegeben – pro Tag wohlgemerkt. Im Jahresschnitt waren es „nur“ 4,6 Millionen Pakete pro Tag.

 

Paketkonzerne profitieren vom Online-Boom

Diese Weihnachtssaison verspricht neue Rekorde. So erwartet die Deutsche Post, dass in den Tagen vor Heiligabend ein Versandaufkommen von bis zu mehr als elf Millionen Paketen pro Tag erreicht werden könnte. Bisher lag die Tagesbestmarke bei etwa zehn Millionen Stück. Damit würde sich der Trend einer kontinuierlich zunehmenden Weihnachtsfracht fortsetzen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Immer mehr Bundesbürger besorgen sich ihre Präsente im Internet. Lag der Anteil des Online-Handels am Weihnachtsgeschäft im Jahr 2010 lediglich bei rund sechs Prozent, dürfte die Quote in diesem Jahr, nach Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE), auf über 13 Prozent steigen. Wie eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte zudem ergab, kaufen mittlerweile 67 Prozent der Deutschen ihre Weihnachtsgeschenke (auch) im Internet. Das bedeutet viel Arbeit für die Paketzusteller. Allein der Internet-Riese Amazon erhält in der Weihnachtssaison weltweit mehr als eine Milliarde Bestellungen.

 

Süßer die Kassen nie klingeln

Aus der weihnachtlichen Paketflut ergibt sich eine reizvolle Anlagechance. Denn je mehr versendet wird, desto höher dürfte der Umsatz und Gewinn der Logistikkonzerne sein. Dazu gehören neben der Deutschen Post insbesondere auch die global operierenden US-Titel UPS und FedEx. Im vergangenen Jahr erzielte die Deutsche Post im Weihnachtsquartal (Oktober bis Dezember) einen operativen Gewinn von rund 1,2 Milliarden Euro. Das entspricht fast einem Drittel des gesamten Jahresergebnisses. Interessante Zahlen gibt es auch von UPS. Im Vorjahr erlöste der Konzern im vierten Quartal im Schnitt 10,17 US-Dollar je Paket. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Versendungen auf durchschnittlich 24,05 Millionen Pakete pro Werktag. Das heißt: Im Schlussquartal erzielte UPS aus dem Paketgeschäft im Schnitt einen Umsatz von 245 Millionen US-Dollar. Pro Werktag! Bei FedEx lässt sich der Weihnachtseffekt leider nicht exakt messen, weil Geschäftsjahr und Kalenderjahr abweichen und die Zahlen für Dezember in einer Summe mit den Daten von Januar und Februar gemeldet werden. Es ist aber anzunehmen, dass der Impuls, der für FedEx vom Weihnachtsgeschäft ausgeht, ähnlich positiv ausfällt wie bei UPS.

 

Auf eine Outperformance setzen

Die entscheidende Frage lautet: Können die Aktien der Paketzusteller vom weihnachtlichen Geschäftsboom profitieren? Bei den beiden US-Konzernen war das in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Mal entwickelten sich die beiden Titel im Dezember besser, mal schlechter als der Gesamtmarkt. Ein deutlich positiver Zusammenhang war allerdings bei der Deutschen Post zu beobachten. In den vergangenen zehn Jahren fiel die Performance der Aktie im Dezember acht Mal besser aus als die des DAX. Einmal entwickelten sich beide Werte fast gleich und ebenfalls nur ein einziges Mal hatte der deutsche Leitindex die Nase vorn. Vor diesem Hintergrund könnte sich eine kurzfristige Investition durchaus auszahlen. Mit Hebelprodukten sind dabei verschiedene Strategien möglich. Wer zum Beispiel eine relative Outperformance der Deutschen-Post-Aktie gegenüber dem DAX „extrahieren“ möchte, setzt Long auf die Aktie und Short auf den Index. Instrumente hierfür können Optionsscheine oder Knock-Out-Papiere wie Turbos sein. Aber auch ein einfacher Turbo auf steigende Kurse der Deutsche Post AG könnte auf die obengenannte Statistik bezogen eine sinnvolle Trading-Idee sein.

 

Autor: Dirk Heß, Co-Head EMEA Public Listed Products Sales & Distribution bei Citigroup Global Markets Europe AG

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