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Ein Investorenleitfaden für Flüssigerdgasaktien

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
08.12.2018, 09:00  |  522   |   |   

Erdgas deckt derzeit rund 22 % des weltweiten Energiebedarfs. Bis 2040 wird diese Zahl nach einer Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) auf rund 25 % steigen. Das mag zwar nicht nach einem großartigen Unterschied klingen, ist aber nur der erste Hinweis darauf, dass der Erdgasbedarf in den kommenden Jahren um 45 % steigen wird.

Erdgas ist eine reichlich vorhandene Ressource, die sauberer und in vielen Fällen billiger ist als andere fossile Brennstoffe. Aus diesem Grund gibt es genug davon, um das globale Nachfragewachstum zu decken. Sie hat jedoch einen großen Nachteil, nämlich, dass sie per Pipeline transportiert werden muss, wodurch ihre Reichweite auf die lokalen Märkte beschränkt wird. Die einzige Möglichkeit, die Flexibilität des Transports zu erhöhen, besteht darin, die Ressource in Flüssigerdgas (LNG) umzuwandeln. Dieser Prozess erfordert große Vorabinvestitionen von Erdgasunternehmen, um Verflüssigungs- und Exportanlagen zu bauen, sodass das LNG dann mit dem Schiff zu den Bedarfszentren transportiert werden kann. Diese Investitionen haben das Potenzial, sich langfristig auszuzahlen, da die Nachfrage nach Gas rasant wächst, was die LNG-Aktien sehr lohnend machen könnte.

Was ist LNG und wie wird es produziert?

LNG ist die flüssige Form von Erdgas. Unternehmen stellen LNG in einem Verflüssigungsterminal her, das aus drei Hauptkomponenten besteht: LNG-Lagertanks vor Ort, Ladermpen und Verflüssigungsanlagen, sogenannte Züge. Das Terminal muss sich auch an einem Tiefseeschifffahrtskanal in der Nähe des offenen Meeres sowie in der Nähe großer zwischenstaatlicher Gaspipelines befinden, die den Komplex versorgen können.

LNG-Züge verwenden ein Kühlverfahren, das das Gas auf -260 Grad Celsius abkühlt, dann verwandelt es sich in eine Flüssigkeit und sein Volumen schrumpft um das 600-Fache. Von dort fließt das LNG in kryogene Speichertanks, die auf niedrige Temperaturen ausgelegt sind, um das Gas gekühlt und in seiner flüssigen Form zu halten. Unternehmen verladen das LNG dann auf spezielle Schiffe, die als LNG-Tanker bekannt sind und es zu Marktzentren transportieren. Wenn das LNG seinen endgültigen Bestimmungsort erreicht hat, durchläuft es einen Regasifizierungsprozess in einer Importanlage, wo es unter Druck gesetzt und mit Wärmetauschern wieder in Gas umgewandelt wird, sodass es durch lokale Rohrleitungen fließen kann.

Arten von LNG-Anlagen

Die meisten LNG-Exportterminals sind große Onshore-Anlagen, die erhebliche Investitionen erfordern und lange Bauzeiten haben. So hat beispielsweise Cheniere Energy (WKN:885725) 2012 sein LNG-Geschäft gestartet. Das Unternehmen beendete 2016 seinen ersten Zug am Standort Sabine Pass in Louisiana. Derzeit rechnet Cheniere damit, an diesem Standort sechs Züge und drei weitere in Corpus Christi zu bauen, wobei die meisten dieser Züge bis zum nächsten Jahr ans Netz gehen werden. Nach Abschluss der 23-Mrd.-Dollar-Investition wird das Unternehmen über die Kapazität verfügen, 40,5 Mio. Tonnen LNG pro Jahr (mtpa) zu produzieren, was es zu einem der fünf größten globalen Anbieter machen würde.

Darüber hinaus baut die Branche auch Offshore-Anlagen, die als Floating LNG (FLNG) Terminals bekannt sind. Royal Dutch Shell (WKN:A0D94M) baut derzeit die Prelude-FLNG-Anlage in Australien. Die 14 Mrd. US-Dollar teure Offshore-Anlage wird bei Inbetriebnahme mindestens 3,6 Mio. Tonnen LNG produzieren.

In der Zwischenzeit arbeitet Golar LNG (WKN:A0YCNM) an kleineren Projekten zur Umwandlung alter LNG-Tanker in Floating Liquefaction Vehicles (FLNGVs), die „gestrandetes“ Erdgas, d. h. solches aus Offshore-Feldern, die aufgrund des Fehlens eines lokalen Marktes derzeit nicht vertriebsfähig sind, in LNG umwandeln können, um Zugang zu globalen Märkten zu erhalten. Das Unternehmen hat kürzlich die Arbeiten an seinem ersten FLNGV-Umbau (Golar Hilli) abgeschlossen, der die Kapazität hat, 2,4 mpta aus einem Offshore-Feld in Kamerun zu produzieren. Darüber hinaus hat das Unternehmen zwei weitere FLNGV-Konversionen in der Planung.

Wie wird LNG transportiert?

Es werden spezialisierte LNG-Tanker benötigt, um LNG weltweit zu transportieren. Diese Schiffe verfügen entweder über eine Reihe von Zylindertanks, die als Mosstanks bekannt sind, oder über eine direkt in den Rumpf eingebaute Stahlmembran, die das LNG kühl hält. Die Spezialschiffe transportieren dann LNG von einer Exportanlage zu einer Importstätte, wo es einem Regasifizierungsprozess unterzogen werden kann, um anschließend durch lokale Pipelines transportiert zu werden.

Mehrere Unternehmen der LNG-Branche konzentrieren sich auf den Betrieb von gasführenden Schiffen, darunter Golar LNG und Gaslog (WKN:A1JVTV). Golar LNG besitzt derzeit 16 LNG-Tanker (davon 10 im Bau), während Gaslog 29 LNG-Tanker (inklusive fünf bestellter) besitzt. Gaslog hat für den Großteil seiner Flotte langfristige Verträge mit großen LNG-Produzenten wie Shell und Cheniere abgeschlossen, die es diesen Unternehmen ermöglichen, ihr LNG weltweit zu transportieren, wodurch Gaslog stabile Einnahmen erzielt, die durch Lieferverträge abgesichert sind. Die Unternehmen bieten auch einen Teil der Schiffe auf dem Spotmarkt zum Chartern an, d. h. sie vermieten sie zu Marktpreisen, die mit der Nachfrage steigen und fallen können. Das ermöglicht es ihnen, in Boomzeiten mehr Geld zu verdienen, setzt sie aber auch Marktschwankungen aus.

Wie sieht es mit dem Markt für LNG aus?

Der weltweite LNG-Handel erreichte 2017 293 Mio. Tonnen, was laut Shell ausreicht, um 575 Mio. Haushalte zu versorgen. Das ist ein Anstieg um 29 Mio. Tonnen im vergangenen Jahr und fast eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 2000. Der Großteil dieses Flüssigerdgases geht in die asiatischen Märkte, wobei Japan 28 % der Einfuhren tätigt, gefolgt von China, wo die Nachfrage im vergangenen Jahr um 40 % explodierte.

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