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Börsenexperte Robert Halver: Aktien gehören in jede Altersvorsorge

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
12.12.2018, 09:31  |  562   |   |   
Die gesetzliche Rente ist sicher, sicher im Sinne, dass es für die Masse der Rentner später hinten und vorne nicht reicht. Das stellt Robert Halver, Chefanalyst der Baader Bank, fest und warnt: Laut einer Studie werden 30 Prozent der Arbeitnehmer in München später eine Rente erhalten, die unterhalb der Grundsicherung liegt. Das Sozialamt wird Hochkonjunktur haben. Und wenn das schon für Boom-Town München gilt, will ich mir die Rentenlethargie in den wachstumsschwachen deutschen Regionen erst gar nicht vorstellen. Aus heutiger Sicht wird das Sozialamt Hochkonjunktur haben.  
Zinsvermögen = Vermögensvernichtung = Altersarmut
Zinsanlagen können diese Altersvorsorgelücke nicht schließen. Staatspapiere werden als sicher und risikofrei beschrieben. Doch bereits in der Vergangenheit sind diese ach so heiligen Kühe dem Schlachthof schließlich doch nie entkommen. Und wie sollen denn die Länder der Eurozone, aber auch Amerika ihre heute im Vergleich viel höhere Schuldenlast jemals zurückzahlen? Seit der Finanzkrise 2008 sind weltweit etwa weitere 50 Prozent Schulden hinzugekommen. Da die Schuldenkrise nie beendet war und offensichtlich nie beendet sein wird, bleiben die Schlachtermesser gewetzt.  Aktien als Bestandteil der Altersvorsorge? Selbstverständlich!Man mag einwenden, dass Deutschlands Finanzpolitik doch deutlich solider als die von Frankreich, erst recht jene von Italien ist. Stimmt, aber käme es zur nächsten, deutlich heftigeren Schuldenkrise, würde in unserer globalisierten Welt der Finanz-Tsunami das deutsche Stabilitätshaus nicht verschonen. 
Je höher früher das Ausfallrisiko war, desto größer fiel immerhin der Risikoaufschlag für Anleger aus. Heute muss es absurderweise umgekehrt sein. Ansonsten wäre der Schuldendienst für die Schuldenstaaten nicht mehr zu bezahlen. Sie wären bankrott.
An dieser Stelle haben die finanzpolitischen Erfüllungsgehilfen ihren ganz großen Auftritt. Man nennt sie auch Notenbanken. Sie verhindern seit 10 Jahren, dass das Finanzgenick nicht durch hohe Kreditzinsen gebrochen wird. Und wenn sie nicht gestorben sind, werden sie auch morgen noch die Zinsen plattmachen wie Schnitzelklopfer das Fleisch. Erst kürzlich hat das wegweisende Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach Anleihekäufe der EZB rechtens sind, der Geldpolitik ein neues Instrument gegeben, das sie bei Bedarf auch zukünftig zum Zwecke der zinsgünstigen Staatsfinanzierung einsetzen wird.
Vor diesem Hintergrund zahlt sich die unerschütterliche Treue deutscher Sparer zu Sparbüchern, Festgeldern und Anleihen nicht nur nicht aus, sie wird bestraft. Schon die diätösen Zinsen machen den Weltspartag zum Volkstrauertag. Und leider macht die Zinsnot auch vor betrieblichen und privaten Versorgungswerken - selbst der Experten der Finanzindustrie - nicht halt. Sie alle werden gezwungen, sich in Zinspapieren zu suhlen wie das Borstenvieh im Schlamm. Und wo es keine Zinsen gibt, da ist auch der Zinseszinseffekt ausgestorben wie Dinosaurier. Wen wundern da noch zunehmende Stutzungen der Rentenzusagen?
Vater Staat freut sich über negative Realzinsen
Und es kommt noch schlimmer. Nach Inflation wird aus dem Volkstrauertag der Totensonntag. Die Substanz des deutschen Zinsvermögens reduziert sich im Durchschnitt jedes Jahr um etwa zwei Prozent.

Des einen Leid, des anderen Freud: Die Entreicherung der Sparer ist die Entschuldung der Staaten. Wenn Inflation nicht durch Zinsen kompensiert wird, werden Schulden ähnlich aufgefressen wie Hundefutter von Bello, Rex und Bobby. Ohnehin ist die tatsächliche Inflation - gemessen an der Verbrauchshäufigkeit - höher als die offiziell geschönte. So wird die Schuldenlast noch mehr weginflationiert. Für die Schuldenstaaten ist jeden Tag Weihnachten.
Ich bezweifele, ob selbst meine Enkel jemals wieder normal hohe Anlagezinsen erleben werden. Insgesamt ist die deutsche Altersvorsorge im Status Quo eine so laut tickende Zeitbombe, dass es Ohropax auf Krankenschein geben müsste.
Der deutsche Otto Normal-Haushalt gibt mehr Geld für Bananen als für Aktien aus
In Deutschland gilt Aktiensparen als elitär, sogar neoklassisch. Nur einige "Verwegene" investieren in diese Anlageform. Das liegt vor allem an ideologisierten Politikern, die Aktien als Teufelszeug brandmarken. Sie haben gut reden. Mit Blick auf ihre privilegierten, vom Staat bezahlten, üppigen Altersbezügen müssen sie vor der Economy-Altersvorsorge der Normalsterblichen so wenig Angst haben wie das Mastschwein vor dem Veganer.
Dabei fußt auf unseren börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften jede Menge volkswirtschaftlicher Wohlstand. Will man den bei ihnen Beschäftigten etwa sagen, dass sie bei Teufelsunternehmen beschäftigt sind? Was ist falsch daran, wenn sich das breite Publikum an diesem substanzstarken Produktivvermögen beteiligt?
Natürlich sind Aktien mit Risiken versehen. Sie schwankten früher schon und werden es auch zukünftig tun. Doch selbst von den größten Einbrüchen haben sich Aktien ausnahmslos nicht nur erholt, sondern sind immer wieder zu neuen Höhen aufgeschwungen. Allen Schwächephasen wie z.B. Dotcom-, Immobilien- oder Euro-Krise zum Trotz hat beispielsweise der deutsche Leitindex DAX seit seiner Einführung vor 30 Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite von 8 Prozent erzielt.
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