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ZUSAMMENSACKENDE ZENTRALBANK-HÜPFBURG–RISIKEN 2019–ENDE DES POLITISCHEN GOING CONCERN – CHRONIC UNEASE (3)

Gastautor: Dr. Georg Oehm
12.12.2018, 20:30  |  1072   |   |   

Zentralbank Hüpfburg

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken aller großen Länder hat die Preise aller Vermögenswerte aufgeblasen. Was das im Detail bedeutet, haben wir bereits im Sommer in unserer ersten Notiz der „chronic unease“-Serie ausführlich beschrieben.

Die Suche nach preiswerten oder gar billigen Anlageobjekten wurde durch die Nebenwirkungen der „Zentralbank-Hüpfburg“ geradezu sinnlos gemacht. Dies zeigte sich daran, dass erfolgreiche Anlagestrategien in den letzten Jahren nicht mehr darin bestanden, Anlagen zu kaufen, die aufgrund gesunkener Preise günstig geworden waren. Es war viel rentabler, von dem noch mehr zu kaufen, was bereits munter am Steigen war und FANG ist hier das Stichwort. Prozyklisch ist ein solches Handeln und es basierte darauf, dass wie von Geisterhand die Erde nicht bebte, sondern sich einfach erhob und den Ausblick auf eine scheinbar heilere Welt verbesserte.

Wenn legendäre US-Investoren wie Leon Cooperman aufgrund dieses Sachverhaltes lautstark nach der Börsenaufsicht rufen, scheint es sich allerdings um ein grundlegendes Problem zu handeln, dessen schädliche Nachwirkungen uns noch eine ziemliche Weile beschäftigen werden.

Aber Achtung:
DIE SEC MACHT NICHTS.
Deshalb sollten Sie nicht davon ausgehen, dass sich an den derzeit zu beobachtenden Trends und den diese verstärkenden Algorithmen irgendetwas ändert. Facebook & Co. haben ihre Rolle bei der Desinformation in den Demokratien bis heute nicht richtig eingeräumt und der verzerrende Einfluss vieler Arten von Computerprogrammen auf die Preisbildung wird am Ende eben doch viel größer sein, als die vermeintlichen Kostensparer und Robofreaks heute wahrhaben wollen. Auch in diesem Bereich werden die Forderungen nach Offenlegung der Algorithmen sehr laut werden – aber leider erst nach dem Desaster.

Das Wall Street Journal schreibt übrigens heute auf der Titelseite, dass die so lange funktionierende Strategie des „Buy the Dip“ nicht mehr funktioniere. Schnäppchenjäger machten um Aktien einen Bogen. Die Beobachtung sei beunruhigend, weil dieser Effekt in der Vergangenheit nur am Beginn oder in der Mitte von Bärenmärkten aufgetreten sei.

Im Sinne von Cooperman besteht das zusätzliche Risiko darin, dass die Algorithmen das „Sell the Rebound“ genauso nutzen werden, wie vorher die Gelegenheiten des „Buy the Dip“.
Das ist nicht neu:
„La Baisse amène la baisse“ – die Baisse nährt die Baisse – so lautet seit Jahrhunderten die Beschreibung dieses Phänomens.

Risiken 2019

Dass im Unterschied zu den Aussagen vieler Volkswirte und Politiker eher Sturm als Flaute bevorsteht, zeigen die geradezu einmütigen Warnungen aller bekannten globalen Makro-Investoren. Ein wesentliches Problem zeichnet sich mal wieder am Anleihenmarkt ab. Die Verschuldung innerhalb des globalen Finanzsystems ist seit 2008 kontinuierlich weiter gestiegen – eine Binsenweisheit. Aber jetzt wird klar, wo zu viele Schulden sind:
– auf allen Unternehmensbilanzen – nicht mehr nur bei Banken – und
– bei den Staaten, die wie zum Beispiel die USA und China munter weiter Geld ausgeben, als müsse das nie zurückgezahlt werden.

Die steigende Verschuldung führt zu einer Verschlechterung der Bonität der Schuldner. Das wiederum hat steigende Risikoaufschläge zur Folge. Wenn diese Risikoaufschläge sich um 2, 3 oder mehr Prozent erhöhen, dann spielt die Frage, ob die Fed die Zinsen um 0,25 oder 0,5 % erhöht, plötzlich nur noch eine nachgeordnete Rolle. Zusätzlich fällt genaueren Beobachtern auf, dass die Fed selbst ja schon seit geraumer Zeit die eigene Bilanz verkürzt. Was das bedeutet? Ganz einfach. Die Fed verkauft Anleihen und erhöht dadurch das Angebot. Die Auswirkungen dieser Verkäufe sollen jetzt schon ungefähr so groß sein, wie die Erhöhung der Zentralbankzinsen um ein weiteres Prozent.

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