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Sehnsucht nach der guten, alten Zeit
Ein linksgrünes Wintermärchen

Gastautor: Rainer Zitelmann
23.12.2018, 18:53  |  4506   |   |   

"Alles wird immer schlimmer" - soziale Ungleichheit, Armut, Umweltprobleme, überhaupt die Lebensverhältnisse in Deutschland und auf dem ganzen Planeten. Ein linksgrünes Wintermärchen.

Es ist Weihnachtszeit und ich erwarte wieder Nachrichten, inzwischen falle leider die "weiße Weihnachten" aus - natürlich wegen des Klimawandels. Gibt es zur Weihnachtszeit aber wirklich weniger Schnee als beispielsweise in den fünfziger Jahren? Im Gegenteil. In Berlin, wo ich lebe, gab es in den 50er-Jahren, als ich geboren wurde, nur in einem einzigen Jahr (1956) an einem von drei Weihnachtstagen Schnee. Dagegen ist es gar nicht so lange her, dass wir in Berlin drei Mal wunderbare weiße Weihnachten hatten - also Schnee sowohl am Heiligabend wie auch am Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag: Das waren die Jahre 2009, 2010 und 2012. "Der deutsche Wetterdienst konnte bisher noch keine statistischen Abweichungen beim Weihnachtswetter feststellen", heißt es in dem lesenswerten Buch von Guido Mingels "Früher war alles schlechter".

Diskutiert man mit Menschen, die dem antikapitalistischen, linken Mainstream zuneigen, dann verfallen diese rasch in die Klage, dass die Welt bald vor die Hunde gehe - vor allem nehme die globale Ungleichheit zu und die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander. War früher also alles besser, oder zumindest: weniger schlimm?

Das Elend dieser Welt…
Ich empfehle diesen Nostalgikern das Buch "Aufklärung jetzt" von Steven Pinker. Darin kann man z.B. lesen, dass seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ein armes Land nach dem anderen der Armut entflohen ist. Länder, die bis vor kurzem noch jämmerlich arm waren, verfügen heute dank des weltweiten Siegeszuges des Kapitalismus über komfortablen Reichtum, vor allem in Asien. Dass "früher alles besser" war, kann nur behaupten, wer keine Ahnung hat, was auf der Welt vor sich geht: In China lag Anfang der 80er-Jahre der Prozentsatz der Menschen, die in extremer Armut lebten, noch bei 88 Prozent, heute ist es nur noch etwa ein Prozent. Ende der 50er-Jahre verhungerten bei Maos "großem Sprung nach vorne" 45 Millionen Chinesen, heute verhungert dort niemand mehr. Grund ist, dass die Chinesen sukzessive mehr Markt und Privateigentum zugelassen haben.

In den letzten 200 Jahren, seit sich der Kapitalismus entwickelte, ist die Rate der extremen Armut in der Welt von 90 auf 10 Prozent zurückgegangen. Und die gute Botschaft: Die Hälfte des Rückgangs ist in den letzten drei Jahrzehnten erfolgt, seit der Kommunismus zusammengebrochen ist. Während der Kapitalismus viel zur Beseitigung der Armut beigetragen hat, gehen die meisten Toten bei Hungersnöten im 20. Jahrhundert auf sozialistische Experimente zurück. Das Ende des Kommunismus und der weltweite Siegeszug des Kapitalismus haben dazu geführt, dass in den 2000er-Jahren nur noch drei von 100.000 Menschen durch Hungersnöte starben. Zwischen 1920 und 1970 starben dagegen global im Schnitt 529 von 100.000 Menschen pro Dekade in Hungersnöten. Mehr als drei Viertel davon gingen auf das Konto der russischen und chinesischen Kommunisten.

Der Planet geht zugrunde
Und die Umwelt? Bilder von großen Katastrophen wie etwa der Havarie der Exxon Valdez haben sich in unser Bewusstsein eingeprägt. Aber die schlimmsten Unfälle passierten nicht in den letzten Jahren, sondern in der Zeit, in der alles angeblich noch besser war. Die jährliche Zahl der Ölkatastrophen, die Anfang der 70er-Jahre noch bei über 100 lag, ist auf nur noch etwa fünf gesunken. Linksgrüne, mit denen ich über diese Themen diskutiere und die behaupten, alles werde immer schlimmer und bald gehe die Welt zugrunde, haben das Gleiche schon in den 80er-Jahren gesagt. Damals prophezeiten sie, in nur wenigen Jahren werde der deutsche Wald wegen der kapitalistischen Umweltverschmutzung gestorben sein. Demonstranten ketteten sich an Bäumen fest, Schlagersänger besangen den sterbenden Wald, verzweifelte junge Umweltschützer umarmten Bäume. Und was ist geschehen? Deutschland hat seit 1970 eine Million Hektar Wald dazu gewonnen. Das sind 10.000 Quadratkilometer (und dies unabhängig vom Zuwachs durch die Wiedervereinigung). Eine Fläche, die viermal größer ist als das Saarland. Trotzdem kämpfen Grüne nach wie vor verbissen um jeden Baum, der etwa für ein Wohnungsbauprojekt gefällt werden soll.

Ich erinnere mich noch an ständige Alarmmeldungen beim "Biowetter", als im Fernsehen Ozonalarm gegeben wurde. Das Ozonloch wurde größer, größer und größer - eigenartigerweise hört man heute weder etwas vom Ozonloch noch vom Waldsterben. Die Themen wechseln, aber die Botschaft wird immer schriller verkündet: Katrin Göring-Eckhardt von den Grünen bringt es in einem 3-Minuten-Beitrag zustande, fünf Mal zu erzählen, dass es um die Existenz des Planeten gehe und wir deshalb grün wählen müssten. Die Kapitalismuskritikern Ulrike Herrmann von der taz, mit der ich neulich in Tübingen eine öffentliche Diskussion hatte, forderte, wir alle dürften nicht mehr Auto fahren und nicht mehr fliegen, weil sonst die Welt zugrunde gehe. https://www.youtube.com/watch?v=CIyNkzFIcnE

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