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Kritik an EZB Hans-Walter Peters: "Die nächsten Monate können ruppig werden"

02.01.2019, 08:42  |  3172   |   |   

Der Bankenverbandspräsident Hans-Walter Peters sagte in einem Interview mit der Funke Mediengruppe, dass die EZB nach wie vor sämtliche Mahnungen ignoriere und so erfolgreich aber auf langer Sicht falsch den Ausstieg aus den Nagtivzinsen verzögere. Darüber hinaus belasten die globalen politischen Spannungen die Wirtschaft, so Peters.

Hans-Walter Peters konstatiert zum Verhältnis zwischen den USA und Europa: "Kurzfristig sehe ich keine Entspannung des Handelskonfliktes mit den USA". Und weiter: "Deutschland und die EU müssen dennoch besonnen reagieren und überzeugende Antworten finden. Ein Abdriften in eine protektionistische Spirale – an deren Ende alle verlieren würden – muss auf jeden Fall verhindert werden". Peters hofft auf die Vernunft der Länder und Staatengemeinschaft, um eine Krise zu vermeiden.

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Jedoch sieht der Bankenverbandspräsident auch, dass die brodelnden Handelskonfikte "(...) schon jetzt Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft [hinterlassen]. Der äußerst kräftige Aufschwung hat in diesem Jahr [2018] einen deutlichen Dämpfer erhalten".

Aus diesem Grund sieht Peters für Deutschland im Jahr 2019 ein Wachstum von rund 1,5 Prozent und bewertet diese Aussicht mit der Note "Befriedigend". Trotz dieser Einschrämkung erwartet Peters keine "(...) gravierenden Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt". Er rechnet sogar mit einer Erfolgsmeldung für 2019, denn die "Zahl der Arbeitslosen könnte 2019 im Durchschnitt auf rund 2,2 Millionen sinken". 

Ebenfalls optimistisch ist der Bankenverbandspräsident in Bezug auf die Finanzmärkte. Für den DAX erwartet Peters ein Ende der Abwärtsspirale:" Bei einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung könnte er im nächsten Jahr daher wieder an Boden gewinnen". Peters meint jedoch auch, dass Aktienanleger starke Nerven haben müssen, da vom Brexit bis nach Italien die Unsicherheiten die Finanzmärkte unter Druck setzen.

Besonders kritisch äußert sich Peters über die EZB:  

"Das Zinsumfeld dürfte sich 2019 nur wenig verändern. Die EZB ignoriert nach wie vor sämtliche Mahnungen von allen Seiten und schiebt den Ausstieg aus den Negativzinsen auf die lange Bank. Das ist aus meiner Sicht falsch".

Unter der EZB-Politik leiden unter anderem die Banken. Für sie wird es ein Jahr mit neuen Herausforderungen. Peters betont, dass die Banken noch wettbewerbsfähiger gegenüber der internationalen Konkurrenz werden müssen. Aus diesem Grund vertritt er die These: "Schwachstellen, Widersprüche und offenkundige Übertreibungen der Regulierung müssen reduziert werden, ohne dass deswegen an der Stabilität Abstriche gemacht werden".

Für Anleger bieten sich jedoch auch Chancen. Der Dax sei nach der letzten Korrektur nicht mehr zu hoch bewertet, meint Peters. Der deutsche Leitindex steht heute bei 10.486 Punkten. Die Jahresperformance zeigt eine Korrektur von -20,57 Prozent. Eine ähnlich starke Korrektur fand 2015 statt, als er von 12.390 Punkten (KW 15, 2015) auf 9.810 Punkten (KW 1, 2016) fiel. Seinerzeit erfolgte die Bodenbildung bei 8.700 Punkten in der KW 6, 2016. 

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2 Kommentare

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Kommentare

Die Ausführungen von Herrn Peters sind vernünftig und widerspiegeln einen begrüßenswerten Grad an Pragmatismus. Tatsächlich stimmt es zunehmend bedenklich, wie die EZB auf teils gerechtfertigte Mahnungen reagiert - nämlich mit Ignoranz und offenkundiger Konzeptlosigkeit. An und für sich halte ich aber Mario Draghi in Finanz- und Wirtschaftsfragen für durchaus kompetent. Vermutlich steckt er in einer Zwickmühle: Selbst geringfügige Zinserhöhungen würden gerade sein Heimatland Italien, aber z. B. auch Frankreich in die Bredouille bringen, aber die Negativzinspolitik auf der anderen Seite erzeugt kumulierende Risiken.... Komplizierte Situation, fürwahr. Nur wo ist der Plan? Aus Nichtstun und Konzeptlosigkeit kann Arges folgen.
Was die Mahnungen von Herrn Peters in Sachen Protektionismus betrifft, so kann man ihm sicherlich vollauf zustimmen. Meines Erachtens ist die diesbezügliche Gefährdung der Wirtschaft wesentlich bedrohlicher als selbst der Brexit. Auf den Punkt gebracht, ließe sich sagen: Nimmt Trump die Chinesen noch mehr in den Schwitzkasten, so werden diese es überstehen, aber Deutschland wird ziemlich röcheln. In dem Zusammenhang wird es vielen vernunftorientierten Menschen immer klarer, dass 2016 deutsche Politiker besser ihre Schmähtiraden gegen Trump unterlassen hätten. Dies war alles ausgesprochen töricht. Es kommt einem zuweilen so vor, als würde Trump listig nun mit doppelter Münze heimzahlen. Jedenfalls träfe eine Verschärfung des Handelsstreits mit China vor allem auch das exportorientierte Deutschland. Für Deutschland wäre Protektionismus pures Gift.
Ja, die Zeiten mögen ruppiger werden. Aber ein Portfolio aus guten Qualitätsaktien mit ausreichend hohem US-Anteil sind gewiss ein sanftes Ruhekissen.
Immer wieder interessant, WER gegen die Niedrig-Zinspolitik der EZB hetzt.
Ich denke, hier geht es ALLEIN um die Pfründe der Banken,
um puren Egoismus,
und ganz bestimmt NICHT um eine volkswirtschaftlich vernünftige Kommentierung.
Lobbyismus pur.

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