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Marktkommentar: Stephen H. Dover (Franklin Templeton): Gründe für Schwankungen an den Aktienmärkten
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Marktkommentar Stephen H. Dover (Franklin Templeton): Gründe für Schwankungen an den Aktienmärkten

Nachrichtenquelle: Asset Standard
09.01.2019, 10:05  |  373   |   |   

Auch wenn das Auf und Ab beunruhigend sein kann, schafft Volatilität für langfristig orientierte Anleger unter Umständen auch Chancen.

In den vergangenen Monaten mussten Aktienanleger mit etwas zurechtkommen, das sie schon länger nicht mehr erlebt hatten: Volatilität. Auch wenn das Auf und Ab beunruhigend sein kann, schafft Volatilität für langfristig orientierte Anleger unter Umständen auch Chancen.


Stephen Dover, unser Head of Equities, erläutert, wo er neue Chancen sieht, und ergründet die Ursachen für die jüngsten Turbulenzen am Markt.

Die Märkte hassen Unsicherheit, und derzeit haben wir auf jeden Fall eine ganze Menge davon. Ein turbulenter Brexit-Prozess im Vereinigten Königreich, die Handelsspannungen zwischen den USA und China und das sich verlangsamende weltweite Wirtschaftswachstum sorgen wenig überraschend dafür, dass mancher Anleger in diesen Tagen etwas die Nerven verliert.

Obwohl viele Variablen zur aktuellen Volatilität am Aktienmarkt beitragen, beunruhigt die Anleger das Auslaufen der ein Jahrzehnt währenden Stimulierungseffekte der weltweiten Zentralbanken wahrscheinlich am moisten.

Zurück zu geldpolitischer Normalität

Nach der globalen Finanzkrise vor zehn Jahren ergriffen Zentralbanken rund um den Globus unkonventionelle Maßnahmen zur Stimulierung ihrer Volkswirtschaften, darunter umfangreiche Wertpapierkäufe, die auch als quantitative Lockerung (QE) bekannt sind. Zweck des QE war nicht nur die Ankurbelung der Wirtschaft, sondern auch der Versuch, die Preise von Finanzanlagen, allen voran von Aktien und Immobilien, nach oben zu treiben, um einen Vermögenseffekt zu erzeugen. Dieser „Vermögenseffekt“ verursachte bei den Anlegern, die diese Anlagen besaßen, in der Regel eine bessere Einschätzung ihrer finanziellen Solidität. Dies sollte sie wiederum zu Ausgaben verleiten, die dann zu einer höheren Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen führen würden.

Neben festverzinslichen Instrumenten nahmen viele Zentralbanken (darunter Japan und Teile Europas, insbesondere die Schweiz) Aktien in ihre Bilanzen auf, die größtenteils für die beabsichtigten Stimulierungseffekte sorgten. An einem gewissen Punkt müssen diese gekauften Wertpapiere jedoch an das Publikum zurückverkauft werden. Dies setzt die Aktienmärkte unter Abwärtsdruck.

Die US-Notenbank ist die erste große Zentralbank, die allmählich eine Rücknahme der experimentellen QE-Geldpolitik seit der Finanzkrise vornimmt und sich in Richtung eines „normalisierten“ geldpolitischen Ansatzes mit Anhebung der kurzfristigen Zinssätze bewegt. Sie begann 2017 mit dem Abbau ihrer Bilanz und ließ festverzinsliche Wertpapiere ohne Wiederanlage auslaufen.

Nach unserer Einschätzung ist der Erfolg einer normalisierten Geldpolitik nach wie vor ungewiss, und sie dürfte an den Märkten auf absehbare Zeit zu anhaltender Volatilität führen. Bei höheren Zinssätzen, höherer Volatilität und Unsicherheit an den Aktienmärkten sind Barmittel nun immer mehr eine brauchbare Anlagelösung.

Insgesamt erwarten wir eine fortgesetzte Neubepreisung von Geld und Finanzanlagen, da die unorthodoxe Geldpolitik vieler Zentralbanken nun zurückgenommen wird, wenn auch in einigen Regionen schneller als in anderen und in anderem Umfang.


Verzerrte Bewertungen 

Niedrige Zinssätze tragen zu einer Stimulierung des Wirtschaftswachstums bei, doch sie sorgen auch für verzerrte Bewertungen. So sind beispielsweise Wachstums- und Stabilitätstitel aufgrund der höheren Barwerte künftiger abgezinster Gewinne (Cashflows) teilweise höher bepreist. Mit dem Anstieg der Zinssätze dürften sich die Verwerfungen umkehren.

Künftige Gewinne sind heute weniger wert, wenn die Zinssätze steigen. Nach unserer Auffassung könnten wachstumsorientierte Aktien mit Bewertungen, die auf weit in der Zukunft liegenden Gewinnen basieren, schlecht abschneiden. Gleiches gilt für die Anleihen-Stellvertreter. Diese Titel gelten in der Regel als defensiv und bieten Dividenden und stabiles Wachstum.

Zum Jahreswechsel positionieren wir unsere Portfolios für steigende Zinsen. Generell meiden unsere Portfoliomanager hoch verschuldete Unternehmen und suchen stattdessen nach Unternehmen, die mit hohen Cashflows aufwarten können. Historisch betrachtet behaupten sich Aktien in einem Umfeld mit steigenden Zinssätzen gut, wenn der Anstieg erwartet wird und so erfolgt, dass die Unternehmen sich darauf einstellen können.


Wir halten die Wahrscheinlichkeit einer Rezession 2019 für gering. Wir erwarten für 2019 die Fortsetzung des weltweiten Wirtschaftswachstums – wenn auch langsamer als 2018 – und überdies aufgrund der knapperen Kapazität eine anhaltende allmähliche Reflation.

Wir versuchen nicht eine Rezession oder deren Beginn vorherzusagen, doch aus unserer Sicht befinden wir uns in der Spätphase des Konjunkturzyklus, der in den USA nun in sein 10. Jahr eintritt. Ein beliebtes Sprichwort sagt: „Hausse-Märkte sterben nicht an Altersschwäche“. Und wir stimmen zu, dass das eigentliche Alter der wirtschaftlichen Expansion – bzw. der Hausse des US-Aktienmarktes – an und für sich kein Grund zur Sorge ist. Eine Rezession ist ein Rückgang der Wirtschaftsaktivität. Hierzu kann es kommen, wenn die Kapitalkosten steigen oder wenn die Inflation deutlich ansteigt, was zu einem Anstieg der Kapitalkosten führt, da die Zentralbanken die Zinssätze anheben.

Umgang mit Schulden

Eine künftige Herausforderung bezieht sich aus unserer Sicht auf die Haushaltsdefizite vieler Länder, deren angespannte Lage künftige Anreize begrenzen wird. Tatsächlich steckt die Welt heute in tieferen Schulden als beim vorherigen Markthoch 2009. Die weltweiten Schulden erreichten 2016 einen Rekordstand von 164 Billionen US-Dollar. Dies entspricht mehr als 200 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP), und aktuelle Berichte zeigen, dass sie weiter steigen.[1]

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