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Marktkommentar: Guido Barthels (ETHENEA): Turbulente Landung
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Marktkommentar Guido Barthels (ETHENEA): Turbulente Landung

Nachrichtenquelle: Asset Standard
09.01.2019, 12:05  |  580   |   |   

Ein Rückblick auf das Jahr 2018 und Antworten auf die Frage, was die Finanzmärkte 2019 beeinflussen könnte.

Oben geblieben ist noch keiner! Jedes Flugzeug kommt wieder runter, nur manchmal wird die Landung turbulent und den Passagieren wird flau. Dasselbe gilt für die Weltwirtschaft. Auf jeden Aufschwung folgt auch irgendwann der Abschwung.

Die jüngeren Leser wissen das vielleicht schon gar nicht mehr, da die letzte Rezession in der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt, den USA, bereits 126 Monate hinter uns liegt. Ein Rekord! Das Argument, dass alleine aufgrund dieser langen Zeitspanne eine Rezession vor der Tür steht, wird oft angebracht, ist aber genauso oft auch durch die Realität widerlegt worden. Gegen die Realität lässt sich nur schwer argumentieren. Aktuell sieht es tatsächlich danach aus, dass wir den Landeanflug begonnen haben, und der Wetterbericht verheißt eine ziemlich wackelige Landung. 

Traditionell¹ beginnen wir das neue Jahr mit einem Rückblick. So auch natürlich dieses Jahr. Die Wechselkurse haben schon gehörige Volatilität in die Märkte gebracht. Zwar ist es im Nachhinein natürlich einfach festzustellen, wo und vor allem wie man in 2018 hätte Geld verdienen können, aber wir alle sind rückblickend schlauer. Aus Sicht der Wechselkurse hätte man lediglich USD oder sogar JPY kaufen sollen, dieses Geld einfach auf dem Konto liegen lassen sollen, und so mehr als 5 % Gewinn gemacht. Bei Schwellenländerwährungen hätte das wiederum so nicht geklappt, wenn man sich die Entwicklung des russischen Rubels (-11 %), der türkischen Lira (-24 %) oder sogar des argentinischen Pesos (-49 %) betrachtet.



Grafik 1: Entwicklung der Währungsgewinne bzw. -verluste gegenüber dem Euro (Stand 27.12.2018)


Grafik 2: Währungsüber- bzw. -unterbewertungen gemessen am BigMac-Index (Stand 27.12.2018).

Vielleicht erlaubt uns ja Grafik 2 eine Prognose für die Wechselkursentwicklungen in 2019 abzugeben. Der Autor versucht nicht Prognosen über den Schweizer Franken, die Norwegische oder Schwedische Krone abzugeben, da diese Währungen in den letzten 15 Jahren - so lange besteht diese Zeitreihe - immer deutlich überbewertet waren. Es kann natürlich auch sein, dass der US-Fleischklops² in diesen Ländern einfach irre teuer ist. Für uns ist auch sicherlich der Greenback relevanter, der gegenüber dem Euro fast 24 % überbewertet ist. Ohne dem Rest des Dokuments zu sehr vorwegzugreifen, glauben wir für 2019 eher an eine Dollarschwäche. Auch das britische Pfund wird, obwohl es bereits fast 10 % unterbewertet ist, nach dem jetzigen Stand der Dinge wohl weiter gegenüber dem Euro verlieren. Es sei denn, dass entweder der Brexit abgesagt wird oder aber der von Theresa May ausgehandelte Deal tatsächlich vom britischen Parlament abgesegnet wird. Allerdings scheint die britische Regierung nicht sehr daran zu glauben. Sie chartert zusätzliche Fähren für den Ärmelkanal³, hält 3500 Soldaten für die Ordnung bereit⁴ und zwingt bestimmte Firmen dazu, Geheimhaltungsabkommen zu unterzeichnen⁵, wohl um Hamsterkäufe bei Lebensmitteln und Medikamenten zu verhindern. Das deutet nicht darauf hin, dass die Regierung May wirklich noch an den Erfolg ihres Brexit-Deals glaubt. Insofern sollte das britische Pfund weiter an Wert einbüßen.


Grafik 3: Ertrag der Hauptaktienindizes in 2018 in Lokalwährung (Stand 27.12.2018).

2018 war auch für Aktien kein einfaches Jahr (siehe Grafik 3). Nicht nur der VIX-induzierte Crash im Februar 2018 bereitete den Aktieninvestoren Bauchgrimmen sondern auch der Abverkauf im letzten Halbjahr sorgte für herbe Verluste. Selbst der mögliche Gewinn an der brasilianischen Börse von rund 11 % wäre durch den Kursverlust des Real von ebenfalls 11 % wieder aufgezehrt worden (siehe Grafik 1). Es gab nicht viele Möglichkeiten diesen Turbulenzen zu entgehen.

Bei den Anleihen herrscht ebenfalls Katerstimmung nach dem Jahr 2018. Auch hier boten die Märkte nicht viele Möglichkeiten kein Geld zu verlieren (siehe Grafik 4). Lediglich vier der beobachteten 15 Indizes zeigten Erträge im positiven Bereich, aber nur knapp mit weniger als 0,5 %. Der Rest der Bondmärkte verzeichnet tiefrote Zahlen. Wenn man nun noch die Kosten in Euro für die Währungsabsicherung mit hineinrechnet, dann bekommt man ein ungefähres Bild des Ausmaßes. Die Aufschläge für Unternehmensanleihen haben sich kräftig erhöht. Die Aufschläge im Investment-Grade-Bereich – sowohl in Euro als auch in US-Dollar – sind über das Jahr um 60 Basispunkte gestiegen. Bei einer zehnjährigen Unternehmensanleihe bedeutet das einen Kursverlust von circa 5 %. Im Nicht-Investment-Grade-Bereich fielen die Verluste sogar noch höher aus. Während sich Aufschläge für US-Dollar-denominierte Anleihen um 150 Basispunkte ausweiteten, waren es im Euro-Segment sogar 230 Basispunkte. Hier betrügen Kursverluste bei den Beispielanleihen mehr als 7,5 % bzw. sogar mehr als 11%. Manche werden sich hiervon an die Jahre 1994 und 1999 erinnert fühlen.


Grafik 4: Ertrag ausgewählter Bondindizes in 2018 in Lokalwährung (Stand 27.12.2018).

Aber lassen Sie uns doch nun nach vorne schauen. 2018 war schwierig für Investoren. Wird 2019 einfacher? Unseres Erachtens eher nicht. Die bereits erwähnten Turbulenzen werden eine weiche Landung nicht unmöglich, aber schwierig machen. Hierfür möchten wir bei den Flugzeug-Analogien bleiben. Fangen wir in Asien an. 

Japan hat in zwei der drei bisher bekannten Quartale in 2018 ein negatives Wirtschaftswachstum gehabt. Es ist aktuell nicht zu erwarten, dass das flügellahme Flugzeug Japan trotz aller Bemühungen der Regierung und der Zentralbank in 2019 eine signifikante Flughöhe erreichen wird. Japan hat einen Anteil von ungefähr 6 % am Weltbruttoinlandsprodukt. China fliegt laut Aussagen der offiziellen Kanäle in der ungefähren Höhe von 6,5 % Wirtschaftsleistung. Genau kann das aber niemand sagen, da die Instrumente im Flugzeug von der Regierung in Beijing abgeklebt wurden! Die Tendenz für selbst das offizielle Wirtschaftswachstum ist aber sinkend. Erst am letzten Tag des Jahres 2018 sind die offiziellen Einkaufsmanagerindizes zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren auf einen Wert unter 50 gefallen. China repräsentiert einen Anteil von 13 % des Welt-BIPs.

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