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Verrückte Aktienmärkte: „Das Ausmaß der Korrektur hat uns überrascht“

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
11.01.2019, 10:22  |  550   |   |   
Verkehrte Welt – die Gewinne von US-Unternehmen steigen, die Aktienkurse aber nicht. Woran das liegt, was das mit dem Geldentzug der Zentralbank und Indexfonds, also ETFs, zu tun hat, und was man jetzt kaufen sollte, erklärt Nadia Grant, Chefin für US-Aktien bei Columbia Threadneedle in Europa.Nachdem Präsident Donald Trump das US-Steuerreformgesetz "Tax Cuts and Jobs Act" am 22. Dezember 2017 unterzeichnet hatte, erwarteten wir für 2018 ein kräftiges Wachstum der Unternehmensgewinne. Unsere Erwartung wurde weit übertroffen, weil der direkte Effekt der Steuersenkung auf die Unternehmensgewinne durch die Beschleunigung des Wirtschaftswachstums weiter verstärkt wurde.
Wir hatten ursprünglich für 2018 ein Gewinnwachstum von etwa 15 Prozent prognostiziert, doch jetzt sieht es nach einem Plus von ca. 25 Prozent aus, wovon rund 6 bis 8 Prozent der Steuersenkung zu verdanken sind. Im Vergleich dazu wuchsen die Gewinne der US-Unternehmen in den letzten 60 Jahren um durchschnittlich 5 bis 7 Prozent.
Trotz dieser starken Gewinnentwicklung hat sich der S&P 500 Index 2018 weitgehend seitwärts bewegt (Stand: 30. November 2018), sodass sich den Anlegern jetzt attraktive Bewertungsniveaus bieten.
Handelskrieg, weniger Geld und wackelnde Kurse
Was also hat den Markt gebremst? Der Handelskrieg mit China und die damit einhergehende Rhetorik waren wichtige Faktoren. Die Aktien von Unternehmen, die von den Zöllen am stärksten betroffen sind – wie Industrie- und Grundstofftitel sowie Halbleiter- und Autohersteller –, wurden dabei entsprechend abgestraft.
Auch war klar, dass die Bilanzverkürzung seitens der US-Notenbank (Fed) für Volatilität sorgen wird, wobei uns das Ausmaß der Marktkorrektur im Oktober dann doch überrascht hat.
Nach dem sehr volatilitätsarmen Jahr 2017 ging es 2018 mit zwei Marktkorrekturen (über 10 Prozent vom Hoch zum Tiefpunkt), die eine im ersten Quartal und die andere in den letzten drei Monaten des Jahres, turbulenter zu. Beide Korrekturen wurden durch technische Faktoren verschärft. So wurde beispielsweise im Februar/März 2018 der Aktienmarkt durch erste Daten zu einem Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne verunsichert. Die Löhne stiegen stärker als erwartet, was auf einen möglicherweise steigenden Inflationsdruck hindeutete. Da die Unternehmen vor der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse ihre Aktienrückkaufprogramme unterbrochen hatten, fanden die Aktienkurse wenig Unterstützung und fielen deutlich. Als der nächste Lohnwachstumsbericht im März verhaltener ausfiel, erholte sich der Markt und spiegelte damit die guten Gewinnausweise der Unternehmen wider.

Die zweite Korrektur war sehr ähnlich: Der Markt reagierte auf restriktivere Kommentare des Fed-Vorsitzenden zur Frage, wann neutrale Zinssätze erreicht würden. Die Eskalation des Handelskriegs verschärfte die Situation weiter. Die beiden Korrekturen zeigen aber auch, wie sehr sich die Marktstruktur seit der Finanzkrise durch den größeren Einfluss von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und systematischen Anlegern verändert hat.
An durchschnittlichen Handelstagen machen ETFs rund 30 Prozent des Aktienmarktvolumens aus, doch bei Volatilitätsschüben wie im März und Oktober 2018 liegt ihr Anteil deutlich höher. Auch im Oktober hatten die Unternehmen wegen der bevorstehenden Veröffentlichung der Drittquartalsergebnisse ihre Rückkaufprogramme ausgesetzt und boten damit dem Markt wenig Kaufunterstützung.
Wir halten diese zwei Korrekturen für gleichermaßen technisch wie fundamental bedingt. Außerdem ist empirisch belegt, dass Anleger in den Monaten nach einer außergewöhnlich hohen Volatilität überdurchschnittliche Renditen erzielen können, da sich die paarweisen Aktienkorrelationen und die Streuungsbeziehungen normalisieren.
In der Vergangenheit legten Aktien nach vorübergehenden starken Anstiegen der Volatilität (VIX) kräftig zu (siehe Abbildung 1).



US-Aktien unterdurchschnittlich teuer
Mit Blick auf 2019 ist der Aktienmarkt damit jetzt attraktiv bewertet. Wir erwarten ein weiterhin über dem Trend liegendes Wirtschaftswachstum, eine moderate Inflation und ein solides Gewinnwachstum von 8 bis 10 Prozent, was ebenfalls nach wie vor über dem Trend läge. Auf dieser Basis notiert der S&P 500 Index zurzeit mit dem rund 15-fachen der prognostizierten Gewinne und damit etwas unter dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16. Der Markt ist demnach trotz des überdurchschnittlichen Gewinnwachstums niedriger bewertet als im historischen Durchschnitt.
Momentan passiert sehr viel. So hat Fed-Chef Jay Powell gerade seinen Kommentar zum neutralen Zinsniveau geändert, das er jetzt nicht mehr "in weiter Ferne", sondern "fast erreicht" sieht. Auch haben die Handelsspannungen zwischen China und den USA nachgelassen, nachdem auf dem G20-Gipfel ein 90-tägiger "Waffenstillstand" vereinbart und damit eine weitere Eskalation vorerst abgewendet wurde.
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