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Wirtschaft und Börse – Mann und Hund

Gastautor: Sven Weisenhaus
12.01.2019, 09:11  |  984   |   |   

Grundsätzlich haben wir immer eine konkrete Meinung zu den einzelnen Märkten und ihren möglichen Entwicklungen. Aber nicht ohne Grund habe ich in der ersten Börse-Intern dieses neuen Jahres von Übertreibungen geschrieben. Denn die Kurse übertreiben regelmäßig nach oben und unten.

Apple-Aktie: Übertreibung nach oben oder unten?

Dazu ein aktuelles Beispiel: Apple hat kürzlich seine Umsatzerwartung für das 4. Quartal 2018 um ca. 5 Milliarden USD reduziert. Der iPhone-Hersteller rechnet nicht mehr mit einem Umsatz zwischen 89 und 93 Milliarden Dollar, sondern geht nur noch von Erlösen in Höhe von 84 Milliarden Dollar aus.  Der Aktienkurs gab daraufhin deutlich nach, wodurch ein Vielfaches der 5 Milliarden an Börsenwert vernichtet wurde. Alleine die erste Kursreaktion nach der Meldung ließ die Marktbewertung um 75 Milliarden Euro sinken. Apple kommt nun „nur noch“ auf eine Börsenbewertung von 675 Milliarden Dollar. Im August hatte der Konzern noch als erstes Unternehmen die Marke von einer Billion Dollar durchbrochen.

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War die aktuelle Marktreaktion auf die Umsatzwarnung nun rational? Hat der Kurs damit nach unten übertrieben – oder zuvor nach oben? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Denn dazu müsste man den fairen Wert der Aktie kennen. Dieser ist aber subjektiv und damit nicht eindeutig. Deshalb findet man bei diversen Analysten stets  sehr unterschiedliche und zum Teil stark abweichende Kursziele.

Die Stimmung der Anleger ist nicht vorhersehbar!

Genau deshalb kann man die Bewegungen von Aktien und auch Indizes wie den DAX nie exakt vorhersagen. Und so kann man zwar eine Erwartung äußern oder eine konkrete Prognose abgeben, doch man muss dabei immer auch mögliche andere Szenarien in Betracht ziehen.

Gleichzeitig ist eine Marktanalyse immer nur eine Zeitpunktbetrachtung. Gänzlich falsch wäre es, an einer einmal festgelegten Erwartung einfach nur festhalten. Man muss die Prognose vielmehr fortschreiben und immer wieder an aktuelle Entwicklungen anpassen sowie neue Informationen einarbeiten. Zudem sollte man kurzfristig stets steigende UND fallende Kurse einkalkulieren, da sich die Stimmung an den Börsen im Minutentakt drehen kann. Und letztlich ist insbesondere die Stimmung entscheidend für das kurzfristige Geschehen an den Börsen (siehe Beispiel Apple).

Wirtschaft und Börse – Mann und Hund

Langfristig betrachtet folgen die Aktienkurse jedoch immer der Gewinnentwicklung. Dazu erinnere ich gerne an einen Chart aus der Börse-Intern vom 20.03.2018, deren Titel auch „Langfristig sind Unternehmens- und Kursgewinne im Gleichlauf“ lautete:

Langfristig befinden sich Unternehmens- und Kursgewinne im Gleichlauf

Aber in diesem Chart ist auch sehr schön sichtbar, dass die Kursentwicklung deutlich von der Gewinnentwicklung abweicht – nach oben und unten. André Kostolany, eine Börsenlegende, prägte dazu das treffende Bild von einem Mann, der mit seinem Hund spazieren geht. Der Mann repräsentiert die Entwicklung der Wirtschaft, der Hund die Kurse. Mal läuft der Hund vor dem Mann, mall hinter dem Mann – genauso verhalten sich die Kurse. Und John Maynard Keynes, einer der wichtigsten Ökonomen des zwanzigsten Jahrhunderts und passionierter Spekulant, soll gesagt haben: „The market can stay irrational longer than you can stay solvent.“ (Übersetzt: „Die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent.“)

Wer also glaubt, man könne die Märkte stets rational einschätzen, der wird irgendwann kräftig auf die Nase fallen. Man kann noch so viele fundamentale Daten studieren und diese auch noch so perfekt einordnen, am Ende muss man immer dem Markt folgen, um an der Börse erfolgreich zu sein.

Fundamentale Überbewertung abgebaut

Aber wie gesagt, die Kurse laufen letztlich mit der Gewinnentwicklung. Und Übertreibungen werden im Zeitablauf stets abgebaut. So kommt es eben, dass die Aktienmärkte jüngst kräftig korrigiert haben. Und nach einer fundamentalen Überbewertung, die sich zum Beispiel am 06.09.2018 noch wie in dieser Grafik darstellte,…

Kursgewinnverhältnisse (KGV) der großen Aktienindizes
(Quelle: helaba.de, Börse-Intern vom 06.09.2018)

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