DAX+1,46 % EUR/USD+0,16 % Gold-0,52 % Öl (Brent)+1,11 %

Immobilienmarkt Wohnungsunternehmen: In Berlin tut sich was...

14.01.2019, 09:33  |  2127   |   |   

Die Deutsche Wohnen besitzt in Berlin rund 115.000 Wohnungen - allein 65.000 Wohnungen erwarb das Unternehmen 2004 vom Land Berlin. Seit Jahren mutet die Deutsche Wohnen den Mietern einiges zu und deshalb fordern Politikern den Rückkauf der Wohnungen. Nur Einigkeit herrscht darüber nicht.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller will Wohnungsbestände zurückkaufen, so sein am vergangenen Freitag verkündeter Plan. Es geht um Wohnungen, die einst von der GSW an die Deutsche Wohnen verkauft wurden: "Ich hätte gern wieder die Bestände der alten GSW in unserem Besitz", so Müller. Müller bot dem Immobilienkonzern hierzu Verhandlungen an. 

Vonovia mit festem Hebel folgen [Anzeige]
Ich erwarte, dass der Vonovia steigt...
Ich erwarte, dass der Vonovia fällt...

Verantwortlich für diese Anzeige ist die Deutsche Bank AG. Die Wertpapierprospekte und Basisinformationsblätter zu diesen Produkten erhalten Sie über www.xmarkets.db.com.

Bei einem Rückkauf gäbe es zahlreiche Themen, die für lange Verhandlungen sorgen dürften. Für die 65.000 Wohnungen wurden 2004 circa 405 Millionen Euro bezahlt - Finanzsenator war Thilo Sarrazin und Klaus Wowereit Regierungschef. Heute gibt die Deutsche Wohnen den Wert ihrer 115.000 Wohnungen mit 15,6 Milliarden Euro an. Somit könnten die ehemaligen GSW-Wohnungen dem Land Berlin jetzt rund acht Milliarden Euro kosten. Zum Vergleich: die größte landeseigene Wohnungsgesellschaft Degewo besitzt nur 73.000 Wohnungen.

Darüber hinaus ist die Deutsche Wohnen nicht unbedingt an einem Verkauf seiner Wohnungen interessiert. Bislang heißt es lediglich, dass man bei möglichen Verkaufsabsichten das Land Berlin als Kaufinteressent "präferieren" könnte. Somit ist noch vollkommen unklar zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang das Land Berlin Wohnungen von der Deutschen Wohnen erwerben könnte.

Etwas schneller könnte womöglich die Enteignung umgesetzt werden. Die Initiatoren eines Volksbegehrens sehen dies als den notwendigen und richtigen Schritt im Umgang mit Wohnungenseigentümern, die die Interessen der Mieter nicht unterstützen. Vor allem Linke und Teile der Grünen sehen die Enteignung als Chance auf bezahlbare Mieten. Das Volksbegehren zur Enteignung großer Immobilienkonzerne soll im April 2019 starten. Es sollen die Unternehmen vergesellschaftet werden, die mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin besitzen.

Müller bekommt von der Koalition Rückendeckung. Die Berliner Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek sagte: "Im Grundgesetz steht: Eigentum verpflichtet", so die Politikerin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Und weiter: "Hauptproblem ist, dass etwa der Konzern Deutsche Wohnen dieser Verpflichtung nach unserer Interpretation nicht nachkommt". Die Linke hatte sich bei ihrem Landesparteitag für die Vergesellschaftung von großen Immobilienkonzernen ausgesprochen. Linke-Landeschefin Katina Schubert meint, dass es möglich sei, es nur noch niemand versucht habe: Noch nie ist in der Bundesrepublik ein Grundstück nach Artikel 15 vergemeinschaftet worden. Auch der Berliner Mieterverein steht hinter dem Vorschlag. Anders sehen es die Wirtschaftsvertreter. Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) hat sich gegen Müllers Pläne zum Wohnungsrückkauf ausgesprochen.

Neben dem Rückkauf von Wohnungen sieht Müller auch den Neubau als Chance auf Wohnraum: "Es bleibt eine vordringliche Aufgabe, weiteren und neuen Wohnraum zu schaffen". Und weiter: "Aber neben dem Neubau wollen wir auch sehen, wie wir im Bestand ein gutes Angebot machen können. Und hier spielt die Kommunalisierung eine Rolle".

Die FDP hält gegen Müllers Vorschlag und meint, dass mit dem Geld für den Rückkauf der 65.000 Wohnungen rund 120.000 Wohnungen neu errichtet werden könnten. Die haushaltspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sibylle Meister, meint, dass so der Mietmarkt erheblich entlasten werden könnte. Christian Gräff (CDU) argumentiert: wer "einer Nicht-Bausenatorin der Linken das Baufeld überlässt, darf sich über eine Zuspitzung der Mietenkrise nicht wundern".

Neben der Deutschen Wohnen steht auch der Immobilienkonzern Vonovia in der Kritik. Der "Spiegel" berichtete im November 2018 vom Vorgehen bei Vonovia, um die Miete zu erhöhen - innerhalb weniger Jahren werden die Gebäude mehrmals energetisch saniert. Das "Vonovia-Prinzip" lautet: "Mit der Sanierung steigt der Wert der Gebäude, während ein Großteil der Kosten von den Mietern gezahlt wird". Zudem lässt der Konzern die Modernisierungen gerne von eigenen Tochterfirmen durchführen und die Gewinne fließen in die Gesamtbilanz ein. Auch davon wird berichtet, dass Mieter für verständliche Abrechnungen, Erklärungen, und für eine Rücknahme der Erhöhungen kämpfen müssen. 

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel