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Marktkommentar: Carsten Vennemann (alpha beta asset management): Freundlicher Jahresstart?
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Marktkommentar Carsten Vennemann (alpha beta asset management): Freundlicher Jahresstart?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
14.01.2019, 11:15  |  348   |   |   

Die Hoffnung auf eine Einigung im Handelskonflikt hat die Aktienmärkte mit vorsichtigem Optimismus ins neue Jahr starten lassen.

Fasten your seatbelts! - Nach einem für Kapitalmarktanleger desaströsen 4. Quartal 2018 lassen uns die Märkte aktuell etwas durchatmen. Die Hoffnung auf eine Einigung im Handelskonflikt zwischen Amerikanern und Chinesen hat die Aktienmärkte mit vorsichtigem Optimismus ins neue Jahr starten lassen. Aber Vorsicht!

Wie wir alle in den letzten Jahren lernen durften, gilt der Leitsatz „politische Börsen haben kurze Beine“ nicht mehr vollumfänglich. Insbesondere lässt sich feststellen, dass „politische Gewohnheiten“ nicht nur von US-Präsident Trump, z.B. bzgl. seiner Nato-Bündnistreue oder hinsichtlich der langjährigen Freundschaft mit Europa plötzlich zur Diskussion stehen. Auf unserem Kontinent stellt sich die italienische Regierung offen auf die Seite der protestierenden Gelbwesten in Frankreich und damit gegen ihren Verhandlungspartner im Europäischen Rat, Emmanuel Macron. Auf der größten europäischen Insel läuft die dortige Gesellschaft in eine wirtschaftliche Katastrophe, getrieben von Politikern, die ausschließlich durch Machterhalt motiviert erscheinen. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass das politische Umfeld nicht nur unsicherer geworden ist, sondern nun auch direkteren und vor allem langfristigeren Einfluss auf die Aktienmärkte nimmt. So beispielsweise auch bei der unverhohlenen Kritik von Donald Trump an Fed-Chef Jerome Powell kürzlich geschehen. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren offenkundig verstärkt und wirkt damit auch auf die Risikoprämie an den Aktienmärkten.
 
Politische Entwicklungen sind schwierig zu prognostizieren. Sicher ist jedoch, dass die bestehende politische Ordnung global in Schwingungen versetzt worden ist, auf die der Kapitalmarkt seit Januar 2018 mit höherer Volatilität reagiert. Warum ist das so? Nun, wir befinden uns in einer späten Phase des seit 2009 bestehenden Aufschwungs, die Wachstumsraten gehen zurück, die Verschuldung einiger (westlicher) Länder steigt besorgniserregend, so dass die Politik als Katalysator für die Märkte wirkt.
 
All dies löst zwar (noch) keinen Crash aus, das Low-Vola-Umfeld bis 2017 ist aber auf nicht absehbare Zeit Geschichte. Politische Entwicklungen könnten allerdings auch positiv wirken: Eine Einigung der Chinesen mit den Amerikanern, möglicherweise unter Einschluss einer Lösung für die koreanische Halbinsel, könnte die Märkte neu befeuern. Damit ist allerdings die kurze Liste politischer Chancen bereits abgearbeitet. Kaum vorstellbar, dass die Europawahlen oder die politische Lage in Deutschland positive Impulse liefern werden. In allen großen europäischen Ländern sind die Regierungen mehr oder weniger in der Defensive und fallen als Stabilisatoren oder Konjunkturförderer aus. In unserem eigenen Land verfestigt sich der Eindruck, dass bisherige Schlüsselindustrien nicht mehr schützenswert erscheinen ...

Da die Tagespolitik folglich unberechenbar bleibt, widmen wir uns mit Blick auf die nächsten Monate nun wieder der Analyse von Geldpolitik und Konjunktur. Welche Anhaltspunkte werden uns geliefert, welche Fragen stellen sich aktuell für uns?
 
1. Wird die Federal Reserve im Angesicht steigender Löhne tatsächlich – wie aktuell vom Markt mehrheitlich eingepreist – die Leitzinsen in 2019 unverändert lassen?
 
2. Wie entwickeln sich die Unternehmensgewinne in Folge von Handelskriegen und politischem Aktivismus?
 
3. Eurozone: Schaffen Schritte wie Bankenunion und Kapitalmarktunion Vertrauen oder kommt es zum Ende einer koordinierten Haushaltspolitik?
 
4. Wachstumsverlangsamung in China: Konjunkturdelle oder Risiko für die Weltkonjunktur? Können sich die Emerging Markets weiter abkoppeln?
 
Größere Regimewechsel werden am Kapitalmarkt regelmäßig von Notenbanken eingeleitet, im Positiven wie im Negativen. Ein solcher ist momentan in den USA aber nicht erkennbar. Zugegeben, Präsident Powell hat zu Jahresbeginn die Flexibilität der Federal Reserve betont und dem Markt das sehnlich erwünschte „Zuckerstückchen“ hingehalten und beruhigt, dass „eine weitere Bilanzverkürzung situationsabhängig“ sei. Damit konnte er die Märkte nach dem weihnachtlichen Chaos zumindest kurzfristig wieder beruhigen. Letztendlich weiß die Fed aber auch, dass das Fenster für Zinserhöhungen aufgrund der erwarteten, schwächeren Konjunkturentwicklung kleiner wird. Tendenziell wird sie daher nach unserer Einschätzung eher früher als später weitere Zinsschritte verkünden. Zinserhöhungen sind per se nichts Schlimmes, die aktuellen Zweifel des Marktes bezüglich weiterer Schritte zeigen aber deutlich die Besorgnis des Marktes hinsichtlich der US-Konjunktur. Anders ausgedrückt: Bärenmärkte sind schon öfter durch sogenannte „policy errors“, d.h. Fehlern von Notenbanken, ausgelöst worden. So liegen seit dem Herbst letzten Jahres die Renditen der 3-monatigen US-Schatzwechsel wieder über der Kerninflation. 
 
Kompliziert wird die Lage durch das parallele Erhöhen der Kurzfristzinsen und dem gleichzeitigen Zurückdrehen der quantitativen Maßnahmen, d.h. dem Verkürzen der Bilanz. Dieses zweistufige Vorgehen einer restriktiveren Geldpolitik ist – zumindest im Ausmaß – etwas Neues für den Markt. Für die künftige Zinsentwicklung in den USA ist weiterhin zu berücksichtigen, dass die Fed aufgrund der aktuellen Haushaltspolitik (Staat und Kommunen kommen zusammen auf mehr als 120% Schulden/BIP) mehr Staatsanleihen emittieren muss. Ein weiterer Grund, warum die Symbiose USA-China zwingend weiter funktionieren muss ... Letztendlich dürften die Argumente für höhere US-Zinsen, zumindest in kurzen bzw. mittleren Laufzeiten, zunächst überwiegen, bei einer weiteren Verflachung der Zinsstrukturkurve. Aktuell liegt der Zinsaufschlag für 10-jährige US-Treasuries nur noch bei 0,15% gegenüber 2-jährigen, was das Misstrauen des Marktes gegenüber der Sinnhaftigkeit weiterer Zinserhöhungen untermauert und historisch betrachtet mit Rezessionsrisiken verbunden war.

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