DAX+0,33 % EUR/USD-0,05 % Gold+0,35 % Öl (Brent)+0,22 %

Italien EZB-Wächter ziehen Daumenschrauben an: Vizepremier Salvini tobt

15.01.2019, 18:46  |  8532   |   |   

Laut Recherchen von "Reuters"-Journalisten sollen Kontrolleure der Europäischen Zentralbank (EZB) Banken im Euro-Raum Fristen gesetzt haben, bis wann sie ihre Problemkredite vollständig durch Rückstellungen abdecken müssen. Das gefällt dem italienischen Vize-Ministerpräsidenten und Innenminister, Matteo Salvini, ganz und gar nicht.

Die EZB hat Briefe an die von Ihnen überwachten Banken geschickt, in denen eine Deadline steht. Bis zu einem bestimmten Datum sollen die Finanzinstitute ihren gesamten Bestand an notleidenden Krediten über Rücklagen komplett absichern. Das sagte laut "Reuters" "eine mit dem Vorgang vertraute Person".

Die Deadlines in den Briefen der EZB an die Banken sollen mittelfristig gesetzt sein. Die Fristen hätten je nach Bank unterschiedliche zeitliche Längen. Die italienische Zeitung "Il Sole 24 Ore" berichtete, dass die vollständige Abdeckung der Problemdarlehen "bis etwa 2026 erreicht werden soll". Dabei gebe es aber für die Banker genug Spielraum, wenn sie begründen, warum sie die Vorgabe nicht einhalten können.

Der Vorgang rückt erneut die italienischen Banken ins grelle Scheinwerferlicht. Denn im italienischen Bankensektor häufen sich zurzeit die Auffälligkeiten: Erst gestern warnte die EZB überraschend die italienische Monte dei Paschi di Siena (MPS) "vor "beträchtlichen Herausforderungen am Kapitalmarkt“. Und nur vor knapp zwei Wochen stellten die Währungshüter die angeschlagene, italienische Carige Bank unter Zwangsverwaltung. Insgesamt werden in der Euro-Zone zurzeit 119 Finanzinstitute direkt von der EZB überwacht.

Italiens Innenminister und Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini (Lega) warf der EZB heute vor, das sie das heimische Bankensystem attackieren würde. “Dieses neueste Faulspiel der EZB könnte Italien 15 Milliarden Euro kosten”, so das Regierungsmitglied. Laut Salvini zeige das Vorgehen der EZB, dass die EU-Bankenunion Instabilität schaffe. Er forderte mehr Transparenz, damit bewiesen werde könne, dass die EZB nicht politisch motiviert handelt.

Der italienische Bankenindex verlor heute über zwei Prozentpunkte. Auf Jahressicht ging das Bankenbarometer mit knapp 35 Prozent in die Knie. Ein weiters Signal für das schwindende Vertrauen der Anleger in Italien ist, dass die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen heute um 0,73 Prozentpunkte anstieg, nachdem sie sich zum Ende des letzten Jahres eigentlich auf Erholungskurs befand.

Quelle:

Reuters

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Aha, der Finanzminister (vielleicht auch der Ministerpräsident) glänzt wohl durch Unwissenheit und deswegen muss der Stellvertreter (einer davon) und Kämpfer für italienische Nationalinteressen die Sache in die Hand nehmen. Man sieht, für ihn sind seine Koalitionspartner Italienhasser und Ahnungslos.
Das ist der reinste permanente Wahlkampf. Die Lega will die Macht und "Italy first" das Motto. Wo ist Beppo?
Ich vermisse Frankreich in den Nachrichten, den die schießen wirklich den Vogel ab: Frankreich verschuldet sich 2019 mit der Rekordsumme von 200 Milliarden Euro! Frankreich, immerhin drittgrößte Volkswirtschaft Europas, plant 2019 mit 200 Milliarden Euro Schulden – mehr als jemals zuvor. Weitere Verwerfungen an den Kapitalmärkten sind programmiert, ebenso zusätzliche Belastungen der Steuerzahler und Vermögensinhaber. Frankreich gibt immer mehr Geld aus. Das Land hat inzwischen Schulden in Höhe von 99 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die EU erlaubt nach den Maastricht-Kriterien aber höchstens 60 Prozent.Die französische Staatsverschuldung ist deutlich angestiegen. Frankreichs Defizit liegt inzwischen bei 99 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die EU erlaubt aber nach den Stabilitäts-Kriterien von Maastricht höchstens 60 Prozent. Zum Vergleich: Deutschlands Schuldenberg umfasste Anfang 2018 knapp 63 Prozent des BIP. Laut dem Statistikamt Insee erhöhten sich die Verbindlichkeiten Frankreichs zwischen April und Juni um 5,2 Milliarden Euro auf fast 2,3 Billionen Euro. EU-Wirtschafts- und Finanzkommissar Pierre Moscovici wies jeden Vergleich mit Italien zurück: "Frankreichs Verschuldung liegt nicht bei 132 Prozent" des BIPs wie die Italiens, sagte der französische Kommissar. Die französische Verschuldung sei "vertretbar, sie ist keine Gefahr für die öffentlichen Finanzen".
Das Grundproblem der EU ist meiner Meinung nach seit Jahr und Tag, dass Regierungen insbesondere der größeren Länder fast nach Belieben Vereinbarungen und Verträge nicht einhalten und jederzeit, wenn ihnen Regelungen nicht passen, sie hemmungslos und polemisch attackieren.
Der Grad an Egoismus und Rücksichtlisogkeit dem "Gemeinwohl", sprich dem Wohlergehen der gesamten EU, gegenüber ist atemberaubend.
Und natürlich werden im aktuellen Falle all die ungeheuren, auch geldwerten Vorteile, die Italien genießt, insbesondere durch die Politik Draghis, komplett ausgeblendet.
Target-Schulden? Supi, wir häufen immer mehr an; wir werden sie zwar niemals zurückzahlen (können), aber hey - das betrifft ja andere (vorwiegend in diesem Falle Deutschland).
Flüchtlinge? Wie schön, wenn sie schnell Richtung Norden verschwinden. Es könnten ruhig noch mehr Flixbusse von Mailand, Verona und Genua nach Deutschland fahren. Uns doch egal, wer sie aufnimmt und zahlt, Hauptsache wir nicht.
Verschuldensgrenze? Gut, wir haben ursprünglich zugestimmt, aber neue Situation, neue Notwendigkeiten.
Und letzten Endes - was könnt Ihr (die anderen EU-Länder) uns schon? Rausschmeißen? Geht nicht. Also macht nicht so ein Geschrei.
Was sagt Ihr? Die italienischen Haushalte gehören im Vergleich mit dem EU-Durchschnitt zu den reichsten? Spielt doch keine Rolle, oder? Was, wir sollen solidarischer sein? Nee, umgekehr wird ein Schuh draus: Ihr schuldet uns die Vergemeinschaftung der Schulden, die Zusammenführung der Arbeitslosenversicherung, der Einlagensicherung und aller relevanten finanziellen Sicherungssysteme. Wenn das passiert ist, können wir nochmal über Solidarität reden - vielleicht.
Was sagt Ihr? Die Europäische Union sei auf die Kompromissfähigkeit ihrer Mitglieder angewiesen um funktionieren zu können? Tja - wir sind gewählt worden, um für das Wohl der Italiener zu sorgen. Handeln Polen, Ungarn, Frankreich und Griechenland etwa anders? Gewöhnt Euch dran: Italy first. Und jetzt schiebt ab.
Ahahaha,joa,mehr Transparenz,dann käme womöglich heraus,dass die EZB bereits längst politisch motiviert handelt und den Zinssatz künstlich niedrig hält,um Länder wie zb Italien zu schonen,wobei es sehr wenig wahrscheinlich scheint,dass andere Euro-Länder gewillt sind,dem italienischen Beispiel zu folgen und sich der angekündigten "Revolution" anzuschließen.
Der hier angesprochene Zeitrahmen,erscheint immer noch unrealistisch "Italien-freundlich" und er wird sich als ungeeignet erweisen,alle kommenden Katastrophen abzuwehren,dennoch ist man gut beraten,zu zu hören und vor allem vom Gegenteil ab zu sehen,somit sollte es dann beherrschbar sein.
Im klartext,die Ratschläge,die aus Italien Richtung Frankreich gegeben wurden,blieben nicht ungehört und man ist sehr froh,dass Macron den vernünftigen weg der Deeskalation gewählt hat und den Dialog sucht.
Italien mag seinen weg gehen,wäre aber abermals besser beraten,den Empfehlungen erfolgreicherer Mitglieder zu folgen,als später unter erschwerten Bedingungen die Ernte seiner Irrwege einzubringen!
Da macht eh keiner mit,das reicht nicht für nen Zwergen-Aufstand!^^

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel