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Der Unsinn mit den "Unworten" Jährlich meldet sich die linke Sprachpolizei

Gastautor: Rainer Zitelmann
16.01.2019, 19:35  |  1983   |   |   

"Anti-Abschiebeindustrie" ist nach Meinung einer "Sprachjury" das "Unwort des Jahres". Mit "Sprachwissenschaft", wie es unkritisch in Medienberichten heißt, haben all die Worte, Unworte usw., die jährlich von einer linken Jury als solche bestimmt werden, nicht das Geringste zu tun. Hier wollen sich Linksintellektuelle ihrer Deutungshoheit versichern und Andersdenkende lächerlich machen und diffamieren - wie die Unworte und Worte vergangener Jahre belegen.

Linguistik-Professorin Nina Janich, Sprecherin der Jury, erklärte zur Begründung für die diesjährige Entscheidung, der Begriff "Anti-Abschiebeindustrie", den Alexander Dobrindt von der CSU verwendet hatte, zeige, "wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern." Unter den Vorschlägen waren auch die Wörter "Abschiebeverhinderungsindustrie", "Sicherheitsgefährdende Schutzsuchende", "Asyltourismus" und "Hypermoralist". "Klageindustrie" ist laut der Jury im Zusammenhang mit dem Verbraucherschutz eingereicht worden.

In den meisten Medien heißt es völlig unkritisch, eine "sprachkritische Jury" wolle mit der Kür jedes Jahr auf "undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden öffentlichen Sprachgebrauch" aufmerksam machen.

Der Unsinn mit den "Unworten"
Zu Erinnerung: 2017 war "alternative Fakten" das Unwort des Jahres. Die Bezeichnung "alternative Fakten" sei, so begründete die Jury vergangenes Jahr ihre Entscheidung, "der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen". "Alternative Fakten" war ein Begriff, der von Kellyanne Conway, einer Beraterin von Donald Trump, verwendet wurde, um die (falsche) Behauptung zu stützen, dass zur Amtseinführung von Trump mehr Zuschauer gekommen seien als bei früheren Amtseinführungen anwesend waren. Natürlich ist "alternative Fakten" ein unsinniger Begriff, der jedoch überhaupt nicht in die Sprache eingegangen ist - weder in die deutsche noch in die englische. Er wurde allenfalls von politisch Korrekten verwendet, um Andersdenkende lächerlich zu machen und als Lügner und Idioten darzustellen - nach dem Motto: Jeder Andersdenkende ist ein kleiner Trump. Die Behauptung der Jury, "alternative Fakten" sei auch in Deutschland zum Sinnbild für besorgniserregende Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch geworden, war abwegig.

Jedes Jahr werden quotengerecht auch solche Begriffe als "Unworte" bezeichnet, die sich gegen Feminismus und Genderideologie richten, so wie dieses Jahr "Feminismus-Flausen", das auf der Auswahlliste stand (habe ich selbst noch nie gehört). Die Juroren rügten letztes Jahr den Begriff "Genderwahn". Mit diesem Ausdruck würden in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit in undifferenzierter Weise diffamiert, so die Jury. Damit sollen also Kritiker der Genderideologie gemaßregelt werden. Auf der Liste der Vorschläge zum "Unwort des Jahres" stand auch schon die "Sprachpolizei" - ein Begriff, der sich gegen die Sprachvorschriften durch politisch Überkorrekte wendet (und damit natürlich selbst unerwünscht ist). Gerade deshalb verwende ich den Begriff hier, denn er ist sehr treffend. Untersucht man die Begriffe, die in früheren Jahren als Worte bzw. Unworte des Jahres gekürt wurden, dann wird deutlich, dass sich darin die Weltsicht der Linksintellektuellen verdichtet. "Unworte", die von politisch Linksstehenden verwendet werden, gibt es nach dieser Lesart nicht. "Unworte" sind vorwiegend Begriffe, die - tatsächlich oder vermeintlich - von Liberalen, Konservativen oder Rechten verwendet werden.

"Gutmensch" und "freiwillige Ausreise" waren auch "Unworte"
Das Unwort 2015 lautete "Gutmensch". Warum eigentlich? Ich finde den Begriff "Gutmensch" gut. Dass er zum "Unwort" erklärt wurde, ist bezeichnend, denn der Begriff wendet sich meist kritisch gegen Linke und Grüne, die sich für moralisch überlegen halten.

Das Unwort 2013 lautete "Sozialtourismus". Der Begriff wurde zum "Unwort", weil Politiker und Medien damit "gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa" machten. Indem die Jury den Begriff zum "Unwort" erklärte, sollte offensichtlich geleugnet werden, dass es eine Zuwanderung in die Sozialsysteme gibt (dies zu bestreiten, nenne ich wiederum postfaktisch).

2006 wurde "freiwillige Ausreise" als "Unwort des Jahres" gekürt. Der Begriff suggeriere, so hieß es zur Begründung, abgelehnte Asylbewerber kehrten vor einer Abschiebung "freiwillig" in ihre Heimat zurück. Tatsächlich hätten sie jedoch, so die Jury, keine andere Wahl. Daher sei der Begriff ein "Unwort". Es wurde also damit kritisiert, dass ein abgelehnter Asylbewerber die Entscheidung eines deutschen Gerichtes in letzter Instanz akzeptiert und ihr folgt statt sich ihr zu widersetzen und illegal in Deutschland zu bleiben.

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Kommentare

Alles gesagt.

Wird aber nichts aendern und man kann den Artikel nun jedes Jahr neu auflegen und trifft immer ins Schwarze.

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