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Bricht mit dem Brexit das Chaos über uns herein?

Gastautor: Sven Weisenhaus
17.01.2019, 09:35  |  1294   |   |   

China beschließt weitere Konjunktur-Maßnahmen

Bevor wir zum Thema Brexit kommen, noch folgendes: Vorgestern hatte ich noch geschrieben, dass den Notenbanken und Regierungen genug Zeit bleibt, bei einer Abkühlung der Weltwirtschaft gegenzusteuern. Gestern hat die chinesische Zentralbank prompt die Summe von umgerechnet knapp 73 Milliarden Euro in die Finanzbranche gepumpt. Die Maßnahmen seien laut der Notenbank gedacht, damit es umfangreiche Finanzierungsmöglichkeiten für die Wirtschaft gebe. Denn die Liquiditätsausstattung der Bankenbranche verschlechtere sich. Die Regierung kündigte derweil vorgestern ebenfalls bereits weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft an, etwa Steuersenkungen für kleinere Unternehmen und Industriebetriebe.

Mit den Maßnahmen scheint eine weiche Landung zu gelingen

Diese neuerlichen Maßnahmen zeigen, dass es der chinesischen Wirtschaft zunehmend schlechter geht. Man muss die Entwicklung ernst nehmen und mit Skepsis beobachten. Nicht ohne Grund hatte ich am 19.10.2018 erneut vor dem Einstieg in chinesische Aktien gewarnt. Denn der chinesische Aktienmarkt steckt schon seit Anfang 2018, eigentlich sogar schon seit Juni 2015 in einem Abwärtstrend – und damit in einem klaren Bärenmarkt. Zwar kam es seit dem Oktober-Tief zu einer kleinen Kurserholung, doch danach rutschten die Kurse wieder auf das Ausgangsniveau (siehe roter Pfeil im Chart).

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Shanghai Composite - Chartanalyse

Ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen, um eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft zu verhindern, bleibt natürlich abzuwarten. Aber es ist beruhigend zu sehen, DASS immer wieder Maßnahmen ergriffen werden, WENN sich die Konjunkturdaten weiter abschwächen. Und insgesamt scheint es der Regierung zu gelingen, die Wirtschaft in Richtung einer weichen Landung zu steuern.

Auch der Aktienmarkt lässt inzwischen mit einer abnehmenden Abwärtsdynamik und dem aktuellen Doppeltief im Bereich von 2.450 Punkten erste Anzeichen einer Bodenbildung erkennen. Für langfristige Investoren könnten sich daher erste Positionen anbieten – zum Beispiel über breit gestreute Fonds oder ETFs. Das gilt umso mehr, wenn sich eine Lösung im Handelskonflikt abzeichnet.

Und mit diesen Informationen möchte ich nun zu dem eigentlichen Top-Thema überleiten, das aktuell die Medien beherrscht: der vorgestrigen Brexit-Abstimmung.

Bricht mit dem Brexit das Chaos über uns herein?

Was wurde nicht bereits alles über das Chaos berichtet, das über uns alle hereinbrechen wird, wenn der ausgehandelte Austritts-Vertrag abgelehnt wird und es daraufhin in 72 Tagen möglicherweise zu einem ungeordneten Brexit kommt.

Einige CFD-Broker hatten im Vorfeld der vorgestrigen Abstimmung sogar die Margin-Anforderungen erhöht, um sich gegen die offenbar erwarteten Kursverwerfungen zu wappnen. Doch schaut man nun auf die Kursverläufe diverser Märkte, dann muss man meist mit der Lupe nach irgendwelchen Kursreaktionen suchen. Daher stellt sich nun natürlich die Frage, warum ein immer wahrscheinlich werdender „harter Brexit“ die Märkte nicht mehr beunruhigt.

Regierungen, Notenbanken und Unternehmen hatten genügend Zeit

Die Antwort darauf hatten wir schon 2016 geliefert, als dass Thema tatsächlich noch zu extremen Kursschwankungen führte: Durch das ursprüngliche Brexit-Referendum wurde ein mehrjähriger Verhandlungsprozess in Gang gesetzt. Sowohl Regierungen als auch Notenbanken sowie die Unternehmen hatten genügend Zeit, sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Schon alleine deshalb ist kein allgemeines Chaos zu erwarten.

Aber selbst wenn es in einigen Bereichen zu Engpässen kommen sollte, weil man vielleicht nicht alle Details beachtet hat oder sich schlicht nicht vorstellen konnte, dass es tatsächlich zum harten Brexit kommt – schon im Sommer 2016 hatte die London School of Economics die möglichen Verluste für die verbleibenden EU-Länder auf eine Größenordnung von lediglich 0,1 bis 0,3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geschätzt (siehe dazu auch Börse-Intern vom 14.06.2016).

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