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Warum Software-Aktien in der Korrektur outperformen
Foto: M. B. M. - unsplash

Warum Software-Aktien in der Korrektur outperformen

Nachrichtenquelle: wikifolio
21.01.2019, 14:01  |  1375   |   |   

 


Stefan Waldhauser betreut als „stwBoerse
u.a. das wikifolio „High-Tech Stock Picking“ 


Schon seit vielen Jahren entwickeln sich die weltweiten Technologieaktien besser als alle anderen Branchen. Daran konnte auch die deutliche Korrektur seit September 2018 nichts ändern. Aktuell ist jedoch zu beobachten, dass sich innerhalb der Branche die Aktien der Softwareunternehmen wesentlich besser als die Papiere der Hardware- und Chiphersteller entwickeln.

Was aber zeichnet diese Titel aus? Was sind ihre Stärken gerade in diesem schwierigen Marktumfeld? Ein genauer Blick fördert die Gemeinsamkeiten bei den High-Flyern zu Tage.

 

 

Software vs. Hardware

Die Apple-Aktie notiert aufgrund der Probleme mit den iPhone-Verkäufen 33 Prozent unter ihrem Höchststand aus 2018. Der ehemalige Anlegerliebling Nvidia hat sogar 48 Prozent verloren. Daran zeigt sich wie anfällig hardware-lastige Unternehmen auf eine Eintrübung der wirtschaftlichen Lage reagieren.

Hingegen sind die großen Softwarekonzerne in der Korrektur bisher vergleichbar glimpflich davongekommen bzw. haben sich deutlich schneller wieder erholt. Die Microsoft-Aktie ist nur noch acht Prozent von ihrem All-Time-High entfernt, Adobe gerade mal 12 Prozent. Das wikifolio „High-Tech Stock Picking“ notiert sogar nur noch fünf Prozent unter seinen historischen Höchstkursen. Es profitiert davon, dass einige ausgewählte Software-Werte aus der zweiten Reihe wie Twilio oder Alteryx ihre alten Höchststände aus 2018 trotz einer ambitionierten Bewertung schon wieder erreicht haben.

Gründe für die Outperformance

Aber was macht diese Aktien aus? Warum haben sich ausgerechnet Software-Papiere so schnell wieder erholt? Wenn man etwas genauer hinschaut, dann entdeckt man durchaus einige Gemeinsamkeiten bei den High-Flyern unter den Technologieaktien.

1. Wiederkehrende Umsätze

In früheren Jahren wurden in der Softwareindustrie vor allem Lizenzen verkauft. Das Problem eines solchen Geschäftsmodells war seine relativ geringe Stabilität. Gerade in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten waren Quartalsumsätze nur ungenau vorhersagbar. Der Finanzmarkt aber hasst Unsicherheiten und bejubelt den Trend hin zu Software-Subskriptionen.

Praktisch jede Cloud-basierte Software wird heute im SaaS-Modell (Software as a Service) nach einem solchen Nutzungsmodell bepreist. Der Kunde zahlt wie bei einer Miete regelmäßig für die Dauer der Nutzung anstatt einmalig eine Softwarelizenz zu kaufen. Die besten Softwarefirmen machen heutzutage 90 bis 95 Prozent ihrer Umsätze als solche „recurring revenues“ und haben damit die beste Visibilität der künftigen Ergebnisse. Die Börse honoriert diese Sicherheit mit einer hohen Bewertung.

2. Steigende Umsätze mit bestehender Kundenbasis

Im Idealfall haben diese SaaS-Unternehmen zufriedene Kunden, ein nutzungsabhängiges Preismodell und machen im Laufe der Zeit immer mehr Umsatz mit der bestehenden Kundenbasis. Die wichtigste Kennzahl, um diesen Effekt zu messen, ist die von Analysten viel beachtete „Net Retention Rate“. Beträgt diese über 100 Prozent, so wächst das Unternehmen weiter, ohne Neukunden gewinnen zu müssen.

Die besten SaaS-Unternehmen wie Twilio kommen hier auf Werte von bis zu 130 Prozent - rasantes Wachstum ist damit quasi vorprogrammiert. Denn das schwerer zu prognostizierende Neukundenwachstum kommt noch dazu.

3. Hohe Brutto-Marge

Eine der wichtigsten Kennzahlen bei der Beurteilung der Güte eines Geschäftsmodells in der Softwarebranche ist die Brutto-Marge (Gross Margin).

Die Gross Margin gibt einen guten Anhaltspunkt für die künftige Profitabilität eines Unternehmens - auch wenn unterm Strich noch ein Verlust ausgewiesen wird!

Berechnet wird die Gross Margin als prozentualer Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Herstellungskosten beim Unternehmen verbleibt. Je höher dieser Prozentsatz ist, desto mehr Geld hat ein Unternehmen zur Verfügung, um die anderen indirekten Kosten für Verkauf, Marketing, Forschung & Entwicklung sowie Kapital zu decken.

Die besten Software-Unternehmen erzielen Brutto-Margen von über 85 Prozent. Unternehmen aus der Hardwareindustrie können von solchen Werten nur träumen. Software-Firmen verwandeln sich daher in regelrechte Cash-Maschinen, sobald die in der Regel hohen Aufwendungen für Verkauf, Marketing und Entwicklung zurückgefahren werden. Daher werden sie oftmals zu einem atemberaubenden Preis übernommen. Der Aktienkurs ist nach unten quasi abgesichert durch den Preis, den ein strategischer Käufer außerhalb der Börse bezahlen würde.

Fazit

Es gibt also gute Gründe dafür, dass sich erstklassige Software-Aktien nach Korrekturen schneller wieder erholen als andere Technologiewerte. Es lohnt sich, auch mal intensiver in die Geschäftsberichte zu schauen, um die Geschäftsmodelle der Unternehmen im eigenen Portfolio wirklich zu verstehen. Denn erst dann wird offenbar, ob eine optisch relativ günstige Aktie wirklich preiswert ist. Sehr hilfreich sind dabei auch Tools wie der aktien.guide, die die wichtigsten Kennzahlen einfacher zugänglich machen.

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