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Ausblick Ein volatiles, aber positives Börsenjahr

Gastautor: Markus Richert
27.01.2019, 17:57  |  748   |   |   

Für das Gesamtjahr 2018 zeigt sich für die Anleger ein enttäuschendes Bild an den Aktienmärkten. Betrachten wir die Aussichten für 2019, starten wir trotzdem zuversichtlich ins neue Jahr.

Auch wenn die globale Wachstumsdynamik nachlässt, liegen die aktuellen Wachstumsprognosen für die großen Regionen der Welt noch immer über den langfristigen Durchschnitten, die Arbeitslosenzahlen sind auf Tiefstständen und wir schätzen die Gefahr einer unmittelbar bevorstehenden Rezession in den USA, aktuell das Zugpferd der globalen Ökonomie, als gering ein. Dieses Umfeld bietet gute Chancen, dass Unternehmen Ihre Gewinne weiter steigern können. Wachstumssorgen werden die Investoren jedoch über das gesamte Jahr begleiten und die Volatilität weiter hoch bleiben.

Positiv stimmt uns, dass die Zinssätze für zehnjährige US-Staatsanleihen (aktuell 2,7 Prozent) noch nicht unterhalb der Zinssätze für zweijährige US-Staatsanleihen (2,5 Prozent) notieren und somit keine inverse Zinsstrukturkurve in den USA vorliegt. Dieses Phänomen ist in der Vergangenheit einer Rezession stets vorrausgegangen, aber

üblicherweise markierte der S&P 500 erst 17 Monate später seinen Hochpunkt. Sollten sich also die Aktienmärkte in etwa analog zur Vergangenheit verhalten, dann bieten die aktuellen Kursniveaus durchaus Potenzial.

Aktien sind günstiger geworden

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass in 2018 das wirtschaftliche Umfeld sogar noch vielversprechender war und nun dennoch das schlechteste Aktienjahr seit der Finanzkrise zu Buche steht. Der wesentliche Unterschied ist jedoch, dass die Bewertungen nun deutlich attraktiver sind, als noch vor einem Jahr. Denn die Kursrückgänge an den Aktienmärkten sind primär auf eine Kontraktion des KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnisses) zurückzuführen. Auf dieser Basis sind Aktien allgemein und europäische Aktien besonders attraktiv bewertet.

Relativ zu Renteninvestments hat sich die Attraktivität noch verstärkt. Das höhere Renditepotenzial kommt aber einher mit erhöhtem Risiko in Form von Volatilität. Um langfristig von Aktien zu profitieren, müssen die Anleger (starke) Schwankungen am Aktienmarkt aushalten können. Auf Basis unserer historischen Analysen preisen die Märkte nach den jüngsten Kursrückgängen nun bereits einen deutlichen Konjunktureinbruch (wie 2011 und 2015/2016), nicht aber eine systemische Krise bzw. Blase (wie 2001/2002 oder 2008/2009) ein.

Eine systemische Krise ist aktuell nicht unser Basisszenario, aber ein harter Brexit oder erweiterte kriegerische Auseinandersetzungen können derzeit nicht ausgeschlossen werden. Insofern verfolgenden wir sehr akribisch die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Welt. Derzeit gehen wir davon aus, dass die politischen Risiken nicht eskalieren, die Zinsen, insbesondere in Europa, auf niedrigen Niveau verharren und das Wirtschaftswachstum sich weiterhin positiv entwickeln wird. Dies sollte dazu führen, dass die aktuell negative Stimmungslage an den Börsen sich wieder rasch in Optimismus verwandelt.

Renten weiterhin keine sinnvolle Alternative für Aktien

An den europäischen Rentenmärkten wird es auch in 2019 schwer werden Geld zu verdienen. Die Renditen für deutsche Staatsanleihen sind im Jahresvergleich noch unattraktiver geworden. Um einen positiven Zins zu verdienen, müssen Anleger also eine niedrigere Bonität oder längere Laufzeiten in Kauf nehmen. Beides birgt unterschiedliche aber durchaus erhebliche Risiken. Wir bevorzugen dabei Chancen bei Wertpapieren mit leicht geringerer Bonität als renditeschwache deutsche Staatsanleihen zu nutzen, die sich im kurzen Laufzeitband befinden. Diese sind im Vergleich zu Investitionen in langlaufende festverzinsliche Wertpapiere weniger den allgemeinen Schwankungen am Zinsmarkt unterworfen und tragen daher zu einer stabileren Performanceentwicklung der Depots bei.

Aktives Management wird den Unterschied machen

Die Kurse in 2019 werden unseres Erachtens deutlich stärker von der individuellen Unternehmensentwicklung abhängen und weniger von der Branchen- oder Indexzugehörigkeit. Die Marktteilnehmer werden deutlich differenzierter beurteilen, ob Börsentitel in diesem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld operativ bestehen oder nicht. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung ein gut diversifiziertes Portfolio mit qualitativ hochwertigen Börsentiteln zusammenzustellen und etwaige Klumpenrisiken zu vermeiden. Gleichzeitig ist es geboten flexibel und rasch auf politische oder wirtschaftliche Entwicklungen zu reagieren. Auch in diesem Jahr steht eine Reihe von wichtigen Entscheidungen an, die die Märkte durchschütteln können (Brexit, Rechtsruckgefahr bei der Europawahl, Nachfolger von EZB-Chef Draghi). In so einem Umfeld sind Investitionen in passive Strategien kaum in der Lage einen Mehrwert gegenüber dem Markt zu generieren, während die Anleger die volle Schwankungsbreite an den Börsen aushalten müssen.

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