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Inverse Zinsstruktur – Vorbote einer Rezession?

Gastautor: Torsten Arends
28.01.2019, 13:21  |  2115   |   |   

Was ist eine inverse Zinsstruktur?

Das Wort invers kommt aus dem Lateinischen und bedeutet laut Duden so viel wie umgekehrt oder als Substantiv fachsprachlich verwendet auch Umkehrung oder Umstellung.

Im Zusammenhang mit der Zinsstruktur bezeichnen Finanzexperten den Fall als invers, wenn die Renditen für kürzer laufende Anleihen höher liegen als für länger laufende festverzinsliche Wertpapiere. Oder aber analog dazu bedeutet eine inverse Zinsstruktur auch, wenn es beispielsweise für Tagesgeld höhere Zinsen gibt als für einjähriges Festgeld.

Wir wissen, dass es am Kapitalmarkt in der Regel umgekehrt zugeht: Je länger die Laufzeit, desto höher die Rendite (Anleihen) beziehungsweise der Zins (Festgeld).

Warum ist die Inversion einer Zinskurve gefährlich?

Steigen die Leitzinsen wie jetzt in den USA, wirkt sich das auf kurzfristige Staatsanleihen aus. Denn bei höheren Zinsen werden Anleger dem Staat natürlich nur noch dann Geld leihen und damit Staatsanleihen erwerben, wenn sie dafür kurzfristig auch eine entsprechende Rendite bekommen. Weil aber unsicher ist, wie sich die Zinsen auf längere Sicht entwickeln werden, nähern sich die Renditen kurz- und langfristiger Papiere an. Es droht die genannte inverse Zinskurve.

Alan Greenspan, der legendäre, langjährige Chef der US-Notenbank (Fed), ignorierte diese Entwicklung trotz der eindringlichen Warnungen von Ökonomen im Jahr 2005, als die Inversion der Kurve sich abzeichnete. Die schrecklichen Folgen sind bekannt. Die Wirtschaft in den USA schlitterte in eine Rezession, was den Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 nach sich zog, deren Folgen bis heute noch nicht überwunden sind.

Die Lehren aus der Geschichte werden ignoriert

Genau wie damals bewegt sich die Zinskurve auch aktuell wieder in Richtung Inversion. Mehrere führende Ökonomen und Regionalpräsidenten der US-Notenbank sind vom Kurs der FED nicht begeistert und schlagen deshalb Alarm. Sie halten die Zinskurve für einen verlässlichen Indikator und befürchten eine Rezession. Die Schuld dafür suchen sie bei Fed-Chef Jerome Powell, der sich um eine Normalisierung der Geldpolitik bemüht und die Zinsen in den USA anhebt. Manche Spezialisten wie James Bullard von der St. Louis Fed und andere meinen hierzu, dass er es damit angesichts der niedrigen Inflationsrate übertreibt und dass er so die inverse Zinskurve und die damit aufziehende Rezession geradezu provoziert.

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