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Exakte Prognosen sind nur eine Illusion

Gastautor: Sven Weisenhaus
31.01.2019, 09:13  |  702   |   |   

Der längste „Government Shutdown“ in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist nach fünf Wochen selbst Geschichte. Am vergangenen Freitag hatte Donald Trump bereits die Haushaltssperre für beendet erklärt. Die Aktienmärkte konnten am selben Tag zulegen. Aber war dafür diese Meldung verantwortlich?

Eher nicht! Und für eine größere Aktienmarktrally dürfte sie definitiv kein Auslöser sein. Denn es wurde nur eine Übergangsfinanzierung für drei Wochen beschlossen. Ab dem 15. Februar könnten die Regierungsbehörden schon wieder schließen, wenn es bis dahin keine erneute Einigung gibt. Es bleiben also Gefahren für die US-Wirtschaft vorhanden.

Die Kosten des Shutdowns

Das Weiße Haus hatte zuvor am Mittwoch vergangener Woche eingeräumt, dass der Regierungsstillstand ein erheblicher Kostenfaktor geworden sei und das Wachstum der Wirtschaft drücke. „Es könnte leicht eine Zahl nahe null werden“, sagte Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett mit Blick auf das 1. Quartal 2019.

Eine inzwischen veröffentlichte offizielle Studie des parteiübergreifend tätigen Congressional Budget Office (CBO) veranschlagt die Kosten für den wochenlangen Stillstand in US-Behörden mit elf Milliarden US-Dollar. Das ist etwa doppelt so viel, wie Trump für den Bau seiner Mauer zu Mexico haben will. Allerdings könne ein Großteil der Kosten noch aufgeholt werden.

So hat der 35 Tage lange Stillstand die USA im 4. Quartal des zurückliegenden Jahres 0,1 Prozentpunkte beim Wirtschaftswachstum gekostet und im 1. Quartal 2019 sogar 0,2 Prozentpunkte. Dafür werde das Wachstum in den Folgequartalen aber vermutlich etwas höher ausfallen. In Summe werde die Wirtschaftsleistung durch den Shutdown dann nur um 0,02 Prozentpunkte bzw. 3 Milliarden US-Dollar kleiner ausfallen, so die CBO-Studie.

Prognosen sind stets eine Zeitpunktbetrachtung

Im gesamten Jahr 2019 werde das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 % zulegen, nach 3,1 % im vergangenen Jahr. Das aber natürlich nur, sofern es in diesem Jahr nicht erneut zu einem Shutdown kommt. Und natürlich können auch noch diverse andere Faktoren zu Revisionen der aktuellen Prognosen führen. Letztlich sind solche Prognosen lediglich eine Zeitpunktbetrachtung. Doch die Wirtschaft ist so vielfältig, facettenreich und dynamisch, dass sich binnen weniger Monate, Wochen oder gar Tage so viel verändern kann, dass schon nach kürzester Zeit eine Anpassung der Prognosen nötig wird.

Bundesregierung senkt eigene Prognose von 1,8 % auf 1,0 %

Wie stark die Erwartungen dann zum Teil korrigiert werden müssen, zeigt auch das Beispiel Deutschland. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet im gestern veröffentlichten Jahreswirtschaftsbericht für 2019 nur noch mit einem deutschen BIP-Wachstum von 1,0 %. In ihrer Herbstprognose war die Bundesregierung noch von einem Plus von 1,8 % ausgegangen. Wie hoch das Wachstum tatsächlich ausfallen wird, steht in den Sternen. Aktuell ist noch nicht einmal bekannt, wie hoch das BIP in Deutschland im 4. Quartal 2018 genau war.

Exakte Prognosen sind nur eine Illusion

Sie sehen an diesen Beispielen, dass es völlig unmöglich ist, zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen exakt vorherzusagen. Denn wir haben es stets mit "Wenn..., dann..."-Situationen zu tun. Die Aufgabe der Börse-Intern kann es daher auch nicht sein, wirtschaftliche Entwicklungen oder gar Kursverläufe exakt vorherzusagen. Denn das ist einfach unmöglich. Stattdessen sehen wir unsere Aufgabe insbesondere darin, den Fokus unserer Leser auf die wichtigen und richtigen Themen zu lenken.

Natürlich legen wir uns mit unseren Erwartungen an die Märkte dabei durchaus konkret fest. So war ich sicherlich einer der ersten, die eine große Seitwärtsbewegung in den US-Indizes vorhergesagt haben, noch lange bevor diese ihr letztes Allzeithoch markiert hatten. Und aktuell zeichnet sich diese tatsächlich ab. Auch hatte ich eine leichte Abwärtstendenz im EUR/USD und eine anhaltende Seitwärtstendenz im Goldpreis erwartet. Und auch damit lag ich bislang richtig. Aber in allen Fällen war es immer eine "Wenn..., dann..."-Betrachtung.

Beim EUR/USD und Gold war ganz klar die Geldpolitik der Notenbanken ausschlaggebend für die Kursentwicklung. Da sich die Notenbanken aber zuletzt sehr klar und auf Sicht von mehreren Monaten in die Karten blicken ließen, war eine Prognose zu dem Währungspaar und dem Edelmetall noch relativ einfach. Am Aktienmarkt sind dagegen aufgrund der häufigen Übertreibungen nach oben und unten genaue Einschätzungen und Vorhersagen stets deutlich schwieriger.

Wenn…, dann…

Natürlich wäre auch mir es lieber, noch konkreter sein zu können. Aber in der Realität der Märkte haben wir es nun einmal immer mit Ungewissheiten und daher lediglich mit Wahrscheinlichkeiten zu tun. Viele „Experten“ geben zwar dennoch vor, in die Zukunft blicken zu können, doch eine solche Illusion wollen wir unseren Lesern nicht vorgaukeln.

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