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Börse Stuttgart-News Trend am Mittag

Gastautor: Börse Stuttgart
01.02.2019, 16:47  |  624   |   |   

STUTTGART (BOERSE STUTTGART GMBH) - Euwax Trends an der Börse Stuttgart

JEFTA tritt in Kraft - Stimmung in chinesischer Industrie getrübt

DAX nach US-Arbeitsmarktbericht kaum verändert

- von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV Nachrichten Redaktion -

Die EU und Japan bilden von diesem Freitag an die größte Freihandelszone der Welt. Mit dem Inkrafttreten des 2018 geschlossenen Wirtschaftspartnerschaftsabkommens werden Märkte mit 635 Millionen Menschen verbunden. Ziel ist es, Zölle und andere Handelshemmnisse nahezu vollständig abzubauen, um das Wachstum anzukurbeln.

Durch das Abkommen könnten europäische Unternehmen jedes Jahr eine Milliarde Euro an Zöllen einsparen, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Konsumenten biete es zudem eine größere Auswahl und günstigere Preise. Umwelt- und Verbraucherschützer sehen die neuen Handelsabkommen der EU hingegen kritisch.

Japan ist nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und damit ein sehr interessanter Absatzmarkt für europäische Unternehmen. Gemeinsam sind die EU und Japan für knapp ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Als ein Grund für den schnellen Abschluss gilt der wirtschaftspolitische Kurs von US-Präsident Donald Trump. Diesem wird von der EU und Japan eine protektionistische Politik vorgeworfen, der mit der Gründung einer riesigen Freihandelszone etwas entgegengesetzt werden soll. Trump hatte die Pläne für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP eingestampft und die US-Beteiligung am Pazifik-Handelsabkommen TPP gekündigt. Das TPP-Abkommen umfasst mehr als 10 Prozent der Weltwirtschaft. Zu den elf Mitgliedsländern zählen Australien, Kanada, Singapur, Japan und Neuseeland.

Caixin-Einkaufsmanagerindex fällt

In China hat sich die Stimmung bei kleinen und mittelgroßen, meist privaten Industriebetrieben zum Jahresauftakt weiter stark eingetrübt. Der vom Wirtschaftsmagazin Caixin erhobene Stimmungsindex fiel nach Angaben vom Freitag im Januar überraschend auf 48,3 Punkte.

US-Arbeitsmarkt zeigt sich trotz 'Shutdown' robust

Der amerikanische Arbeitsmarkt ist trotz des einmonatigen Verwaltungsstillstands robust in das neue Jahr gestartet. So entstanden im Januar wesentlich mehr Arbeitsplätze, als Ökonomen erwartet hatten. Nach Zahlen des Arbeitsministeriums vom Freitag kamen außerhalb der Landwirtschaft 304.000 Stellen hinzu. Das ist der stärkste Zuwachs seit knapp einem Jahr. Die Erwartungen hatten im Mittel bei 165.000 neuen Jobs und damit viel niedriger gelegen.

Allerdings wurde zugleich die Entwicklung in den beiden Vormonaten um insgesamt 70.000 Stellen nach unten gesetzt. Betroffen von der Korrektur war vor allem der Dezember, in dem nach neuen Zahlen nicht 312.000 neue Stellen, sondern nur 222.000 Arbeitsplätze entstanden sind. Dennoch ist ein das ein solider Wert.

Die Arbeitslosenquote stieg im Dezember um 0,1 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent. Sie liegt damit aber immer noch in Reichweite des im vergangenen Jahr aufgestellten Fünfzig-Jahres-Tiefs von 3,7 Prozent. Die Lage am Arbeitsmarkt kann damit weiterhin als sehr robust bewertet werden.

Enttäuschend fiel jedoch die Lohnentwicklung aus. Die Stundenlöhne stiegen im Monatsvergleich lediglich um 0,1 Prozent und im Jahresvergleich um 3,2 Prozent. Beide Zuwächse lagen unter den Markterwartungen. Die Lohnentwicklung wird vor allem auch von der US-Notenbank Fed beobachtet, weil sie Hinweise auf die künftige Inflation zulässt.

Der Eurokurs gab nach den Daten zum US-Dollar nur kurzzeitig nach. Er erholte sich rasch wieder. Gefallen sind die Kurse von US-Staatsanleihen. Die Renditen legten entsprechende zu.

Anleger halten sich zurück

Am Aktienmarkt agieren die meisten Teilnehmer zurückhaltend. So notiert der DAX aktuell bei 11.159 Punkten mit 0,1 Prozent im Minus.

Thomas Metzger, Head of Asset Management beim Bankhaus Bauer, kommentiert die Situation so:

"Momentan gelingt es weder den Bullen noch den Bären so richtig, die Oberhand zu gewinnen. Pro- und Contra-Argumente beider Seiten gleichen sich in etwa aus. Während das Bewertungsniveau des Marktes, die Annäherung der USA und China im aktuellen Handelsstreit sowie die jüngsten Aussagen der Notenbanken eher für Aktien sprechen, deuten doch viele Indikatoren und einige Unternehmenszahlen der laufenden Berichtssaison auf eine abschwächende Dynamik der Weltwirtschaft hin. Zusätzlich verunsichert das Thema "Brexit".

Eurozone: Industriestimmung auf tiefstem Stand seit 2014 In der Eurozone ist die Stimmung in den Industriebetrieben weiter auf Talfahrt. Im Januar sei der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe den sechsten Monat in Folge gefallen und habe bei 50,5 Punkten den tiefsten Stand seit November 2014 erreicht, teilte das britische Forschungsinstitut IHS Markit am Freitag in einer zweiten Schätzung mit. Damit bestätigte Markit wie erwartet eine erste Schätzung.

Im Dezember hatte der Indexwert noch bei 51,4 Punkten gelegen. Mit dem erneuten Stimmungsdämpfer hält sich die Industriestimmung in der Eurozone nur noch knapp oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten.

"Mit den Januar-Daten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Industriesektor in der Rezession steckt und die Konjunktur im ersten Quartal bremst", kommentierte Markit-Chefökonom Chris Williamson den Gesamtindex für die Eurozone. Nach seiner Einschätzung hat der Automobilsektor noch immer mit neuen Emissionsregeln zu kämpfen. "Allerdings liegt das Übel wohl tiefer", warnte Williamson. Er verwies auf politische Unsicherheiten und auf den Schaden, der dem internationalen Handel durch den zunehmenden Protektionismus entstehe.

Eurozone: Inflation geht weiter zurück
Die Inflation in der Eurozone ist zu Jahresbeginn weiter gefallen. Wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte, lagen die Verbraucherpreise im gesamten Währungsraum im Januar 1,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Vormonat hatte die Inflationsrate noch 1,6 Prozent betragen. Die aktuelle Rate ist die niedrigste seit dem vergangenen April. Analysten hatten allerdings mit dieser Entwicklung gerechnet.

Nach wie vor steigen die Energiepreise immer noch am deutlichsten, allerdings hat sich deren Anstieg in den vergangenen Monaten spürbar abgeschwächt. Im Januar lagen sie 2,6 Prozent über dem Stand des Vorjahresmonats. Lebens- und Genussmittel verteuerten sich um 1,8 Prozent, während Dienstleistungen 1,6 Prozent teurer waren als vor einem Jahr. Nur geringfügig steigen dagegen weiterhin die Preise von industriell gefertigten Gütern.

Ohne Energie und Lebensmittel betrug die Inflation im Januar 1,1 Prozent. Diese Kernrate wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) seit längerem besonders aufmerksam beobachtet, weil sie ihrer Einschätzung nach den grundlegenden Preistrend besser beschreibt als die Gesamtinflation.

Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Die schwache Teuerung ist ein Hauptgrund für die seit Jahren extrem lockere Geldpolitik im Währungsraum.

Deutsche Bank erzielt ersten Jahresgewinn seit 2014
Die Deutsche Bank schreibt nach drei Verlustjahren in Folge wieder schwarzen Zahlen.

Mit 341 Millionen Euro fiel der Überschuss 2018 allerdings relativ mager aus, vor allem wenn man ihn mit den Rekordzahlen der US-Konkurrenz oder der eigenen Historie des größten deutschen Geldhauses vergleicht. Der auf die Anteilseigner des Instituts entfallende Gewinn betrug 267 Millionen Euro. Die Erträge gingen um vier Prozent auf 25,3 Milliarden Euro zurück.

Der Aktienkurs rutsche bisher um 3,6 Prozent auf 7,47 Euro ab.

"Die Rückkehr in die Gewinnzone zeigt, dass die Deutsche Bank auf dem richtigen Weg ist", bilanzierte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing heute in Frankfurt, auch wenn die Bank "noch lange nicht" dort sei, wo sie hinwolle. "Nun geht es darum, den nächsten Schritt zu tun: Wir werden 2019 die Kosten weiter senken und gleichzeitig gezielt in Wachstum investieren. So werden wir unsere Profitabilität auch über das laufende Jahr hinaus substanziell steigern."

Eine konkrete Gewinnprognose für 2019 nannte Sewing zunächst nicht. Allerdings gab er das Ziel aus, die um Konzernumbau und Rechtsfälle bereinigten Kosten der Bank auf 21,8 Milliarden Euro zu drücken und damit etwas stärker als bisher geplant. 2018 lagen die Kosten bei 22,8 Milliarden Euro.

Im Geschäftsjahr 2015 hatte die Deutsche Bank mit rund 6,8 Milliarden Euro den bisher höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte verbucht, 2016 summierte sich das Minus auf knapp 1,4 Milliarden Euro, 2017 standen 735 Millionen Euro Verlust in den Büchern.

Im Schlussquartal 2018 rutschte der DAX-Konzern allerdings nach drei soliden Vierteljahren wieder in die roten Zahlen. Für Oktober bis Dezember standen 409 Millionen Euro Verlust in den Büchern. Das war zwar deutlich weniger als das Minus von 2,4 Milliarden Euro ein Jahr zuvor, bedeutete aber dennoch einen Rückschlag. Die Deutsche Bank erklärte dies mit dem allgemein herausfordernden Marktumfeld, aber auch mit "negativen Nachrichten" rund um die Geldwäsche- Razzia Ende November: Damals hatte ein Großaufgebot von Ermittlern die Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt durchsucht. Der Vorwurf: Mitarbeiter des Instituts sollen Kunden geholfen haben, Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen zu gründen und so Gelder aus Straftaten zu waschen.

Die Bank selbst sieht sich beim Aufarbeiten ihrer teils unrühmlichen Vergangenheit auf gutem Weg. Inzwischen seien 19 der 20 Rechtsfälle ganz oder teilweise beigelegt, die Anfang 2016 das größte finanzielle Risiko bargen, teilte das Institut mit. "Es sind keine neuen Angelegenheiten hinzugekommen, die hinsichtlich ihrer Größe oder ihres finanziellen Risikos diesen Fällen ähnlich wären."

Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten lagen zum Ende des Jahres bei 1,2 Milliarden Euro und damit um 40 Prozent niedriger als zum Jahresende 2017 mit 2,0 Milliarden Euro. Beim Konzernumbau, den bereits sein Vorgänger John Cryan begonnen hatte, drückt Sewing aufs Tempo. Der Stellenabbau kommt etwas schneller voran als zunächst angestrebt.

Ende 2018 beschäftigte der DAX-Konzern auf Vollzeitbasis gut 91.700 Mitarbeiter, ein Jahr zuvor waren es noch etwas mehr als 97 500. Bis Ende 2019 will der Vorstand die Zahl der Vollzeitstellen auf "deutlich unter 90 000" verringern.

Für die Aktionäre soll sich der erste Jahresgewinn seit 2014 zumindest etwas auszahlen: Der Vorstand will wie ein Jahr zuvor eine Dividende von 11 Cent je Aktie ausschütten. Der Kurs der Aktie ist jedoch seit Monaten unter Druck, Ende Dezember 2018 war bei 6,68 Euro der historische Tiefststand erreicht.

Auch deshalb halten sich hartnäckig Spekulationen, die Deutsche Bank und die Commerzbank könnten von der Politik zur Fusion gedrängt werden. Der Bund ist mit gut 15 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank. Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktie konnte sich unter anderem wegen der Gerüchte über eine Fusion etwas von ihrem Tiefststand erholen. Allerdings liegt sie immer noch rund ein Drittel unter dem Niveau zum Zeitpunkt des Amtsantritts von Christian Sewing Anfang April des vergangenen Jahres.

Börse Stuttgart TV

Es war eine spannende Handelswoche an den US-Aktienmärkten. Einerseits legten eine ganze Reihe von Unternehmen aus dem Tech-Sektor in diesen Tagen Zahlen vor. Andererseits gab es eine überraschend spannende Fed-Sitzung. Eine Analyse der Ereignisse von Roland Hirschmüller, Baader Bank, bei Börse Stuttgart TV.

Video unter folgendem Link anschauen: https://youtu.be/-5OvKr_x244

Euwax Sentiment Index

Der Euwax Sentiment Index lag am Nachmittag im neutralen Bereich. In dieser Phase war kein klarer Trend beim Handel mit Hebelprodukten auf den DAX erkennbar.

Disclaimer:
Der vorliegende Marktbericht dient lediglich der Information. Für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernimmt die Boerse Stuttgart GmbH keine Gewähr. Insbesondere wird keine Haftung für die in diesem Marktbericht enthaltenen Informationen im Zusammenhang mit einem Wertpapierinvestment übernommen. Hiervon ausgenommen ist die Haftung für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit.

Quelle: Boerse Stuttgart GmbH

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Boerse Stuttgart GmbH verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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