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Interview Dr. Dr. Rainer Zitelmann über Reiche als Minderheit: "Es gibt positive wie negative Vorurteile"

13.02.2019, 00:01  |  6178   |   |   

Dr. Dr. Rainer Zitelmann, Historiker, Soziologe und Investor hat sein neues Buch: "Die Gesellschaft und ihre Reichen" veröffentlicht. Im Untertitel wird deutlich, wohin die Reise geht: "Vorurteile über eine beneidete Minderheit". Die wallstreet:online-Redaktion nahm das neue Buch zum Anlass, um mit Dr. Dr. Zitelmann über unsere Gesellschaft zu sprechen.

Sehr geehrter Herr Dr. Dr. Zitelmann, vorab herzlichen Glückwunsch zum neuen Buch! Auf 426 Seiten widmen Sie sich einem sehr sensiblen Thema: Neid und Vorurteile gegenüber den Reichen. Ist das ein deutsches Phänomen?

Neid gibt es, seit es Menschen gibt. Aber in hierarchischen Gesellschaften, wo jeder von Geburt an seinen Platz hatte, war er schwächer ausgeprägt. In Gesellschaften, die Gleichheit versprechen, aber notwendigerweise doch Ungleichheit produzieren, ist der Sozialneid erst zu einem wirklich bedeutenden Phänomen geworden – und auch zu einer Antriebskraft großer politischer Bewegungen. Sozialneid gibt es überall auf der Welt, aber er ist nicht überall gleich stark ausgeprägt. Und Sozialneid maskiert sich. Keiner will vor sich und anderen zugeben, neidisch zu sein. Man hat dafür andere Worte gefunden, beispielsweise "soziale Gerechtigkeit".

Woher kommen Vorurteile?

Vorurteile sind an sich nichts Schlechtes. Sie sind sogar überlebensnotwendig. Stellen Sie sich vor, in der Urzeit hätte einer unserer Vorfahren gesagt: "Oh, ich darf keine Vorurteile gegenüber diesem Säbelzahntiger haben. Vielleicht ist er gutmütig. Erstmal abwarten". Wer so dachte, hat nicht überlebt. Ich zeige im ersten Kapitel meines Buches, dass Vorurteile keineswegs immer falsch sein müssen. Zudem gibt es positive wie negative Vorurteile. 
 
Bei Ihnen geht es um Vorurteile über Reiche. Woher kommen die?

Das Thema der Vorurteile über Reiche haben Vorurteilsforscher bislang kaum untersucht. Es gibt viele Studien zu Vorurteilen über Schwarze, über Homosexuelle, über Juden oder über Frauen. Es gibt auch einige Studien zu Vorurteilen über Arme, aber kaum etwas über Reiche. Das ist die erste große wissenschaftliche Studie zu diesem Thema. Ich habe die Methoden und Erkenntnisse der Vorurteilsforschung auf eine Gruppe angewandt, mit der man sich bislang kaum befasste. Meine These, die ich "Kompensationstheorie" nenne: Negative Vorurteile gegenüber Reichen haben die psychologische Funktion, das Selbstwertgefühl eines Menschen zu schützen: Man gibt anderen Menschen, die einem auf irgendeinem Gebiet überlegen sind, auf anderen Gebieten dicke Minuspunkte, damit man sich mit ihnen wieder gleich fühlen oder sich sogar über sie stellen kann. 

Besonders vermögende Menschen sehen sich oft einer gewissen "Neidkultur" ausgesetzt. Gibt es einen Ausweg für die Reichen? 

Negative Vorurteile und Stereotype gegenüber Reichen gibt es überall und wird es wohl immer geben. Warum sollten sich Reiche hier von anderen Minderheiten unterscheiden, die mit Vorurteilen konfrontiert sind? Aber andererseits zeigt die Erfahrung, dass Aufklärung manches verändern kann. Wir sind heute in mancher Hinsicht aufgeklärter als die Menschen in der frühen Neuzeit und glauben beispielsweise nicht mehr, dass Hexen für Naturkatastrophen verantwortlich sind. In den vergangenen Jahrzehnten haben viele Minderheiten gelernt, dass sie sich aktiv gegen Vorurteile zur Wehr setzen müssen. In der Folge haben sich Einstellungen zu manchen Minderheiten – beispielsweise zu Homosexuellen – stark verändert. Voraussetzung dafür war jedoch, dass diese Minderheiten den Kampf gegen diese Vorurteile aufgenommen haben. Hier unterscheiden sich Reiche von anderen Minderheiten. Sie mischen sich nicht aktiv in die gesellschaftliche Diskussion ein, sind oft sehr ängstlich und defensiv. Insofern tragen sie selbst eine Mitschuld an den negativen Vorurteilen. 

In Ihrem Buch beschäftigen Sie sich mit dem Thema "Was die Bevölkerung über Reiche denkt". Wie schneidet Deutschland im Vergleich mit den USA, Großbritannien und Frankreich ab?

Zwei der weltweit renommiertesten Institute – Allensbach und Ipsos MORI – haben in diesen vier Ländern repräsentative Bevölkerungsbefragungen vorgenommen. Dabei wurde ermittelt, wie stark der Sozialneid in den vier Ländern ausgeprägt ist. Da Sozialneid nicht mit direkten Fragen ("Wie neidisch sind Sie?") gemessen werden kann, wurden den Teilnehmern drei Aussagen vorgelegt, die ein Indikator für Sozialneid sein können. Als "Nicht-Neider" werden jene bezeichnet, die keine dieser drei Fragen bejaht haben. Als "Sozialneider" werden jene bezeichnet, die zwei oder drei Aussagen unterstützen. Auf dieser Basis wurde ein Sozialneidkoeffizient entwickelt. Er gibt das Verhältnis von Neidern zu Nicht-Neidern in einem Land an. Ein Wert von 1 würde bedeuten, dass die Zahl der Neider und der Nicht-Neider gleich groß ist. Bei einem Wert unter 1 überwiegt die Zahl der Menschen, die keinen ausgeprägten Sozialneid empfinden, bei einem Wert von über 1 überwiegt die Zahl der Menschen mit ausgeprägtem Sozialneid. Danach ist der Sozialneid in Frankreich mit 1,26 am größten, gefolgt von Deutschland mit 0,97. In den USA (0,42) und Großbritannien (0,37) ist er deutlich geringer. 

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Kommentare

Negative Vorurteile gegenüber ::::: haben die psychologische Funktion, das Selbstwertgefühl eines Menschen zu schützen: Man gibt anderen Menschen, die einem auf irgendeinem Gebiet überlegen sind, auf anderen Gebieten dicke Minuspunkte, damit man sich mit ihnen wieder gleich fühlen oder sich sogar über sie stellen kann.


::: es gibt offensichtlich Kompensations"geschäfte" auch in anderen Feldern...Ost /West, Akademiker/ Pferdewirt..etc..Liste lässt sich offensichtlich verlängern..
..hier müssen offensichtlich auch einige einiges kompensieren:

"Kompensationstheorie" : Negative Vorurteile gegenüber Reichen haben die psychologische Funktion, das Selbstwertgefühl eines Menschen zu schützen: Man gibt anderen Menschen, die einem auf irgendeinem Gebiet überlegen sind, auf anderen Gebieten dicke Minuspunkte, damit man sich mit ihnen wieder gleich fühlen oder sich sogar über sie stellen kann.

Interview: Dr. Dr. Rainer Zitelmann über Reiche als Minderheit: "Es gibt positive wie negative Vorurteile" | wallstreet-online.de - Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11236093-interview-dr-dr-rainer-zitelmann-reiche-minderheit-es-positive-negative-vorurteile
Ja das Kapital ist mehr zu empfehlen als diese "schwache Schwarte" von Zittelmann.

Zur Wende gab es folgenden Spruch von Bernd Lutz Lange und Gunter Böhnke:

"Früher mußten wir s Kapital nur lesen, nun kommts"

das Ergebnis kennen wir.

Gesellschaften ändern sich Herr Zittelmann, wer zu spät kommt den bestraft das Volk :D
Die Armen sollen mal nicht so neidisch sein und die Zähne zusammenbeißen, wenn sie nicht wissen wie vor Hunger in den Schlaf und über den Tag kommen.
Großkonzerne zahlen teilweise in Europa kaum Steuern, entlohnen ihre Mitarbeiter schlecht, Oligarchen bestehlen Nationen und dann sind noch die Armen die Neidischen.
Könnt kotzen, vielleicht erstmal "Das Kapital" von Marx lesen und die Vergangenheit analysieren. Die Franzosen haben ihrer Elite auch nicht aus Jux und Dollerei die Häupter von den Schultern geholt. Ebenso wie die Russen sich ihrer Obrichkeit "entsorgt" haben. Sie haben es einfach übertrieben und irgendwann, kann man auch keine Orange mehr ausquetschen.
Wenn das Buch mal zufällig in der Bibliothek steht wefe ich mal einen Blick rein, aber das Interview allein hat mir schon gereicht.

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