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ANALYSE/JPMorgan Commerzbank-Kauf wäre für Deutsche Bank zu große Last

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
13.02.2019, 12:11  |  1317   |   |   

NEW YORK/FRANKFURT (dpa-AFX) - Seit Monaten blühen Spekulationen über eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank . Der Experte der US-Bank JPMorgan hat seine Zweifel an dieser Idee - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Ein Zusammenschluss der deutschen Geldhäuser dürfte die Gewinne kurzfristig kaum verbessern und zu höheren Kapitalanforderungen führen, schrieb Experte Kian Abouhossein, der die Entwicklung der beiden Banken bereits seit Anfang des Jahrtausends verfolgt, in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Zudem habe die Deutsche Bank schon genügend eigene Baustellen zu bewältigen.

Da die Fusion dennoch kommen könnte, hat der Experte die möglichen Chancen eines solchen Deals durchgerechnet. Sein Ergebnis: Die Anteilseigner der Commerzbank könnten bei einem Übernahmegebot in Deutsche-Bank-Aktien mit etwa 20-prozentigen Aufschlag auf den Kurs ihrer Papiere rechnen. Zuletzt wurde die Commerzbank-Aktie zum Stückpreis von rund 6,40 Euro gehandelt.

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Abouhossein senkte sein Kursziel für das Commerzbank-Papier am Mittwoch zwar von 11 auf 9 Euro, blieb aber bei seiner Kaufempfehlung. Schließlich schreibt er der Aktie sogar ein Kurspotenzial von 40 Prozent zu. Für die Aktie der Deutschen Bank sieht er hingegen weiterhin kaum Luft nach oben. Mit 8 Euro liegt sein Kursziel nur sechs Prozent über dem jüngsten Kurs von rund 7,50 Euro.

Auch daran lässt sich ablesen: Die Commerzbank-Aktionäre wären dem Experte zufolge bei einer Fusion in der besseren Position. Er geht davon aus, dass die Deutsche Bank nach der Zahlung einer dicken Prämie auf den Commerzbank-Kurs eine erhebliche Abschreibung auf die erworbenen Firmenwerte vornehmen müsste. Die Alternative, dass die Deutschen Bank zur Finanzierung eine Kapitalerhöhung um 9 Milliarden Euro vornimmt und möglicherweise Commerzbank-Töchter wie mBank und Comdirect verkauft, würden sie nämlich kaum akzeptieren, schätzt er.

Käme es zum Zusammenschluss, könnte Deutschlands größtes Kreditinstitut seine langfristigen Refinanzierungskosten durch ein Zusammengehen laut Abouhossein zufolge erheblich senken. Denn die Commerzbank brächte dank ihres starken Privatkundengeschäfts einen Einlagenüberschuss von 25 Milliarden Euro mit. Die sinkenden Refinanzierungskosten könnten die Gewinne des fusionierten Konzerns nach fünf Jahren um 6 Prozent steigen lassen, schätzt der JPMorgan-Experte.

Vor allem könnten die Banken einen dicken Batzen bei ihren Personalkosten einsparen. Abouhossein geht davon aus, dass bei einer Fusion von den heutigen Betriebskosten der Commerzbank rund 30 Prozent wegfallen. Dies werde bei den zusammen 80 000 Mitarbeitern der Institute in Deutschland aber rund 5 Jahre dauern.

Für die nächsten Jahre schätzt der Analyst die Eigenkapitalrendite der Commerzbank zwar durchgängig um rund einen Prozentpunkt höher ein als bei der Deutschen Bank. Beide könnten aber wegen der Niedrigzinsen absehbar ihre Kapitalkosten nicht erwirtschaften. Und auf eine fusionierte Bank könnten sie wegen der ausgeweiteten Bilanz höhere Kapitalanforderungen zukommen.

Zudem sollten sich Aktionäre aus Sicht des Experten auf eine solche Fusion nicht freuen. Es gebe bei der Umsetzung solcher Pläne ein "hohes Risiko", betont er. So müsse die Deutsche Bank ihr Investmentbanking-Geschäft stabilisieren, und das schwache vierte Quartal 2018 habe dafür kaum Belege geliefert, dass dies gelingt. Die seit 2009 zunächst aufgeschobene und später wieder aufgenommene Integration der Postbank ist noch immer nicht abgeschlossen. Und dann müsse der Dax-Konzern auch noch die laufende Kostensenkung im Mutterhaus zum Abschluss bringen, schreibt der Analyst.

Für eine Fusion mit der Commerzbank gibt es aus seiner Sicht daher keine Eile. "Wir denken, dass es im Interesse der Deutschen Bank ist, dass jede mögliche Fusion so spät wie möglich geschieht." Dass ein ausländisches Geldhaus die Commerzbank vorher wegschnappt, hält er für unwahrscheinlich: "Grenzüberschreitende Fusionen in Europa sind kurz- und mittelfristig eher unwahrscheinlich." Er rechnet weiterhin mit einer nationalen Lösung./stw/zb/jha/

Veröffentlichung der Original-Studie: 12.02.2019 / 20:14 / GMT Erstmalige Weitergabe der Original-Studie: 13.02.2019 / 00:15 / GMT

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