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Aktienrückkäufe und das Ende des Wirtschaftsbooms

Gastautor: Sven Weisenhaus
20.02.2019, 09:49  |  2056   |   |   

Vor etwa einem Monat hatte ich über rekordhohe Aktienrückkäufe berichtet und über die Gefahren, die damit einhergehen. Insbesondere schaffen einige Unternehmen damit keinen Mehrwert für die Aktionäre, sondern sie vernichten sogar Wert (siehe „Aktienrückkäufe auf Rekordniveau – Gefahren in den Bilanzen“). Jüngst hat das Handelsblatt dieses Thema auch noch einmal aufgegriffen und weitere sehr interessante Zahlen geliefert.

75 % der US-Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück

Demnach kaufte im vergangenen Jahr nur noch jede vierte börsennotierte US-Firma keine eigenen Aktien zurück. Und Experten sind sich sicher, dass 2018 rund ein Drittel des Anstiegs der Konzerngewinne auf diesen Effekt zurückging. So weit ist das erst einmal unproblematisch. Denn durch den Rückkauf von Aktien wird natürlich die Nachfrage erhöht und somit der Aktienkurs gestützt. Zudem wird die Aktienanzahl reduziert, womit sich der Gewinn auf wenige Anteile verteilt und die fundamentale Bewertung attraktiver wird. Beides ist vorteilhaft für die Aktionäre.

So hat Apple mit Aktienrückkäufen Geld verbrannt

Doch bei manchen Unternehmen führten die Rückkäufe zu grotesken Entwicklungen. So zog zum Beispiel Apple in nur vier Jahren 20 % seiner Aktien ein. Alleine in den vergangenen zwölf Monaten kaufte der iPhone-Konzern für umgerechnet 61 Milliarden Euro eigene Aktien - mehr als jedes andere Unternehmen auf der Welt. Zudem wurden 11,5 Milliarden Euro an Dividenden ausgeschüttet. Zusammengenommen waren das allerdings rund 17,8 Milliarden Euro mehr, als Apple im selben Zeitraum an Cashflow erwirtschaftete. Für die Rückkäufe musste also auf das Cash-Polster zurückgegriffen werden.

Auch das wäre noch nicht problematisch, wenn die Aktien zu sehr günstigen Kursen zurückgekauft worden wären. Doch Apple kaufte im vergangenen Jahr zu einem Durchschnittskurs von knapp über 180 Dollar zurück. In der Spitze wurden sogar 200 Dollar pro Aktie bezahlt. Und bei einem aktuellen Kurs von 170 Dollar je Aktie hat Apple mit den Rückkäufen Geld verbrannt. Und das ist ein klarer Nachteil für die Aktionäre.

Wenn die weiteren Perspektiven so rosig wären wie in den vergangenen Jahren und es klare Anzeichen dafür gäbe, dass der Aktienkurs bald wieder deutlich nach oben durchstartet, hätten sich die Käufe vielleicht doch noch gelohnt. Doch aktuell scheint der Markt für Apple-Produkte etwas gesättigt. Zumal auch der Handelsstreit mit China derzeit weiteres Wachstum verhindert. Und neue große Innovationssprünge hat es schon länger nicht gegeben. Daher wäre das Geld bei der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Apple vielleicht besser aufgehoben gewesen.

Apple ist kein Einzelfall

Apple ist aber kein Einzelfall. Auch der Chiphersteller Qualcomm griff für seine Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen auf Cash-Bestände zurück. In den vergangenen zwölf Monaten flossen 22 Milliarden Dollar in Aktienrückkäufe und weitere 3,3 Milliarden Dollar in Dividenden. Dem stand ein Liquiditätszufluss von gerade mal drei Milliarden Dollar gegenüber.

Man könnte diese Liste von wenig kreativer Mittelverwendung unendlich weiterführen. Und am Ende käme man zu dem Ergebnis, dass bei den 500 größten US-Konzernen die gesamten Aktienrückkäufe (511 Milliarden Euro) und Dividendenzahlungen (306 Milliarden Euro) der ersten drei Quartale des vergangenen Jahres den von den Firmen im selben Zeitraum erzielten Überschuss beim Cashflow (804 Milliarden Euro) überstiegen. Es handelt sich also um ein Massenphänomen.

Auch europäische und deutsche Unternehmen haben Wert vernichtet

Um derartige Mittelverwendungen und zum Teil Vermögensverschwendungen zu finden, muss man aber gar nicht erst über den großen Teich schauen. Denn auch europäische und deutsche Konzerne folgten den US-Beispielen. Deutsche Konzerne haben im abgelaufenen Jahr immerhin für 8,6 Milliarden Euro eigene Aktien zurückgekauft. Das ist zwar bei weitem nicht so viel wie bei ihren US-Pendants, aber so viel wie zuletzt vor der Finanzkrise.

Covestro hat dabei vielleicht am weitesten danebengegriffen. Der Chemiekonzern kaufte seit November 2017 eigene Aktien im Wert von fast 1,5 Milliarden Euro zurück – knapp 10 % des Grundkapitals. „Ziel des Aktienrückkaufprogramms war es, Wert für unsere Aktionäre zu schaffen“, stellte Finanzvorstand Thomas Toepfer klar. Tatsächlich kosten Covestro-Aktien heute (rund 50 Euro) allerdings 40 % weniger als Anfang November 2017 (rund 83 Euro).

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