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Ohne Grünschleier Satte Rendite und Nachhaltigkeit? Wie soll das zusammengehen? - Check!

21.02.2019, 10:37  |  5960   |   |   

Anleger, die grüne Geldanlagen im Visier haben, müssen verlockende Angebote durch den Zweifach-Check laufen lassen. Wie das funktioniert, zeigen wir an einem grünen Beispiel vom grauen Kapitalmarkt:

Wenn Rendite und Nachhaltigkeit ein Paar bilden sollen, kann zum Beispiel die Beteiligung Wattner SunAsset 8 ein Zielobjekt sein. Erstens: Die Analystenschätzungen für die jährliche, effektive Rendite von Wattner SunAsset 8-Nachrangdarlehen reichen von 4,7 bis 4,82 Prozent - ein recht solider, potenzieller Anlageerfolg, der risikobewussten, erfahrenen Anlegern zuwinkt.

Zweitens: Das Thema Nachhaltigkeit wird insofern abgedeckt, dass Anleger laut der Emittentin in Solarparks investieren, die auf brachliegenden Industrieflächen installiert wurden. Diese Solarfabriken sollen 12.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen. An dieser Stelle könnte unser Zweifach-Check, ob erstens der Renditewunsch und zweitens der Nachhaltigkeits-Anspruch des Anlegers erfüllt sind, schon zu Ende sein. Doch so einfach ist das selbstverständlich nicht.

Bei grün angestrichenen Investment-Angeboten muss besonders kritisch hingesehen werden: So genannte "grüne" Investments sind in der Vergangenheit zu häufig negativ aufgefallen. Prokon, Solarworld und German Pellets markieren bekannte Beispiele, die den Spaß an grünen Investments vermiest haben – und das sind nur die prominentesten Beispiele, über deren Pleiten die Medien intensiv berichtet haben.

Viele grüne Pleiten sind der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. Zwischen 2012 bis Anfang 2018 haben sich laut dem Portal "geld-bewegt.de", das von der Verbraucherzentrale Bremen erstellt wird, über 50 Anbieter von Umweltinvestments in die Pleite verabschiedet.

Die Gründe dafür, dass sich die Pleiten im grünen Bereich häufen, sind einerseits, dass viele der angeblich umweltfreundlichen Investments zu den riskanteren Anlageklassen wie geschlossene Fonds, Direktinvestments oder Nachrangdarlehen gehören - Geldanlagen auf dem grauen Kapitalmarkt, die ein erhöhtes Risiko in sich bergen -  so wie unser Beispiel Wattner SunAsset 8.

Andererseits scheint die Augenwischerei, dass grüne Anlagen immer einen sinnvollen Beitrag leisten, die klare Sicht auf das tatsächliche Risiko der Anlage zu vernebeln. Das lose Etikett "Nachhaltigkeit" bedeutet keineswegs mehr Anlegerschutz, Kundenfreundlichkeit oder Menschlichkeit im Investor Relations-Universum. Um es einmal klar zu schreiben: Wenn nachhaltige Investments in Schieflage geraten, geht es meist um den Totalverlust des Anlegergeldes. Das trifft – im schlimmsten Fall - auch auf unser Beispiel Wattner SunAsset 8 zu, das als Nachrangdarlehen angeboten wird.

Wie der Name "Nachrangdarlehen" schon sagt: Im Fall aller Fälle werden Anleger nachrangig – also auf jeden Fall nach den Gläubigerbanken - oder sogar gar nicht ausgezahlt. Ein Worst Case-Szenario wäre zum Beispiel, wenn der Finanzierungs- und Projektplan der Wattner-Solarexperten nicht aufgehen sollte und die Solarparks dicht machen müssten, was bei Wattner aufgrund des guten Track Records und den zum größten Teil schon durchfinanzierten Solaranlagen eher unwahrscheinlich ist.

Das beste Gegenmittel, um das Risiko beim Wattner SunAsset 8 oder anderen grünen Investments einzuschätzen, ist nach wie vor ein mühsamer, aber unerlässlicher Check des Wertpapierprospektes. Achten Sie auf folgende Passagen im Prospekt (Tipp: Mit der Tastenkombination "Strg" und "F" können Sie mittels Suchbegriffen im oft weit über hundert DIN-A4-Seiten langen Wertpapierprospekt navigieren):

- "Track Record": Wie viele Investitionen hat die Emittentin (im Beispielfall: die Wattner-Gruppe) bereits erfolgreich realisiert? Faustregel: Je mehr Erfahrung und je mehr jahrelange, regelmäßige Ausschüttungen an die Anleger, desto besser.

- "Blind Pool"?: Können Sie nachvollziehen, in was genau Ihr Geld investiert wird? Andernfalls haben Sie eventuell das so genannte "Blind-Pool"-Risiko zu tragen. Im Falle der größtenteils unregulierten, "grünen" Anlagen könnte eine Gesellschaft theoretisch zum Beispiel Geld in neue Kohlekraftwerke oder die Entwicklung von leistungsstärkeren Dieselmotoren für Panzerfahrzeuge stecken, wenn sie im Prospekt nicht genau angibt, in welche Projekte die Anleger-Millionen fließen sollen.

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