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Reiserecht Ärgernis für Reisende - Ihre Rechte bei Gepäckverlust!

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Gastautor: Markus Mingers
22.02.2019, 19:54  |  376   |   

Jeder kennt es. Bevor die Reise angetreten wird, muss nach – teils tagelanger Planung – der Koffer oder die Reisetasche gepackt werden. Kommt das Gepäck nicht am Urlaubsort an, ist der Ärger groß. Verzweifeln müssen Urlauber deswegen aber nicht, denn Fluggäste stehen bei Gepäckverlust Ansprüche gegen die Fluggesellschaft zu.

 

Der Traumurlaub am weißen Sandstrand in der Karibik ist gebucht und bezahlt, der Koffer mit Badekleidung und Abendgarderobe ist gepackt und der Check-In am Flughafen ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Selbst das Flugzeug hebt pünktlich ab. Doch all dies garantiert nicht, dass auch wirklich alles perfekt abläuft.

Immer hört man im Bekanntenkreis davon, dass das Gepäck nicht gleichzeitig mit dem Passagier am Zielort ankommt.

 

 

Verlust des Gepäcks sollte sofort gemeldet werden

 

 

Dieser Verlust soll laut Rechtsanwalt Markus Mingers von der Kanzlei Mingers & Kreuzerumgehend nach der Kenntniserlangung am Lost & Found-Schalter oder der Gepäckermittlungsstelle des Flughafens gemeldet werden. Ein entsprechendes Formular, in dem die Reisenden Angaben zum Gepäck machen, liegt dort bereit.

 

 

Welche Ansprüche bestehen gegenüber der Airline?

 

 

Ansprüche stehen den Reisenden allerdings nur gegenüber der Airline zu. Um die erste Zeit am Urlaubsort ohne Gepäck überbrücken zu können, muss die Airline dem Reisenden die Kosten für notwendige Einkäufe, zum Beispiel Wechselkleidung, Unterwäsche und ein Mindestmaß an Kosmetikartikeln ersetzen. Die entsprechenden Kassenzettel sollten laut RA Mingers zwingend aufgehoben werden.

 

Keineswegs muss die Fluglinie jedoch eine Luxus-Shoppingtour finanzieren. Vielmehr muss die Ersatzbeschaffung angemessen sein. Was im Einzelfall unter „notwendig“ und „angemessen“ zu verstehen ist, hängt von der Art der Reise und den Bedürfnissen des Reisenden ab.

So hat ein Reisender, der zu einer Hochzeit oder Gala eingeladen ist, mehr Ersatzbedarf als jemand, der einen entspannten Badeurlaub verbringen möchte.

 

Gerade bei Schuhen und Accessoires zur Kleidung müssen die Einkäufe mit dem jeweiligen Anlass vor Ort begründet werden.

Einen solchen Fall hatte das Amtsgericht Frankfurt a.M. im Juni 2017 zu entscheiden. Ein Mann flog von Frankfurt nach Malta, jedoch erreichte sein Gepäck den Zielort erst einmal nicht. Von der Fluggesellschaft wurde ihm mitgeteilt, dass es erst am nächsten Tag eintreffen würde. Der Reisende, der angab, am nächsten Tag einen Geschäftstermin wahrnehmen zu müssen und aus gesundheitlichen Gründen auf gewisse Kosmetikartikel angewiesen zu sein, nahm seine Ersatzbeschaffung in den Luxusboutiquen der Insel vor. So kaufte er unter anderem eine Boxershorts für 95 Euro ein.

Die Airline zahle ihm lediglich einen Pauschalbetrag, und auch das Amtsgericht gab seiner Klage auf Zahlung von 1.300 Euro nicht statt. (Urteil v. 01.06.2017, Az 30 C 570/17 (68)).

 

 

Schadensersatzansprüche, falls der Koffer verschwunden bleibt

 

 

Falls die Gepäckstücke hingegen gar nicht mehr auftauchen, stellt sich die Frage, welche Rechte der Reisende gegenüber der Fluggesellschaft geltend machen kann.

Aus diesem Grund wurde 1999 von der Europäischen Gemeinschaft ein Übereinkommen verabschiedet, welches insbesondere Haftungsvorschriften für eben solche Fälle beinhaltet. So steht Reisenden, deren Gepäck gar nicht mehr auftaucht, eine Entschädigungszahlung der Airline in maximaler Höhe von 1.400 Euro zu. Wichtig: Die Summe gilt pro Person, nicht pro Gepäckstück. Und es handelt sich nicht um eine Pauschale, sondern um eine Obergrenze.

Daher sei es laut RA Mingers sinnvoll, vorher Fotos vom Inhalt des Gepäcks zu machen und Quittungen aufzubewahren, zumal viele Airlines Nachweise über den Wert der verlorengegangen Sachen verlangen.

 

 

Wie verhält es sich beim Handgepäck?

 

 

Anders sieht die Rechtslage hingegen das Handgepäck betreffen aus. Da man das Handgepäck nicht dem Personal der Fluggesellschaft überlässt, gilt hier eine strikte Verschuldenshaftung. Man muss nachweisen, dass ein Mitglied der Kabinenbesatzung für den Verlust des Gepäcks verantwortlich ist.

 

 

Vergleichbare Rechtslage für Bahnreisende

 

 

Ähnlich ergeht es Bahnreisenden, die ihr Gepäck mit in den Zug nehmen. Auch hier gilt eine strenge verschuldensabhängige Haftung.

Wird das Gepäck hingegen bei der Bahn aufgegeben und verschickt, wird das Verschulden der Bahn vermutet und Reisende haben eine deutlich bessere Chance auf eine Entschädigungszahlung.

 

 

Bei weiteren Fragen zum Thema “Gepäckverlust”, wenden Sie sich an die Kanzlei Mingers & Kreuzer! Wir beraten Sie gerne. Erreichen können Sie uns unter der Telefonnummer 02461/ 8081 oder dem Kontaktformular auf unserer Website. Weitere Rechtsnews finden Sie in unserem Blog oder YouTube-Channel.

 

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Gastautor

Markus Mingers
Rechtsanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Arbeitsrecht und Wirtschaftsrecht

Markus Mingers ist Rechtsanwalt im Bereich Wirtschaft sowie Arbeitsrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht. Seit mehr als 13 Jahren ist er als Anwalt tätig und Inhaber von Mingers & Kreuzer Rechtsanwälte. Von mehreren Kanzleistandorten u.a. Köln, München oder Jülich aus erstreitet er mit seinem Team Gelder aus Themen und Urteilen, die dem Verbraucher bis dahin unbekannt sind. Er ist Experte im Bereich Rückabwicklung Lebensversicherung, Widerruf Autokredit und Verbraucherdarlehen sowie im VW Abgasskandal und LKW Kartell. Bekannt ist Markus Mingers vor allem durch seine Auftritte bei n-tv oder RTL sowie als Experte von FOCUS Online, hier ist sein Rat im Verbraucherrecht zu aktuellen Themen gefragt.

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