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Gerry Weber-Aktie "Schmutziger und dreister Insider-Handel"? - Herr Glaser, was ist da dran?

25.02.2019, 12:39  |  25389   |   |   

Mehr Licht ins Dunkel rund um die Gerry Weber-Aktie ist das Ziel der wallstreet:online-Redaktion. Da lag es auf der Hand, Volker Glaser zum Interview zu bitten. Der Börsenexperte ist Chefredakteur der "Vorstandswoche" und wallstreet:online-Gastautor.

Herr Glaser, Sie schreiben, dass "niemand so intensiv und so rechtzeitig wie die Vorstandswoche vor der Gerry Weber-Aktie gewarnt hätte". Warum wussten Sie mehr als die Analysten-Herde?

Ich kenne das Unternehmen schon seit rund 20 Jahren. Lange Zeit agierte die Firma erfolgreich. Die Aktie entwickelte sich fantastisch und die Krönung war die Aufnahme in den MDAX. Im Herbst 2015 hatten wir uns die Aktie angeschaut, ob nach einer bereits erfolgten Kurshalbierung zum Hoch, das Papier, wie in der Vergangenheit schon öfter, ein spannender Turnaround sein könnte. Operativ verschlechterten sich die Zahlen aber bereits. Die Übergabe des Zepters von Gerhard Weber auf seinen Sohn Ralf hat uns ebenfalls missfallen. Ralf leitete damals "erfolgreich" das Tennisturnier, die Gerry Weber Open. Ob das ausreicht einen Modekonzern zu leiten? Eher nicht. Wir hatten schon vor Jahren die Frage gestellt, ob er nicht zur Disposition steht. Am Ende verschlechterten sich die Zahlen immer weiter und die Schulden nahmen stark zu. Das ist alles sehr ungesund, wenn sich die Modebranche selbst in einem tiefen Umbruch befindet.

Gerry Weber International



Seit September 2017 empfehlen wir die Aktie stets aktiv zum Verkauf und warnten vor jeglichen Turnaround-Spekulationen. Damals notierte die Aktie bei 11 Euro und das Unternehmen war immer noch mit fast 500 Mio. Euro kapitalisiert. Für das entsprechende Geschäftsjahr wurde ein EBIT von 10 bis 20 Mio. Euro prognostiziert bei einem Umsatz von rund 900 Mio. Euro. Die Börse unterstellte aber bei der Bewertung, dass die Firma schnell wieder klotzige Margen verdient. Das hatten wir für absolut unrealistisch erachtet, was eine Verkaufsempfehlung auslöste. Im Frühsommer 2018 bekräftigten wir unser negatives Votum bei Kursen von über 5 Euro erneut. Das Zahlenwerk verschlechterte sich weiter, Geld wurde operativ fast keines mehr verdient und der Laden war zugleich mit rund 200 Mio. Euro netto verschuldet bei einem Börsenwert von 300 Mio. Euro. Wir hatten uns ehrlich gesagt gewundert, warum die Firma teilweise noch bejubelt wurde, weil die Analyse nicht so ganz schwer war.

Sie erwähnen im Zusammenhang mit den Kursturbulenzen der Gerry-Weber-Aktie die bösen Alarmwörter "wirklich schmutziger und dreister Insider-Handel". Das ist kein Pappenstil. Wie kommen Sie zu dieser Behauptung und wer sind Ihrer Meinung nach die Verantwortlichen?

Einen Journalistenpreis gewinnt man mit einer solchen Aussage sicherlich nicht. Die Adhoc-Mitteilung von Gerry Weber über den Antrag auf Anordnung des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens erfolgte am Freitag, den 25. Januar 2019 um 13.18 Uhr. Kurs: 1,33 Euro. Um die Mittagszeit des Vortages handelten die Anteilsscheine noch bei Kursen von rund 2,30 Euro. Plötzlich explodierte das Handelsvolumen und die Aktie ist erheblich unter Druck geraten. Alles Zufall? Wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag zusammenfällt, bestimmt. Oder wie sehen Sie das denn?

Bisher ist es zumindest für die breite Öffentlichkeit völlig unklar, wer hier die Gunst der Stunde nutzte und noch eilig Aktien veräußerte. Es ist aber auch nicht unsere Aufgabe, hier die Verantwortlichen zu suchen. Die Vorstandswoche ist nicht die Börsenpolizei.

Uns interessiert, wie Sie es schaffen, hinter die Kulissen zu schauen. Wie genau sammeln Sie valide, börsenrelevante Informationen? Gewähren Sie uns bitte einen konkreten Einblick in Ihren Werkzeugkasten.

Die Bibel eines jeden Aktionärs sind die Geschäftsberichte, Halbjahresberichte sowie Quartalsberichte. Sofern vorhanden, ist natürlich ein Wertpapierprospekt auch sehr dankbar. Im Geschäftsbericht empfehle ich die Lektüre des Lageberichts und des Anhangs sowie einen detaillierten Blick in die Kapitalflussrechnung. Das Lesen von Unternehmensmitteilungen sollte Standard sein. Zudem ist ein Gespräch mit dem Unternehmen hilfreich, sowie mit investierten Investoren und den Analysten. Ein Gespräch mit Kunden und Wettbewerbern kann auch sehr aufschlussreich sein.

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Kommentare

Hallo StumblingBumblingAndMumbling,

bisschen sehr schwach. Das kann ja jeder behaupten. Eine Begründung fordert schon ein wenig mehr vom denkenden Menschen. Wie wäre es mit ein wenig mehr Anstrengung und Hirnschmalz, verehrter Leser "StumblingBumblingAndMumbling"?! Wollen Sie nocheinmal, bitte?

Vielen Dank für Ihre Begründung im Voraus!

Freundlicher Gruß

Christoph Morisse, wallstreet:online-Redaktion

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