Marktkommentar: Christian Kopf (Union Investment): Die Fed lockert die Zügel
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Marktkommentar Christian Kopf (Union Investment): Die Fed lockert die Zügel

Nachrichtenquelle: Asset Standard
01.03.2019, 14:00  |  2711   |   |   

Noch vor kurzem waren sich die Finanzmarktanalytiker einig: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) werde im Verlauf des Jahres 2019 an ihrer Politik der stetigen Leitzinsanhebung festhalten.

Die US-Leitzinsen, die zum Ende des Jahres 2018 schon auf den Korridor von 2,25 bis 2,5 Prozent angestiegen waren, würden in 2019 um weitere 75 oder gar 100 Basispunkte angehoben werden. Soweit der Konsens zum Jahresausklang 2018. Heute sieht das Bild ganz anders aus und mancher Beobachter reibt sich verwundert die Augen: Die Analytiker sehen mittlerweile kaum noch Zinsanhebungen im Jahr 2019 und auch der Markt preist überhaupt keine Zinsschritte mehr ein. Was ist geschehen, dass sich die Einschätzungen so schnell und umfassend gedreht haben? Und was bedeutet der Umschwung für die Kapitalmärkte?

Den Grund für diesen plötzlichen Sinneswandel liefert der Markt selbst. Eigentlich hat die US-Notenbank ja nach wie vor gute Gründe, die Leitzinsen weiter anzuheben: Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ist auf dem niedrigsten Niveau seit Ende der 1960er, die Löhne steigen in letzter Zeit kräftig an, zuletzt um 3,3 Prozent im Jahr, und damit gibt es perspektivisch auch einen gewissen Aufwärtsdruck bei der Inflation. Kurzum: Im zweitlängsten Aufschwung der letzten siebzig Jahre droht eine Überhitzung der Volkswirtschaft ab, und da wären höhere Leitzinsen grundsätzlich angezeigt.

Indirekte Wirkung einer Leitzinsanhebung auf Konjunktur und Kapitalmarkt

Leitzinsanpassungen wirken dabei vor allem indirekt auf Konjunktur und Kapitalmärkte, und zwar durch vier Übertragungsmechanismen, die häufig miteinander in einer Wechselwirkung stehen:

  1. Höhere kurzfristige Zinsen – und nur hier hat die Fed mit den Leitzinsen einen unmittelbaren Hebel – führen in der Regel mittelbar auch zu höheren Renditen auf langlaufende Staatsanleihen. Dies wiederum erhöht die Hypothekenzinsen, die Haushalte für den Erwerb von Wohnimmobilien zahlen müssen. Im Ergebnis wird die Konjunktur im Baugewerbe gedämpft.
  2. Höhere Leitzinsen führen außerdem meist auch zu höheren Risikoaufschlägen auf Unternehmenskredite und -anleihen. Für die Konzerne werden Investitionen dadurch teurer, und so mancher Firmenlenker wird den ein oder anderen Expansionsplan damit in der Schublade lassen. Dies führt wiederum zu einer Drosselung des Neukreditgeschäfts und weniger Neuemissionen am Kapitalmarkt.
  3. Daneben führen höhere Leitzinsen oftmals zu schwächeren Aktienkursen. Da die US-Amerikaner für die Rente vor allem auf private Altersvorsorge über den Aktienmarkt setzen, schrumpft damit auch ihr Vermögen. Darauf reagieren die Haushalte typischerweise mit einer Einschränkung des privaten Verbrauchs, was die gesamtwirtschaftliche Nachfrage belastet.
  4. Schließlich führen höhere Leitzinsen in der Regel zu einer Aufwertung der Landeswährung. Dies senkt die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure und erhöht die Importe, was über einen niedrigeren Außenbeitrag zu einem schwächeren Wirtschaftswachstum beiträgt.

Kaum negative Effekte seit 2015

Die Leitzinsen wirken also vor allem indirekt auf das Wirtschaftswachstum, über ihre Beeinflussung der allgemeinen Finanzierungsbedingungen, also der Renditen von Staatsanleihen, der Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen, der Aktienkurse und der Landeswährung. Seit die Fed im Herbst 2015 mit ihren Leitzinserhöhungen begonnen hat, war in den USA jedoch kaum eine Straffung der Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft zu beobachten. Trotz höherer Leitzinsen kletterten die Aktienkurse weiter, die Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen blieben stabil und auch der US-Dollar wertete nur in überschaubarem Maße auf. Da ihre Geldpolitik also lange Zeit weitgehend wirkungslos verpuffte, hatte die Fed gute Gründe mit den stetigen Leitzinserhöhungen voranzuschreiten.

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