Deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien, aber viele ungelöste Fragen - Warum der Strompreis sich kaum verändert

Gastautor: Manfred Stock
01.03.2019, 14:45  |  2298   |   |   

In Deutschland werden die erneuerbaren Energien nach wie vor stark ausgebaut. Im Jahr 2016 betrug der Anteil am Stromverbrauch noch etwa 32%, Tendenz steigend. Betreiber von Offshore-Windparks brauchen keine staatlichen Zuschüsse mehr. Die Energiewende scheint sich nun langsam selbst zu tragen – aber warum verändert sich der Strompreis nicht?

Bildquelle: Free-Photos – www.pixabay.com

Der Strompreis ist nicht etwa ein Preis, der allein vom Energieversorger festgelegt wird. Dieser Anteil beträgt lediglich 18,5 %. Richtig, nur knapp ein Fünftel des Strompreises entfällt auf die Beschaffung, den Vertrieb und die Marge. Hinzu kommt ein weiterer essentieller Anteil von 25,2% bzw. ein weiteres Viertel für die Netznutzungsentgelte. Die anderen etwa 55% des Strompreises sind Steuern und Abgaben. Im Detail setzt sich der Strompreis so zusammen:

Teil des Strompreises

Abkürzung

Anteil in %

Netznutzungsentgelte

-

25,2

Erneuerbare-Energien-Gesetz

EEG

24,3

Beschaffung, Vertrieb, Marge

-

18,5

Umsatzsteuer

USt

16,0

Offshore-Haftungsumlage

-

7,2

Konzessionsabgabe

-

6,0

Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz

KWKG

1,5

Sonstige

-

1,3

Quelle: verivox.de

Um die Ursache für den sich kaum verändernden Strompreis zu finden, muss folglich in beide Richtungen ermittelt werden: Sowohl in Richtung Erzeuger und Netz, als auch in Richtung Staat und Kommune. Die Frage ist: Welche Probleme gibt es bei dem Wandel der Stromproduktion hin zu Erneuerbaren Energien und wie wirkt sich das auf den Strompreis aus?

Analyse: Strompreisveränderung in den vergangenen Jahren

Zunächst gilt es zu bestätigen, ob sich die Strompreise tatsächlich nicht bzw. kaum verändern. Die Publikation „Daten zur Energiepreisentwicklung“ vom Statistischen Bundesamt sagt auf Seite 48 Folgendes über den Strompreis aus:

  • Inklusive Steuern beträgt der Strompreis im Jahr 2017 bei Abgabe an einen privaten Haushalt mit einem Verbrauch zwischen 2500 und 5000 kWh 30,48 Cent/kWh.
  • Zu Beginn bis Mitte des Jahres 2008 waren es hingegen 21,48 Cent/kWh.

 

  • Innerhalb von 10 Jahren, die vollen Jahre gerechnet, wurde der Strom in Deutschland für private Verbraucher ca. 40% teurer. Für die Industrie wurde der Strom durchschnittlich ca. 30% teurer (Seite 49 der Publikation).

 

Zwar spricht das zunächst gegen einen sich kaum bewegenden Strompreis. Eine genauere Sichtung des Materials zeigt jedoch, dass der Strompreis vor allem bis zum Jahr 2013, also in der Hälfte der Zeit bis 2017, stark anstieg – nämlich um etwa 36%. Die letzten 4% verteilen sich auf die andere Hälfte des Zeitraums von 2013 bis 2017. Insofern darf also durchaus von einem sich kaum verändernden Strompreis gesprochen werden.

Die mangelnde Wechselbereitschaft deutscher Verbraucher

Das ist ein Grund für den aktuellen Stand der Energiepreise. Zwar gibt es einen Wettbewerb, der zum Beispiel durch Vergleichsportale im Internet für Stromtarife enger und härter geworden ist. Allerdings ist die Konkurrenz lange nicht so gefährlich wie in anderen Branchen, beispielsweise im Einzelhandel. Warum? Weil die Wechselbereitschaft der Deutschen sehr gering ist.

Das EEG: Erneuerbare-Energien-Gesetz ist aktiv

Ein weiterer Grund für den trotz funktionierender Energiewende nicht stagnierenden Strompreis ist, dass das EEG nach wie vor in Kraft ist. Es war zum Hauptteil für den rasanten Preisanstieg ab 2008 verantwortlich und hält den Preis nun oben. Eine Abschaffung wird – wenn überhaupt – erst dann stattfinden, wenn sich die Erneuerbaren nicht nur selbst tragen, sondern mehr lohnen als andere Energieträger bzw. Energieerzeugungsmöglichkeiten. Ansonsten würde die fehlende Förderung aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Umschwung weg von den Erneuerbaren Energien führen. Ein Grund, warum das Gesetz und damit die Abgabe in naher und mittlerer Zukunft wahrscheinlich nicht abgeschafft werden wird.

Technische Herausforderungen seitens der Netze

Von technischer Seite her gibt es einen limitierenden Faktor, einen Flaschenhals, wenn man das Energieversorgungsnetz in Deutschland betrachtet. Zwar findet sich im Süden viel Wasserkraft. Diese produziert aber nur einen kleinen Teil des Stroms. Vereinzelt sind auch Windkraftwerke oder Biomassekraftwerke und Solarparks vertreten. Doch der Hauptteil der Erneuerbaren Energien steht im Norden Deutschlands.

Das sind in erster Linie Offshore Windparks und weitere Windkraftwerke, Solarparks und Biomassekraftwerke. Wasserkraftwerke gibt es nur wenige. Daraus folgt, dass die Regionen mit dem größten Stromverbrauch im Süden den Strom aus dem Norden brauchen. Der Strom muss über Leitungen transportiert werden – und genau darin liegt das Problem.

Zu geringe Kapazitäten des Netzes

Auf die gesamte Zeit der Auslastung verteilt bietet das Stromnetz zwar genug Kapazitäten. Doch die Produktionsspitzen durch Erneuerbare Energien übersteigen die Kapazitäten regelmäßig. Der Strom kann damit nicht genutzt werden. Lösungsansätze sind Speichertechnologien, um die Spitzen abzubauen, und der Ausbau der Netze. Beides braucht viel Zeit und kostet Unsummen, was wiederum dazu führt, dass der Strompreis trotz eines beginnenden Durchbruchs der Erneuerbaren dortbleibt, wo er ist.

 

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