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Insight Investment Nachhaltigkeits-Siegel für Nationen

Gastautor: w:o Gastbeitrag
06.03.2019, 11:51  |  526   |   |   

Nachhaltiges Investieren gehört heute zum guten Ton. Mit Blick auf Research blieben Staaten bislang jedoch außen vor. Das Ratingmodell von Insight Investment schließt diese Lücke – und zeigt überraschende Ergebnisse.

Vor dem Hintergrund zunehmender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten rücken die Nachhaltigkeitsrisiken einzelner Länder gut zehn Jahre nach der Wirtschafts- und Finanzkrise vermehrt in den Fokus institutioneller Investoren. Laut des Forums für nachhaltige Geldanlagen (FNG) summierte sich das Anlagevolumen in diesem Bereich 2017 allein hierzulande auf 171 Milliarden Euro – so viel wie nie zuvor.

Die Politik forciert diese Entwicklung zusätzlich, selbst auf EU-Ebene widmet man sich der Entwicklung für ein nachhaltiges Finanzwesen. Die Crux: Trotz der zunehmenden Bedeutung, die den ESG-Faktoren Umwelt, Soziales und Governance beigemessen wird, konzentriert sich das Nachhaltigkeits-Research bislang fast ausschließlich auf Unternehmen. Staaten fristeten in dieser Hinsicht bislang ein Dornröschendasein.

Insight Investment war einer der ersten Fixed-Income-Manager, der ESG-Faktoren bei Unternehmensanleihen berücksichtigte. Zudem zählte der Asset- und Risikomanager, der per Ende September ein Vermögen von 678 Milliarden Euro verwaltete, vor zwölf Jahren zu den Gründungsunterzeichnern der Prinzipien für verantwortliches Investieren (UNPRI).

Abwärtsentwicklung in den meisten Ländern

„Gerade bei der Risikoanalyse von Staatanleihen sehen wir einen sehr wertvollen Input für unsere Anlageentscheidungen. Daher haben wir ein Länder-Rating für Nachhaltigkeitsrisiken entwickelt, um die Analyse unserer Portfoliomanager zu unterstützen. Zudem haben wir mit dem Momentum-Score einen Indikator eingeführt, der uns bei der Identifikation längerfristiger ESG-Trends eines Landes hilft“, unterstreicht Olaf John, Head of Business Development Europa bei Insight Investment.

Das länderspezifische Nachhaltigkeitsmodells umfasst 186 Staaten. Grundlage der Analyse sind 48 gleich gewichtete Parameter wie Treibgasemissionen, Bildungsausgaben, Lebenserwartung oder Kinderarbeit. Diese Daten stammen von länderübergreifenden Institutionen wie der Weltbank, den Vereinten Nationen oder der Internationalen Arbeitsorganisation.

Kernpunkte sind zwei Bewertungskategorien für jedes Land: das Nachhaltigkeitsrating und der Momentum-Faktor. Ersteres kann dazu beitragen, zwischen Führungsnationen und Nachzüglern zu unterscheiden sowie Länder zu identifizieren, die durch ESG-Themen am stärksten beeinträchtigt sind. Der ESG-Momentum-Faktor hingegen spiegelt den Trend für die Verbesserung oder Verschlechterung des ESG-Ratings wider.

Die Ergebnisse offenbaren, dass sich der ESG-Status der meisten Länder in den vergangenen Jahren verschlechtert hat, wobei der Trend weiter negativ ist. Industrieländer mit einem höheren Pro-Kopf-Einkommen schneiden in Bezug auf Governance und Soziales positiv ab, in Umweltfragen jedoch weniger gut.

Neuseeland an der Spitze

Der Momentum-Faktor auf einer Skala von +1 (maximal mögliche Verbesserung) bis -1 (maximal mögliche Verschlechterung) steht für die Veränderung der Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführung-Parameter während der vergangenen sechs Jahre. Hier zeigen die Ergebnisse, dass sich insbesondere der Faktor Governance in mehr als der Hälfte der entwickelten Marktländer verschlechtert hat. Überraschend: Beim Gesamtergebnis schnitt Neuseeland am besten ab. Der Inselstaat am anderen Ende der Welt punktet mit stabilen Institutionen, gefestigten sozialen Beziehungen bei einer nur begrenzten Exponierung gegenüber Umweltrisiken.

Deutschland rangiert zwar in der Gruppe der Länder mit der Höchstnote 1 im ESG-Gesamt-Rating. Beim ESG-Momentum-Faktor schafft es die Bundesrepublik aber nicht einmal unter die Top 100. Lettland ist das einzige Land, das es in beiden Bereichen in die Top 10 geschafft hat. Ein – zumindest auf den ersten Blick – erstaunliches Ergebnis: Die Elfenbeinküste ist nach dem Bürgerkrieg um die Jahrtausendwende und nach jahrelangen Bemühungen zum Wiederaufbau ihrer Wirtschaft das Land, das sich mit Blick auf die ESG-Faktoren am stärksten verbessert hat. Betrachtet man indes das Niveau solcher Länder, relativiert sich die Dimension. „Man muss berücksichtigen, dass Staaten mit schlechtem ESG-Status ein viel größeres Potential für Verbesserungen haben. Deshalb sollte man diesen Staaten auch nicht kategorisch den Geldhahn zudrehen“, bringt es Olaf John auf den Punkt.



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