DAX+0,18 % EUR/USD-0,55 % Gold-0,67 % Öl (Brent)+3,38 %

Geschlossene Immobilienfonds: sichere Geldanlage oder Risiko?

Gastautor: Rainer Brosy
07.03.2019, 14:50  |  626   |   |   

Wie krisensicher sind geschlossene Immobilienfonds?

Aufgrund der steigenden Zahlen bei Mieten und Immobilienwerten sind zahlreiche Anleger an einer Teilhabe interessiert. Der Erwerb von Anteilen an einem geschlossenen Immobilienfonds ermöglicht es, von der Entwicklung der Branche zu profitieren. Vor allem die Flucht der Anleger in Sachwerte nach der Finanzkrise 2008 hat zu einer steigenden Nachfrage geführt. Aber stellen die geschlossenen Immobilienfonds überhaupt eine sichere Geldanlage oder doch ein hohes Risiko dar?

Geschlossene Immobilienfonds sind für Anleger eine Möglichkeit, mit geringerem Kapitaleinsatz in Immobilien zu investieren. Bildquelle: skeeze / Pixabay

Wie funktionieren geschlossene Immobilienfonds?

Als Privatanleger kann man sich an einer bereits fertigen oder noch zu bauenden Immobilie beteiligen. Die Emittenten des Immobilienfonds verkaufen Anteile, um das notwendige Eigenkapital für die Investition von den Anlegern einzusammeln. Wurde das Investitionsvolumen für das Projekt oder die Projekte erreicht, wird die Anlage für weitere Investoren geschlossen. Daher spricht man von einem geschlossenen Immobilienfonds.

Die im Fonds investierten Anleger werden zu Gesellschaftern einer Handelsgesellschaft, die Eigentümerin des Objekts wird. Daraus resultiert, dass die Anleger Anteile am Gewinn verzeichnen, aber auch das Risiko von Verlusten (mit)tragen. Die Laufzeit der geschlossenen Fonds liegt bei zehn Jahren und mehr; ein vorzeitiger Ausstieg zieht meist Verluste nach sich – wenn er überhaupt möglich ist.

Dabei ist es egal, ob es sich um eine Wohn-, eine Büro- oder Gewerbeimmobilie handelt. Die Investition in all diese Objekte ist seit Jahren bekannt und beliebt, weil sie als substanzstark und krisensicher gilt. Der Immobilienmarkt hat sich aufgrund dessen in den zehn Jahren nach der Finanzkrise größter Beliebtheit erfreut.

Anwalt Niels Andersen erkennt Risikopotential

Foto: RA Niels Andersen. Bildquelle:APS Rechtsanwalts GmbH

Zuvor waren Beteiligungen an Schiffen führend in diesem Kapitalmarkt – bevor die Banken und Reeder Schiffsfonds versenkten. Niels Andersen, Anwalt für Kapitalmarktrecht, erkennt bei geschlossenen Schiffs- und Immobilienfonds Ähnlichkeiten: „Das Risiko wird bei geschlossenen Immobilienfonds an die Investoren weitergegeben – wie bei Schiffsfonds. Dadurch können auch bei Immobilienfonds Verluste für die Anleger entstehen.“

Nun präsentieren sich geschlossene Immobilienfonds häufig als krisensichere Kapitalanlage. Bei der Investition in Anteilen dieser Fonds müssen Anleger jedoch achtsam sein. In den letzten Jahren gab es bereits einige Insolvenzanmeldungen von Emittenten geschlossener Immobilienfonds – darunter befindet sich beispielsweise die Deutsche Capital Management AG.

Wichtig für die Anleger ist daher auch die Rechtsform, in der der Fonds betrieben wird. Da man als Miteigentümer auch für die Risiken haftet, muss man über die Höhe des Risikos Bescheid wissen. Ist der geschlossene Immobilienfonds als Kommanditgesellschaft (KG) geregelt, ist der Anleger in der Regel Kommanditist. Der maximale Verlust kann die Investitionssumme dann nicht übersteigen – es sei denn, es ist eine überschießende Hafteinlage im Handelsregister eingetragen.

Nachteile von geschlossenen Immobilienfonds

Noch ganz anders verhält es sich, wenn der Fonds in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) geregelt ist. Jeder Gesellschafter ist dann nicht nur mit der Investitionssumme, sondern auch mit dem privaten Vermögen haftbar. Die Risiken sind in solch einem Fall also sehr hoch. Weiterhin offenbaren geschlossene Immobilienfonds noch weitere schwerwiegende Nachteile:

  • Hohe Kosten
  • Lange Laufzeit
  • Komplexe Objektbeurteilung und Prognose
  • Hohe Mindesteinlage

 

Geschlossene Immobilienfonds weisen sehr hohe Kosten auf, die vorab anteilig auf die Investitionssumme gezahlt werden müssen. Oft liegen die Kosten bei 15 bis 20 Prozent. Zu Beginn der Investition besteht daher ein beträchtlicher Verlust, den es erst einmal auszugleichen gilt.

Weitere Verluste ergeben sich in der Regel, wenn ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Immobilienfonds angestrebt wird . Es gibt für die Anteile keinen geregelten Handel wie an einer Börse, so dass zunächst einmal ein Käufer gefunden werden muss. Ansonsten müssen die Investoren einen langen Atem besitzen, da die Laufzeiten meist mehr als zehn Jahre betragen.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Gastautor

Rainer Brosy
Geschäftsführer

Rainer Brosy (B.Eng.) betreibt eigene Finanz- und Energieportale und gehört zum Team verschiedener ICO`s.

RSS-Feed Rainer Brosy

Meistgelesene Nachrichten des Autors