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Handelsstreit: Panikmache ist übertrieben

Gastautor: Sven Weisenhaus
09.03.2019, 09:26  |  2573   |   |   

Nicht nur in der Eurozone scheint derzeit die Notwendigkeit gegeben, der Wirtschaft mit neuen Finanzspritzen unter die Arme zu greifen (siehe vorgestrige Börse-Intern). Auch in China macht man sich Sorgen um das zukünftige Wachstum. Angesichts aktueller Zahlen ist das auch kein Wunder.

Der Handelskonflikt hinterlässt tiefere Spuren

Gestern meldete Chinas Zollbehörde zum Beispiel, dass die Exporte des Landes im Februar um 20,7 % zurückgegangen sind. Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 4,8 % gerechnet, nach einem unerwarteten Plus von 9,1 % im Januar. Auch die Importe sanken im Februar überraschend deutlich. Der Rückgang zum Vorjahresmonat lag hier bei 5,2 %, die Expertenschätzung bei -1,4 %. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres ging Chinas Welthandel insgesamt um 3,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück (Exporte: -4,6 %, Importe -3,1 %). Ein Teil davon dürfte dem Handelsstreit geschuldet sein.

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Und es kann noch schlimmer kommen

Bereits am vergangenen Sonntag ging aus einer Studie für das Forschungsnetz EconPol Europe hervor, dass die derzeitigen US-Strafzölle und die chinesischen Gegenzölle die chinesischen Exporte in die USA um 52,1 Milliarden Euro belasten würden, was China 5,7 Milliarden Euro seiner Wirtschaftsleistung koste. Die US-Exporte nach China würden dagegen „nur“ um 37,1 Milliarden Euro und die US-Wirtschaftsleistung um 2,6 Milliarden Euro sinken.

Und wenn die zwei Wirtschaftsmächte die angedrohten Zölle von 25 % auf alle Waren erheben würden, könnten Chinas Exporte in die USA laut EconPol Europe um insgesamt 171,3 Milliarden Euro und die US-Exporte nach China um 51 Milliarden Euro zurückgehen. Ein derartiger Handelskrieg würde die Wertschöpfung in der US-Industrie zwar um 0,6 % steigern, in der Landwirtschaft jedoch um 1,22 % senken, heißt es in der Studie dazu weiter. Die US-Wirtschaftsleistung könnte daher in Summe um 9,5 Milliarden Euro sinken, die Chinas allerdings sogar um 30,4 Milliarden Euro. Denn in China würde die Wertschöpfung der Industrie um 0,8 % sinken.

Eine bessere Verhandlungsposition für die USA

China verliert also sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen mehr als die USA. Und damit befindet sich US-Präsident Donald Trump theoretisch in einer besseren Verhandlungsposition. Zumal die US-Wirtschaft den Handelsstreit insgesamt durchaus locker verkraften kann. Denn im Jahr 2018 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA geschätzt auf rund 20,4 Billionen US-Dollar gestiegen sein.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) USA

Würde die US-Wirtschaftsleistung also wie in der oben genannten Studie in Summe um 9,5 Milliarden Euro belastet, wäre das eigentlich kaum der Rede wert. Das Wachstum in 2019, das von Experten aktuell noch mit deutlich mehr als 2 % angenommen wird, dürfte dadurch nur geringfügig gebremst werden.

Die Panikmache vor dem Handelsstreit ist übertrieben

Und daher verwundert es auch nicht, dass sich die Aktienkurse in den USA von ihren jüngsten Kursverlusten sehr schnell erholen konnten und damit bislang lediglich in der erwarteten Seitwärtskonsolidierung auf hohem Niveau stecken, obwohl man angesichts der ganzen Schwarzmalerei in Sachen Handelsstreit eigentlich von deutlich tiefer stehenden Aktienkursen erwartet hätte.

Ähnliches gilt aber auch für China. Dessen BIP dürfte 2018 bei rund 14 Billionen US-Dollar gelegen haben. Ein Rückgang der chinesischen Wirtschaft durch den Handelsstreit um 30,4 Milliarden wäre für China zwar schmerzhafter, aber es wären immer noch nur 0,02 % (!) des BIP.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) China

Mit ein paar Konjunkturmaßnahmen dürfte diese „Wunde“ schnell „heilen“.

China greift der heimischen Wirtschaft unter die Arme

Und welch Zufall, zum Auftakt der Jahrestagung des Volkskongresses kündigte der chinesische Regierungschef Li Keqiang an, 2019 die Gesamtausgaben des Staates um 6,5 % zu erhöhen. „Das Wachstum der globalen Wirtschaft verlangsamt sich, Protektionismus und Unilateralismus nehmen zu“, sagte Li. Angesichts des Handelskrieges mit den USA und der hohen Verschuldung in China nähme der Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft weiter zu. Das Wachstum im Konsum lasse nach und den Investitionen fehle der Schwung.

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