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Deutsche Bank und Commerzbank Scholz im Zwiespalt: 30.000 Jobs weg oder zwei Großbanken aufpäppeln

11.03.2019, 15:15  |  6115   |   |   

Olaf Scholz, Vizekanzler und Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland, kommt im Zuge der Diskussion um eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank immer mehr unter Druck. Sein Dilemma:

Der Bundesfinanzminister gilt als Fürsprecher für eine Fusion der beiden deutschen Großbanken. Einerseits scheint dem Bundesfinanzminister jetzt aber die Zeit davon zu laufen, um das Verschmelzen der beiden Großinstitute in trockene Tücher zu bringen. Andererseits scheint ein schneller Zusammenschluss nicht ohne hohe politische Kosten möglich. Der Stand der Dinge:

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Laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" sitzt den Berliner Politikern die Europawahl Ende Mai im Nacken. Bei neuen Mehrheiten im Europaparlament, die eine Bankenfusion zu einer deutschen Großbank verhindern könnten, drohe "ein beihilferechtliches Problem, wenn die beiden Banken bei ihrem Zusammengehen eine Form staatlicher Stütze bräuchten", so der Zeitungsbericht.

Zudem könnte die politische Lage weiter an Stabilität einbüßen, wenn die Regierungsparteien Union und SPD bei der Europawahl zu viele Stimmen einbüßten. Das könnte sogar den Fortbestand der großen Koalition (GroKo) in Berlin gefährden. In einer solchen Krisenlage wären weitere Schieflagen von deutschen Großbanken zumindest als kritisch zu betrachten.

Auf der anderen Seite wird eine Fusion augenscheinlich nicht ohne den Verlust von mehreren Zehntausend Arbeitsplätzen möglich sein, was dem SPD-Minister, der für seine Partei eine große Gewerkschafts-Klientel bedienen muss, nicht schmecken dürfte. Laut dem "Handelsblatt" gehen Analysten davon aus, dass der Zusammenschluss der beiden Banken ein Verlust von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen bedeutet. Dadurch würden immerhin bis zu 40 Prozent der Kosten, die bei der Commerzbank anfallen, wegfallen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing treibt offensichtlich einen "wirtschaftlich sinnvollen Deal" voran, was bedeutet, dass Kosten- und Arbeitsplätze in großem Stil eingespart werden. Die Gewerkschaft Verdi trommelt erwartungsgemäß gegen die Elefantenhochzeit im deutschen Bankensektor. Und Teile der SPD-Führung rümpfen die Nase, wenn sie auf Scholz`Großbanken-Pläne angesprochen werden.

So steht Olaf Scholz vor einem Dilemma: Wichtige Wählerschichten vergraulen oder nach der Europawahl zwei zurzeit angeschlagene deutsche Großbanken eventuell langwierig und mit ständigen staatlichen Finanzspritzen am Leben erhalten.

Quellen:

Handelsblatt

Welt am Sonntag

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5 Kommentare

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Kommentare

p.s. man muss sich nur mal die horrenden Verluste seit Jahren, allein bei der dt. Bank im Investment-Derivate-Segment anschauen. Gruselig, ich frag mich allen Ernstes was die dort so alles beruflich machen???
Und wenn es eine Regierung nicht schafft die Regeln so zu gestalten, dass man die Investment-Sparte vom Kernbankensystem zu trennen hat, dann wird ein Zusammenschluss auch nix bringen, (außer dass der Aktionär mal für alles gerade zu stehen hat)
Vorsicht,es sind Politiker,die zäumen das Pferd vielleicht von hinten auf!
Wir alle,haben extreme Opfer,für den Euro bringen müssen,aber irgendwie kommen wir nicht so richtig klar,es könnte sein,dass den herrschenden klar geworden ist,dass weitere finanztechnische Verwüstungen und Enteignungen notwendig sein werden,um das Euro-Experiment fortzusetzen!
Möglicherweise soll hier mit der Banken-Fusion der weg für neue Zumutungen bereitet werden,da,könnte der knackpunkt liegen,speziell sollte man sich einmal Macrons Pläne und ihre Finanzierbarkeit ansehen,übrigens soll jetzt sogar noch ein neuer Flugzeugträger gebaut werden,das sprengt so langsam jeden Rahmen und man fragt sich,sind wir eigentlich vollkommen fertig,ohne solche Maßnahmen?
Ich meine,dass man die Marktwirtschaft mal teilweise ausser kraft setzt,um eine Anstrengung zu bewältigen,ok,aber irgendwann zwingt einen das leben dann zurück,auf den Boden der Vernunft,wir können dieses Zinsgefüge keinesfalls dauerhaft erhalten!
Dabei ist es egal,was mit einzelnen Marktteilnehmern passiert,es geht ums große Ganze!
Eine Verstaatlichung,wäre vollkommen zwecklos,das bliebe eine dauerhafte Geldverbrennung,die Grundidee einer Bank,muss in einer Marktwirtschaft funktionieren und ihren Platz haben,sonst fliegt uns das alles eh irgendwann um die Ohren!
Also,eventuelle,geht es nicht,wie gesagt um Arbeitsplätze,sondern um die Schaffung,der notwendigen Umstände für ein "Wir wollen trotzdem weiter machen"
ich hätte kein Problem damit, wenn 30.000 Mäuler weniger zu stopfen sind. Aber die Politiker werden das schon ala Brot für die Welt und Essen auf Rädern zum Nachteil der Anleger dementsprechend reglementieren.
Die SPD könnte die beiden Banken doch einfach verstaatlichen, würde das nicht helfen? In Berlin soll die bevorstehende (Teil-)Verstaatlicheung der Deutsche Wohnen doch etliche Probleme lösen, warum so zaghaft Herr Scholz? Grüne und Linke im Bundestag machen bestimmt mit!

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