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Wenn politische Risiken verblassen

Gastautor: Dr. Ulrich Kater
12.03.2019, 14:39  |  560   |   |   

Natürlich darf man sich eine Welt ohne politische Risiken wünschen oder zumindest davon träumen. Wie schön wäre solch eine Welt für Anleger, Unternehmer und nicht zuletzt für Volkswirte. Ganz so einfach ist es freilich nicht. Immerhin stellen wir aber fest, dass derzeit einige politische Risiken sukzessive verblassen: Die USA nähern sich in diesen Tagen einem Abkommen mit China an, sodass die Sorgen um eskalierende globale Handelskonflikte nachlassen. Der Austritt der Briten aus der EU zieht sich hin und wird schwierig, aber zuletzt hat die Gefahr eines harten Brexits abgenommen. Die Unsicherheit ist also vielerorten tatsächlich etwas geringer geworden.

 

Nun muss die Weltwirtschaft nur noch das halten, was wir uns von ihr versprechen: Keine Rezession, sondern eine Fortsetzung der schon lange andauernden gesamtwirtschaftlichen Expansion in diesem und nächstem Jahr, wenngleich mit erkennbar geringerer konjunktureller Dynamik als in den vergangenen beiden Jahren. Getragen wird der Aufschwung von der soliden Binnenkonjunktur in vielen Volkswirtschaften, vor allem durch die privaten Konsumausgaben bei einer ausgezeichneten Arbeitsmarktentwicklung. Ergänzend sollten die in den letzten Quartalen vom schwachen Welthandel ausgehenden Belastungen für die Industrie nachlassen. Insgesamt erwarten wir, dass die gesunkenen Stimmungsindikatoren in der Breite ihren Boden finden und die Abwärtsrevisionen bei den Konjunkturprognosen sowie den Unternehmensgewinnschätzungen ein baldiges Ende finden.

 

Dass die im Prinzip seit Frühjahr 2018 anhaltende Abwärtsbewegung bei vielen Daten und Prognosen zum Stillstand kommt und damit der Aufschwung Bestand hat, ist keineswegs selbstverständlich für Notenbanken und für die Kapitalmärkte. Zwar hat die US-Notenbank Fed immerhin ihre Normalisierung der Geldpolitik vorangetrieben und kann sich nunmehr eine Pause bei den Zinserhöhungen leisten. Doch die meisten anderen großen Notenbanken haben bestenfalls mit dem Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik begonnen. Warum auch? Die nur sehr mäßigen Inflationsraten mahnen keineswegs zur Eile. Das Ausmaß und die Dynamik der zu erwartenden monetären Straffung erscheint den Märkten noch moderater zu sein als bis Ende 2018 angenommen. Dies hat nicht unerheblich zu dem freundlichen Kapitalmarktumfeld der letzten Wochen beigetragen. Davon sollten wir uns nicht blenden lassen. Kurzfristig wieder etwas ruppigere Momente an den Märkten und auch im weiteren Jahresverlauf nennenswerte Volatilität sind realistische Perspektiven. Trotzdem: Ein immer länger sich hinziehendes Nullzinsumfeld und eine insgesamt stabile Konjunktur deuten darauf hin, dass Wertpapieranlagen eine sinnvolle Alternative bilden und die negative Performance aus dem letzten Jahr ein Ausreißer gewesen ist.

 

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Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt, DekaBank

Der promovierte Volkswirt war von 1995 bis 1999 im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Seit 1999 hat er maßgeblich zum Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank beigetragen, ist seit 2004 Chefvolkswirt der DekaBank und übernahm 2006 den Vorsitz der Kommission Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken, den er bis heute innehat.

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