Wird Russland Deutschland schon 2024 wirtschaftlich überholen?

Gastautor: Dr. Viktor Heese
14.03.2019, 12:17  |  3509   |   |   

Nach dem Fall der UdSSR drohte Russland ein Dritte Welt-Staat zu werden. Auf letzter Pressekonferenz gab Putin bekannt, Russland werde bald fünfstärkste Volkswirtschaft der Welt. Die Aussage ist realistisch. Das 2017er BIP betrug 4,01 Bill. USD, das von Deutschland 4,17 Bill. USD. Die Überholung sieht PricewaterhouseCoopers im Jahr 2030 https://ostexperte.de/pwc-russland-2030-groesste-wirtschaft/ . Wahrscheinlich geht es auch früher.  

Kapitalismus „von oben“ (Russland) funktioniert nicht so gut wie der „von unten“ (China)

Die russischen Staatseliten sind wenig am betriebswirtschaftlich und renditeorientierten „Kapitalismus von unten“ interessiert. Sie fürchten Machtverlust, eine fremde ökonomische Denkweise und sind nur für eine langsame Demokratisierung der Wirtschaft. Mittelstand und Existenzgründungen werden kaum gefördert, Korruption und Rechtsunsicherheit bleiben präsent, die Konsumgesellschaft ist noch stark unterentwickelt. Ungeachtet dieser Mängel feiert der „Kapitalismus von oben“ Erfolge, so auf dem Weltmarkt nicht nur im Rüstungsexport, sondern auch in der Raumfahrt oder beim Kernkraftbau. Ohne die Sojuz-Raketen würde der Astro-Alex nicht zur ISS fliegen. Umgekehrt wird im Forbes-Ranking kein globaler Konsumgüter- und Dienstleistungskonzern aus Russland zu finden sein. 

Der Staatskapitalismus ist nur bedingt vergleichbar mit den erfolgreichen Emerging Market von China oder Vietnam, die mehr „Kapitalismus von unten“ wagen. Er ist aber auch kein Rentierstaat (OPEC, Golfländer), der allein von Rohstoffexporten „lebt“. Russland verfügt über eine breite Produktionsbasis und konnte trotz Ölpreisverfall und Westsanktionen die Krise von 2015/2016 wirtschaftlich besser überstehen als Saudi-Arabien. Russische Großkonzerne (Gazprom, Lukoil, Rosneft, Sberbank) in den Schlüsselsektoren Öl/Gas, Banken und Bergbau befinden sich mehrheitlich im Staatsbesitz. An Gazprom, dessen Aktie im Westen notiert sind, besitzt der Staat 50,1%. Der Energiemulti spielt in der russischen Wirtschaft eine hyperaktive Rolle und redet in ordnungspolitischen Fragen mit (Subventionen, Regulierungen, Staatsaufträge). 

Auch hat der junge Staatskapitalismus wenig Berührung mit dem Turbokapitalismus der osteuropäischen EU-Neulinge, die gerade kleine Wirtschaftswunder feiern. Viel Gemeinsamkeit mit Westeuropa gibt es bei der Unternehmensfinanzierung aus Gewinnen und Krediten. Die im Vergleich zur Realwirtschaft unterentwickelten Kapitalmärkte bringen Vorteile: Sie schützten die Russen - Bankkrisen kennt das Land - vor den Extremen der Börsen, des Investmentbankings, der Hedgefonds und vor Bankenrettungen.

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