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United Internet: Kaufgelegenheit? United Internet: Was nun, Ralph Dommermuth?

Gastautor: Volker Glaser
17.03.2019, 00:02  |  3289   |   |   

Über viele Jahre hinweg war die Aktie von United Internet ein echter Dauerläufer und Liebling institutioneller Investoren. Über einen Zyklus von gut 17 Jahren (!) kannte die Aktie nur eine Richtung: Nach Norden! Schwächephasen waren stets exzellente Kaufgelegenheiten. Anfang 2018 und im vergangenen Sommer kletterte das Papier auf neue Höchstkurse von fast 60 Euro. Über viele Jahre hinweg galt United Internet als großer Favorit für den 1. Wechsel eines Mitglieds vom TecDAX in den DAX.  Seit Sommer 2018 aber geht’s bei United Internet stetig abwärts. Von einem Aufstieg in den DAX spricht heute keiner mehr. Seit dem Hoch hat sich die Aktie von United Internet sogar nahezu halbiert. Was nun, Ralph Dommermuth?

In der Vergangenheit konnte man sich auf den UI-Chef verlassen. Er verwöhnte seine Aktionäre stets mit Rekorden. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, dass der CEO ab und an auch schon mal danebengreift und damit Millionen versenkt. Beispielsweise bei Tele Columbus. Dieses Investment dürfte als Millionengrab bei United Internet enden. Mit der Beteiligung an Rocket Internet hat er ebenfalls schon kräftige Abschreibungen vornehmen müssen. In der Summe macht der Firmenchef aber mehr richtig als falsch. Das reicht. Das Unternehmen hat zudem inzwischen eine Größenordnung erreicht, von deren Niveau aus neue Rekorde immer ambitionierter werden. Dazu kommt die Unsicherheit um das Thema 5G. Obwohl überhaupt noch nicht nutzbar, sorgte der neue Mobilfunkstandard für eine Beschleunigung des Kursrutsches. Ende Januar verkündete der CEO, dass die 1&1 Drillisch AG, Kernbeteiligung von United Internet, einen Antrag auf Zulassung zur Auktion zur Vergabe von Mobilfunkfrequenzen gestellt hat und im Falle einer erfolgreichen Ersteigerung von Frequenzen ein 5G-Mobilfunknetz betreiben will. Ziel ist die Positionierung der Gruppe als 4. Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland. In diesem Zusammenhang hat sich 1&1 Drillisch Kreditlinien von 2.8 Mrd. Euro gesichert. Auf dieses Vorhaben reagierte die Börse nochmals mit Kursverlusten. Derzeit handelt die Aktie bei Kursen um 32 Euro. So „günstig“ gab es die Aktie zuletzt im Jahre 2014!

Offenbar ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen. Dommermuth wäre aber nicht mehrfacher Milliardär, wenn er mit seinem Vorhaben mit 5G nicht einen sehr konkreten Plan hätte. Da er selbst noch mit rund 40 % größter Aktionär seiner Firma ist, wird er schon nicht in den Harakiri-Modus verfallen und sich selbst zerstören. Was auch immer der CEO im Detail plant, es wird nicht so schlecht für die Aktionäre des Unternehmens sein. Im Markt gibt es verschiedene Spekulationen: Eine ist beispielsweise, dass Dommermuth bei der Vergabe von 5G Lizenzen am Ende nicht ernsthaft mitbieten wird und sich dafür mit dem bisherigen Partner Vodafone auf einen langfristigen und für ihn attraktiven Vertrag einigen wird.  Zur weiteren Spekulation gehört auch, dass sich 1&1 Drillisch für den Ausbau von 5G einen Partner mit ins Boot nimmt. Dommermuth hat in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt, dass er gerne mit starken Partnern in verschiedenen Bereichen zusammenarbeitet. Warum also nicht auch hier? Dritte Spekulation: Bekanntlich hat sich Dommermuth mit der Übernahme von Drillisch den Zugang zum Netz von Telefónica gesichert. Angeblich denkt Telefónica über einen Verkauf des Deutschland-Geschäfts nach. Nachzuvollziehen ist das sehr gut. Die Entwicklung von Telefónica Deutschland ist desaströs. Das Papier kennt seit vielen Jahren im Wesentlichen nur eine Richtung: Abwärts! Jüngst markierte die Aktie ein neues Rekordtief. Der Börsenwert ist auf weniger als 9 Mrd. Euro zusammengeschmolzen. Die spanische Muttergesellschaft wäre gut beraten, sich über die deutsche Tochter mal intensiv Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll. Da wäre Dommermuth mit seiner United Internet sogar ein guter Partner. Natürlich kann sich Dommermuth Telefónica Deutschland nicht leisten. An der Börse ist aber nichts unmöglich. Die Spanier könnten ihre Anteile entsprechend bei der Gruppe von United Internet einbringen. Theoretisch wäre eine Übernahme durchaus möglich. Sollte also das Geschäft der Spanier in Deutschland zur Verfügung stehen, wird Dommermuth sicher alle Optionen prüfen.

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