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S&P 500 – Aufwärtsdynamik lässt nach

Gastautor: Klaus Singer
17.03.2019, 14:27  |  2464   |   |   

Die jüngsten Inflationsdaten in den USA kamen schwächer herein als erwartet. Der CPI ist mit 1,5% auf Jahressicht so schwach gestiegen wie seit September 2016 nicht. Der PPI („Final Demand“) ist im Monatsvergleich mit +0,1% weniger gestiegen als mit +0,2% erwartet, nach einem Minus von 0,1% im Vormonat. Der PPI auf Basis der Beschaffungspreise für Rohstoffe (PPI-ACO) ist im Februar gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um 0,3% geschrumpft. Das ist das erste negative Ergebnis seit Oktober 2016.


Die nachlassende Inflation störte bullische Anleger nicht weiter, auch wenn sie in 2018 über weite Strecken steigende Preise noch als Beleg für eine brummende Wirtschaft gefeiert hatten. Jetzt greift man statt dessen zur Fahne des Goldilocks-Szenarios, in der die Wirtschaft nicht zu heiß, aber auch zu kalt läuft. Je nach Geschmack träumt man von einer durch die Zentralbanken gemanagten sanften Landung oder von einem von denselben Institutionen veranstalteten moderaten Wachstum. Mittelmaß eben, das darauf setzt, dass die “richtige“ Politik der Zentralbanken unser aller Wohlstand sichert.

So wurde die nachlassende Inflationsneigung eben auch nicht als ein (weiteres) Warnzeichen für nachlassende wirtschaftliche Dynamik genommen, sondern als Beleg dafür, dass der nächste Zinsschritt nach oben in immer weitere Ferne rückt. Und dafür, dass die Fed früher als geplant ihren Kurs der Bilanzverkürzung stoppt oder zumindest wieder verlangsamt, nachdem sie im Oktober des zurückliegenden Jahres noch eine Schippe drauf gelegt hatte. Insofern kommt der in der kommenden Woche stattfindenden FOMC-Sitzung eine wichtige Bedeutung zu – man erwartet zu diesem Thema erste Hinweise.

So lange die Mehrheit der Anleger an ein Goldilocks-Szenario und damit an die Allmacht der Zentralbanken glaubt, werden deren jüngste Andeutungen auch nicht als das genommen, als was man sie sehen sollte – als frühe Warnzeichen eines wirtschaftlichen Abschwungs, der angesichts der extremen Verschuldungsgrade schnell ernste Konsequenzen haben kann. So wird die Fed nicht müde, ihre Geduld bei der Zinspolitik zu betonen und ist längst davon abgerückt, ihre Bilanzverkürzung auf „Autopilot“ zu betreiben. EZB-Präsident Draghi verschiebt eine mögliche Änderung des Leitzinses der Eurozone in das nächste Jahr und kündigt eine Verlängerung des Programms günstiger Bankkredite an. Die Zentralbanken in Australien, Kanada und in Großbritannien sind in Wartestellung übergegangen. In der VR China wird seit Wochen die Bereitschaft zu günstigerer Geldversorgung und zu fiskalischen Anreizen betont, um expansionäre Kräfte zu unterstützen.

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