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Buchtipp – von Dr. Dr. Rainer Zitelmann Die Autobiografie von Dirk Roßmann

Gastautor: Rainer Zitelmann
17.03.2019, 17:56  |  1737   |   |   

Dirk Roßmann (mit Olaf Köhnen und Peter Käfferlein), „…dann bin ich auf den Baum geklettert!“ Von Aufstieg, Mut und Wandel, Ariston Verlag, 239 Seiten.

Dirk Roßmann, Gründer der gleichnamigen Drogeriemarktkette, war sein Leben lang ein Rebell. Er verkörpert fast prototypisch den Unternehmertyp, den Joseph Schumpeter beschrieben hat. Er hat sich stets aufgelehnt, und das fing bereits in der Schule an: „Ich habe alles, was mit der Schule zu tun hatte, gehasst. Es war furchtbar. Ich wollte ja lernen, aber mit Zucht und Ordnung war bei mir nichts zu holen. Deswegen frustrierte mich dieser Ort nur.“ (S. 46 f.) Zur Bundeswehr wollte er nicht, weil er sich um die Drogerie seiner Mutter kümmern musste. Er wollte aber auch nicht den Kriegsdienst verweigern. Er rückte unter Protest ein, verweigerte aber konsequent über Monate hinweg jeden Befehl, und zwar so lange, bis man ihn in die Bundeswehr-Psychiatrie einlieferte. Nachdem er da raus war, kletterte er in Uniform auf einen hohen Baum und blieb stundenlang dort sitzen, bis ihn die Feuerwehr herunterholte (S.23). Schließlich erreichte er, was er wollte und wurde aus der Bundeswehr entlassen.

 

„Der Mensch braucht Geld, um frei zu sein“

Was ihn sein Leben lang antrieb, ist ein ungeheurer Freiheitsdrang. Roßmann ist kein Mann, der Wert auf Luxus und teure Konsumgüter legt. Er ist heute mehrfacher Milliardär, einer der reichsten Deutschen. Aber er fährt ein acht Jahre altes Auto, hat ein altes Handy (kein Smartphone), besitzt weder Jacht noch Jet und gibt nur für Bücher und Reisen gerne viel Geld aus (S. 165 f.). Geld ist für ihn ein Mittel, um frei und unabhängig zu sein: „Der Mensch braucht Geld, um frei zu sein. Eine simple Weisheit. Und ich wollte so viel Geld verdienen, dass ich unabhängig war und in der Lage, entscheiden zu können, was ich tun möchte.“ Das war auch das Motiv, selbstständig zu werden. Er „wollte niemandem Rechenschaft ablegen müssen, niemals Befehlsempfänger sein. Lieber wollte ich einmal einen kleinen Kiosk an der Ecke unserer Straße betreiben, als dass ich eine gut bezahlte Stelle in einem Unternehmen annahm, in dem ein Chef das Sagen hatte.“ (S. 36). Freiheit gehe „immer einher mit einer finanziellen, einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit.“ (S. 36). Dieses Motiv verbindet ihn – wie übrigens viele andere Dinge auch – mit den Reichen, die ich für meine Dissertation „Psychologie der Superreichen“ interviewt habe.

 

Mit 16 die erste Eigentumswohnung

Ein anderes verbindendes Element: Roßmann fing schon sehr früh an, unternehmerisch zu handeln. Er sparte sein Geld, lieh sich noch etwas dazu und hatte damit das Eigenkapital, um schon mit 16 Jahren seine erste Immobilie – eine Eigentumswohnung für 66.000 D-Mark – zu erwerben (S. 70). Schon mit zwölf oder dreizehn Jahren fing er an, Geld zu verdienen. Er hatte die Idee, die Kunden zu Hause mit Produkten aus der Drogerie seiner Mutter zu beliefern, machte damit 5000 D-Mark Umsatz und 500 Mark Gewinn im Monat – damals sehr viel Geld. Bald schon lieferte er nicht mehr selbst aus, sondern stellte seinen Bruder an (S. 64 f.). Er fing als Teenager an, zu investieren und auch mit Optionsscheinen zu spekulieren (was ihm später fast zum Verhängnis werden sollte).

1972, im Alter von 25 Jahren, eröffnete er seine erste eigene Drogerie. Er hatte eine Idee, die sofort einschlug: Zum ersten Mal sollten Drogeriewaren in Deutschland in einem Selbstbedienungsladen angeboten werden. Die Kunden standen schon bei der Eröffnung Schlange und seine kühnsten Erwartungen wurden übertroffen. Im Überschwang der Gefühle lies er eine Kundin mit 150 D-Mark Ware im Einkaufswagen vorbeiziehen, ohne dass sie bezahlen musste (S.83). Heute besitzt Roßmann 3800 Filialen in Deutschland, Polen, Ungarn, Tschechien, Albanien und der Türkei und beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiter.

 

Schopenhauer und Psychologie

Schon als Jugendlicher begann er, sich für Philosophie zu interessieren, vor allem Schopenhauer tat es ihm an. Später wandte sich sein Interesse der Psychologie zu. Er begann selbst eine Therapie, unter anderem deshalb, um seine Konfliktfähigkeit zu erhöhen. Er habe anfangs beispielsweise ein schlechtes Gewissen gehabt, Mitarbeiter zu entlassen (S. 105). Das scheint später nicht mehr sein Problem gewesen zu sein, denn selbstkritisch beschreibt er, wie er oft aufbrausend war und Dampf an anderen abließ (S.141). Roßmann ist ein begeisterungsfähiger Mensch. Und so begeisterte er sich so stark für die Psychologie, dass er schließlich selbst eine Ausbildung als Gestalttherapeut und in Themenzentrierter Interaktion begann (S.110). Er schrieb sogar gelegentlich in Fachzeitschriften über psychologische Themen (S.111) und schickte seine Führungskräfte in gruppendynamische Kurse (S. 116).

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