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ROUNDUP 2 US-Notenbank signalisiert Ende der geldpolitischen Straffung

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
20.03.2019, 21:16  |  391   |   |   

(durchgehend aktualisiert und erweitert)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Die US-Notenbank Fed stellt ihre Ende 2015 begonnene geldpolitische Straffung vorerst ein. In diesem Jahr wird sie ihren Leitzins voraussichtlich nicht mehr anheben, im kommenden Jahr allenfalls einmal. Zudem will die Notenbank den im Herbst 2017 begonnenen Abbau ihrer billionenschweren Bilanz stoppen. Die Finanzmärkte reagierten deutlich auf die Ansagen der Zentralbank: Der amerikanische Dollar gab ebenso nach wie die Zinsen am US-Anleihemarkt. Die US-Aktienbörse reagierte zunächst positiv, der Dow Jones schloss aber leicht im Minus.

Die US-Wirtschaft hat sich nach Einschätzung der Federal Reserve abgekühlt. Wie die Notenbank am Mittwoch nach ihrer Zinssitzung in Washington mitteilte, bewertet sie die Lage am Arbeitsmarkt zwar weiterhin als stark. Das Wirtschaftswachstum habe sich jedoch abgeschwächt. Der Anstieg der Konsumausgaben und der Investitionen sei langsamer geworden. Angesichts der Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte sei eine "geduldige" Geldpolitik angemessen. Damit bestätigte die Fed ihre abwartende Haltung.

Ihre Zinserwartungen schraubte die Fed deutlich nach unten. Wie aus neuen Zinsprognosen der Notenbanker hervorgeht, wird in diesem Jahr keine Zinsanhebung mehr erwartet. Zur Jahreswende hatte die Fed noch zwei Anhebungen in Aussicht gestellt. Für kommendes Jahr wird nur eine Zinserhöhung für möglich gehalten. Die Zinsprognosen der Notenbanker gelten an den Börsen als wichtiges Signal, wohin die Zentralbank mittelfristig mit ihrer Geldpolitik steuert.

Notenbankchef Jerome Powell bestätigte die vorsichtige Haltung der Notenbank vor der Presse. Es sei eine gute Zeit, geduldig zu sein und abzuwarten. Aktuelle Konjunkturdaten sprächen weder für Zinsanhebungen noch für Zinssenkungen. Zudem verwies Powell auf die nach wie vor verhaltene Inflation, die ein wichtiger Grund für die vorsichtige Haltung der Fed sei. Es könne durchaus einige Zeit dauern, bis die wirtschaftliche Entwicklung eine geldpolitische Handlung erfordere, resümierte Powell.

Er verwies auf die Abschwächung der Wirtschaft in China und Europa. Zudem sei der Brexit ein Unsicherheitsfaktor. Man hoffe auf einen geordneten Brexit. In den USA würden zudem viele Unternehmen die Handelskonflikte als Unsicherheitsfaktor benennen, sagte Powell.

Den Abbau ihrer billionenschweren Bilanz will die Fed bereits in diesem Herbst stoppen. Ab Mai soll der Abbau zunächst weniger schnell erfolgen. Konkret sollen dann nicht mehr Wertpapiere im Wert von bis zu 30 Milliarden Dollar ohne Wiederanlage auslaufen, sondern nur noch Wertpapiere im Wert von bis zu 15 Milliarden Dollar nicht mehr in neue Wertpapiere investiert werden.

Ende September soll der Bilanzabbau dann ganz eingestellt werden. Danach soll die Bilanzsumme der Fed in etwa konstant gehalten werden. Darüber hinaus will die Fed ab Oktober einen Teil der auslaufenden Hypothekenpapiere, die das Gros ihrer Bilanz ausmachen, in Staatsanleihen umschichten.

Die Bilanz der Federal Reserve ist gegenwärtig rund viermal so groß wie vor der großen Finanzkrise 2008. Zum Jahresende 2019 dürfte sie etwa 3,5 Billionen Dollar betragen, sagte Fed-Chef Powell. Diese ungewöhnlich hohe Summe ist eine Spätfolge der Finanzkrise, in der zahlreiche Krisenmaßnahmen ergriffen wurden. Dazu zählen massive Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren zur Stützung der Wirtschaft.

Auf einen Teil ihrer Bilanzsumme zahlt die Fed den Geschäftsbanken Zinsen. Kritiker monieren, dies sei eine staatliche Subvention und ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Banken außerhalb der USA. Beispielsweise erhalten die Banken im Euroraum auf ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank keine Zinsen, sondern müssen dafür eine Art Gebühr (Negativzins) zahlen.

Ihren Leitzins tastete die Notenbank wie von Experten erwartet nicht an. Das Zielband für den Leitzins "Fed Funds Rate" liegt weiterhin zwischen 2,25 und 2,5 Prozent. Analysten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Im vergangenen Jahr hatte die Fed vier Mal die Zinsen angehoben. Die letzte Erhöhung im Dezember war die neunte Anhebung seit Beginn der Zinswende Ende 2015./bgf/jsl/fba

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