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XING geht, kommt wirklich New Work? XING: Greift LinkedIn mit Microsoft zu?

Gastautor: Volker Glaser
25.03.2019, 00:04  |  2119   |   |   

Beim sozialen Netzwerk für berufliche Kontakte im deutschsprachigen Raum lagen wir ganz gut daneben. Lange Zeit gehörte das Papier zu unseren Favoriten. Vor einigen Jahren hatten wir bei der Aktie allerdings schon zu Gewinnmitnahmen geraten, weil die Bewertung doch recht stolz war. Im Zyklus von 10 Jahren hat sich die Aktie nun mehr als verzehnfacht. Den bisherigen Höchstkurs erreichte XING im Herbst 2018 mit Kursen von fast 330 Euro.

Im Rahmen der starken Korrektur im Q4 musste die Aktie Federn lassen und korrigierte um fast 100 Euro. Aktuell handeln die Anteilsscheine wieder bei über 300 Euro. Die Performance ist durchaus beeindruckend und XING-CEO Thomas Vollmoeller macht einen exzellenten Job. Das hatten wir dem Firmenchef gar nicht zugetraut. Seit seinem Amtsantritt im Jahre 2012 läuft es jedenfalls rund. Die Aktie notierte damals übrigens bei Kursen von etwa 40 Euro. Vollmoeller verdiente im Jahr 2016 fix 320 000 Euro und 2017 bereits 450 000 Euro. Insgesamt lag die Vergütung in 2017 bei über 1.1 Mio. Euro. Angesichts der Entwicklung des Unternehmens, operativ als auch an der Börse, hat der CEO seine Gage in jedem Fall verdient. XING gehört zu über 50 % zum Burda-Konzern. Oberaufseher des Unternehmens ist Stefan Winners, der im Aufsichtsrat die Interessen des Großaktionärs vertritt. Winners scheint jedenfalls bei der Vorstandsvergütung einen guten Job zu machen und seinen CEO nicht völlig überzubezahlen.

Im Jahr 2018 erzielte XING einen Umsatzzuwachs von 25 % auf über 235 Mio. Euro. Bereinigt um Effekte durch Akquisitionen der Firmen InterNations und Prescreen beläuft sich das Wachstum auf 21 %. Das EBITDA expandierte um 23 % auf 75.2 Mio. Euro. Die Marge von sage und schreibe 32 % kann sich sehen lassen. Netto werden im Jahr 2018 rund 31 Mio. Euro in der Kasse klingeln. 21 % mehr als im Vorjahr. Bereinigt um Einmaleffekte aus Earn-Out-Anpassungen lag das Gewinnwachstum sogar bei fast 30 %.

Der Geschäftsbereich B2C, der die Einnahmen der Bezahlangebote für Endkunden ausweist, ist im vergangenen Jahr um 12 % auf rund 100 Mio. Euro gewachsen. Bereinigt um Übernahmen betrug das Plus immerhin noch 5 %. Die größte Erlösquelle sowie der stärkste Wachstumstreiber sind allerdings das Segment B2B E-Recruiting. Die innovativen Lösungen für Unternehmen, mit denen sie angesichts des immer stärker um sich greifenden Fachkräftemangels Talente finden und rekrutieren können, sorgten für einen Umsatz von fast 110 Mio. Euro. Das entspricht einem Wachstum von gut 40 %. Im Geschäftsbereich B2B Marketing Solutions & Events verzeichnete das Unternehmen mit 22 % auf fast 22 Mio. Euro Umsatz ebenfalls ein ordentliches Wachstum. Inzwischen kann sich der CEO über eine stramme Mitgliederbasis von über 15 Mio. Nutzern freuen. Rund 1 Mio. davon nutzen die kostenpflichtigen XING-Mitgliedschaften.

XING profitiert den Angaben von Vollmoeller zufolge insbesondere von Dienstleistungen für Unternehmen. „Die tektonischen Veränderungen der Arbeitswelt machen sich verstärkt bemerkbar - unsere Angebote rund um das Thema New Work treffen den Nerv.“ Allerdings geben wir zu beachten, dass Themen rund um den Arbeitsmarkt auch konjunkturellen Schwankungen unterliegen. Die derzeit florierende Einheit unterliegt typischen Zyklen und könnte in Phase von Rezessionen durchaus betroffen sein. Ob es insgesamt wirklich sinnvoll ist direkt das Unternehmen in New Work SE umzubenennen, halten wir doch für eher zweifelhaft. Zumal der Name doch eher sperrig rüberkommt und stark gewöhnungsbedürftig ist. Aber das Unternehmen scheint auf Namensänderungen zu stehen. Zum Börsengang hörte die Firma auf den Namen: OpenBC AG. Nun also bald New Work SE.

Es stellt sich aber generell die Frage, wie lange XING oder künftig New Work überhaupt noch an der Börse notiert sein wird. Immer wieder kursieren Gerüchte durch die Börsenlandschaft, XING könnte von Microsoft aufgekauft werden. Wettbewerber LinkedIn wurde im Jahr 2016 von Microsoft gekauft. XING wäre ein idealer Kandidat für das soziale Netzwerk zur Pflege von bestehenden Geschäftskontakten und würde zum Knüpfen von neuen geschäftlichen Verbindungen exzellent passen. Burda wird sicher zu einem bestimmen Preis schwach. Daran haben wir keinen Zweifel. Derzeit wird XING mit 1.7 Mrd. Euro kapitalisiert. Für Microsoft keine große Summe, die der Konzern locker aus der Portokasse zahlen kann. Durchaus möglich, dass die Aktie von XING aus diesem Grund schon wieder sehr fest im Markt notiert. Das Unternehmen teilte uns indes mit, dass ein Übernahmeszenario aus einem Grund eher nicht darstellbar sei. Nach der Entscheidung der europäischen Kartellbehörden bei Microsoft und dem Kauf von LinkedIn wurde in Sachen Marktabgrenzung ein eigenständiger Markt für Professionelle Soziale Netzwerke angenommen. Sollte Microsoft XING aufkaufen, würde zu dies eher zu einer markbeherrschenden Stellung führen oder sogar zu einem Monopol. Eine Genehmigung für eine solche Übernahme erscheint daher zunächst ausgeschlossen, die im Ergebnis zu einer Abschottung des Marktes für alle übrigen tatsächlichen oder potentiellen Wettbewerber führen würde. Das ist in der Tat ein starkes Argument. In der heutigen Zeit halten wir aber nichts für unmöglich, wenngleich derartige Übernahmen auch nur mit Auflagen genehmigt werden können. 

Fundamental halten wir die Aktie weiterhin für extrem gut bezahlt. Das KGV für 2019 liegt bei strammen 43. Zudem fragen wir uns, ob die aktuellen Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn tatsächlich nachhaltig gehalten werden können. Mit zunehmender Größe wird es eher schwierig werden, dass Wachstumsraten von mehr als 20 % machbar sind. Wer bei XING noch investiert ist, bleibt dabei. Erst bei deutlichen Kursrücksetzern ist das Papier wieder eine Option.

www.vorstandswoche.de

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Wertpapier
MicrosoftXING


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Kommentare

Hallo in die Community,

nach der Entscheidung der europäischen Kartellbehörden in Sachen MS / LI hinsichtlich Marktabgrenzung wurde ein eigenständiger Markt für Professionelle Soziale Netzwerke angenommen. Eine Übernahme von XING durch MS / LI würde zu einer vertieften marktbeherrschenden Stellung führen (in unserem Fall wohl sogar in der extremen Form eines Monopols). Es dürfte ausgeschlossen sein, dass eine solche Übernahme genehmigt würde, die im Ergebnis zu einer Abschottung des Marktes für alle übrigen tatsächlichen oder potentiellen Wettbewerber führen würde.

Aus diesem Grund ist das vom Autor dargestellte Übernahmeszenario durch MS rechtlich nicht nachvollziehbar / darstellbar.

Grüße Patrick Möller

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