DAX-0,37 % EUR/USD-0,01 % Gold-0,01 % Öl (Brent)0,00 %

Forex-Report Londoner Unterhaus stimmt für Brexit-Aufschub

Gastautor: Folker Hellmeyer
04.04.2019, 11:18  |  1029   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1239 (08:00 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1215 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111,4. In der Folge notiert EUR-JPY bei 125,2. EUR-CHF oszilliert bei 1,12173.     

Die Vernunft siegt im britischen Unterhaus mit einer Stimme Mehrheit bzw. 313 zu 312 Stimmen. So hat heute Nacht das britische Unterhaus eine Gesetzesvorlage gebilligt, die die Regierung zu einem weiteren Brexit-Aufschub verpflichten soll. Abgesegnet werden muss die Vorlage am Donnerstag vom House of Lords, dem britischen Oberhaus. Ob dieses zustimmt, bleibt offen: weder die Regierung noch Labour zusammen mit den Liberal-Demokraten haben eine Mehrheit im Haus inne.  Die Entscheidung wird mit den Stimmen der unabhängigen Mitglieder fallen, die  ca. ein Drittel des Hauses ausmachen. Fest steht, dass eine - wenn auch hauch-dünne - Mehrheit im britischen Parlament sich der Folgen eines Brexits für Großbritannien bewusst ist und sie verhindern will. Mehr aber auch nicht. 

Die Antwort auf die viel gestellte Frage: „was will das UK?“, versuchen May und Corbyn zusammen zu finden. 

Die skeptische Haltung der EU zu einer weiteren Verschiebung ist nicht nur nachvollziehbar, sie sollte sogar konsequent als „Nein“ durchgehalten werden. Die EU hat versucht, Großbritannien in Fairness gehen zu lassen. Im Gegensatz dazu verhält sich das britische Parlament wie ein Student, der immer wieder nach einem neuen Abgabetermin für seine Seminararbeit fragt, weil er der Thematik nicht gewachsen ist. Es ist der Punkt erreicht, an dem Großbritannien aus der EU geworfen gehört. Reisende soll man ziehen lassen, in Ausnahmefällen muss man sie direkt in den Flieger setzen. 

Auf den ersten Blick erscheint diese Haltung hart, aber der aus einer weiteren Mitgliedschaft entstehende Schaden für die EU ist zu hoch.  
Kurzfristig liegt der Schaden darin, dass die politischen Kräfte in der EU durch den Brexit zu lange gebunden worden sind und weiter gebunden werden. Andere wichtige Aufgaben und Reformschritte werden so nach hinten gestellt bzw. vernachlässigt. 
Käme es gar zu einer Teilnahme an den EU-Wahlen, würde ca. die Hälfte der britischen Vertreter in einem Parlament sitzen, das sie per se ablehnen. Ein konstruktives Begleiten hin zu einer politischen Union wäre undenkbar. Auch vor dem Hintergrund der anstehenden Verhandlungen zum Außenhandel mit den USA benötigt Europa einen klaren Fokus und nicht den internen Einfluss von einem Land, das sich Europa nicht zugehörig fühlt. 

Seite 1 von 2


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors