Türkei: Wirtschaftskrise medial aufgebauscht oder real existent?

Gastautor: Dr. Viktor Heese
04.04.2019, 16:40  |  8393   |   |   

Deutsche Medien sehen bei den Kommunalwahlen in der Türkei Erdogan geschwächt und die Wirtschaft einbrechen. Egal wie man zu diesem Politiker stehen mag, das Warten auf die „Pleite“ des Landes ist realitätsfremd. Die Türkei ist nicht mehr der „kranke Mann Europas“, weist heute zwar die üblichen konjunkturellen Schwächen aus (Wachstum, Währung, Inflation), ist aber ein ökonomisch starkes Schwellenland. So liebäugelt Ankara heute mit es dem BRICS-Beitritt. China, Russland und die Golf-Staaten werden ihr im Notfall Kredite gewähren.

Schwache Wirtschaftsdaten werden exponiert, starke Daten verschwiegen

Im Falle der Türkei hört der Leser ständig vom Lira-Crash, Massenarbeitslosigkeit, Hyperinflation steigender Auslandsverschuldung, Wachstumsschwäche oder sogar von einer drohenden Insolvenz https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10692380-inflation-tuerkei- .... Für 2019 werden „nur noch“ +2,5% BIP-Wachstum (Deutschland +0,8%!) erwartet. Über die geringe Inlandsverschuldung, neuen Touristikboom, stabiles Interesse der Auslandsinvestoren und hohe Devisenreserven erfährt der Leser so gut wie nichts. Die Arbeitslosigkeit in der Türkei ist mit 11% niedriger als in vielen EU-Staaten. Einige Experten sehen in der umstrittenen Krise sogar eine neue Chance. https://www.euractiv.de/section/eu-aussenpolitik/news/tuerkei-wie-die- ....

Abschwung oder Rezession – ein feiner semantischer Unterschied

Die Aussenhandelszentrale gtai spricht dagegen von einer Depression. 2018 brachen besonders die Investitionen ein (hier: Bau). Die Bundesagentur erklärt aber nicht, ob der Einbruch Folge einer konjunkturellen „Überhitzung“ ist - dann ist es eine normale Zyklizität - oder ein Dauerabschwung. https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=die-tuerk ...

Auch die Konjunkturlokomotive China soll mit wirtschaftlicher „Überhitzung“ massiv zu kämpfen haben - wissen unsere Experten Bescheid. Gerne verschweigen sie, dass die Türkei mit einem 2017er BIP von 2,2 Bill. USD (Kaufkraftparitätsmethode) von der Wirtschaftskraft mit Italien vergleichbar ist.

Lira-Verfall Folge des permanenten Handelsbilanzdefizite

Inflation, schwache Lira und Handelsdefizite sind dennoch die akuten Problemfelder der Wirtschaft. Diese ist zwar nur halb so auslandsaffin, wie die deutsche (Anteile der Handelsvolumina am BIP mit 45% bzw. 71%). Dennoch schwächt das permanente Handelsdefizit von 77 Mrd. USD 2017 die Landeswährung massiv und überträgt sich negativ über die „importierte“ Inflation. https://www.gtai.de/GTAI/Content/DE/Trade/Fachdaten/MKT/2016/11/mkt201 .... Diese und das Handelsdefizit treiben wiederum die Zinsen und die Inlandspreise an. Vorläufig ein Teufelskreis.

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